
Luke Donald setzt in New York auf Erfahrung, Taktikstärke und Ryder-Cup-DNA
Beim Ryder Cup geht es um mehr als jeden einzelnen Spieler, es geht um Prestige und Ehre, es geht um Ruhm und Teamspirit. Es geht darum, das eigene Land oder den eigenen Kontinent zu vertreten und als Gruppe von Spielern zusammenzuwachsen. Welch riesige Rolle dabei auch legendäre Vorbilder spielen können, die als Captains und Vice Captains das Team leiten, bekamen die US-Amerikaner nicht zuletzt 2023 in Rom zu spüren. GOLF’N’STYLE wirft einen Blick auf die Männer hinter dem europäischen Erfolg und erklärt ihre Rollen in New York.
Da ist er wieder. Luke Donald. Der Captain. Der erste Mann, der seit Bernard Gallacher in den 90ern mehrmals hintereinander das europäische Team anführte und der Mann, der als erster Kapitän seit Tony Jacklin (80er) die Chance hat, zwei Ryder Cups in Folge zu gewinnen. Die Rufe in Rom 2023 waren laut gewesen: „One more year, one more year“ hatte es von den Tribünen gehallt. Die Fans: Sie waren sich einig gewesen. Der heute 47-Jährige hatte in Rom mit seinen zwölf Schützlingen und seinen Vice Captains einen derart überzeugenden Job gemacht, dass sie ihn damals auch zwei Jahre später, 2025 in New York, als Mr. Europe hatten sehen wollen. Den Fans wurde Gehör geschenkt. Luke Campbell Donald, wie er mit vollem Namen heißt, wird auch auf dem Black Course im Bethpage Park Team Europe anführen.
Sinnbild des „Miracle of Medinah“
Der Engländer, der, obwohl ihm nie ein Major-Sieg gelang, auf eine unglaubliche Golfkarriere zurückblicken kann, hat die Chance, in den USA den ersten Auswärtssieg bei einem Ryder Cup seit 2012 zu holen. 2012: das Miracle of Medinah. Die unglaubliche Aufholjagd des europäischen Teams, das nach einem 4:10-Rückstand noch zurückkam und die Amerikaner am Ende mit 14 ½ zu 13 ½ besiegte. Luke Donald steht wie ein Sinnbild für diesen Erfolg in Chicago. Nicht weil es der letzte Ryder Cup ist, in dem der Brite selbst spielen durfte, sondern weil er ausgerechnet nach einer deftigen 7&6-Klatsche am Samstagmorgen im Vierer gegen den diesjährigen US-Ryder-Cup-Kapitän Keegan Bradley die Wende selbst mit einleitete. Nur wenige Stunden später holte er im Fourball einen wichtigen Punkt gegen Tiger Woods und Steve Stricker, am Sonntag gewann er das erste Singles-Match gegen Bubba Watson.
Architekt des Erfolgs
Luke Donald ist ein Gewinner-Typ. Das zeigen nicht nur seine 17 Toursiege auf der PGA Tour und der DP World Tour, sondern auch seine Ryder-Cup-Bilanz. Wenn Luke Donald dabei war, dann siegte Team Europe. So war es 2004, 2006, 2010 und 2012 und so war es 2023 als er Kapitän in Rom war. Luke Donald ist ein Gewinnertyp und so baut er auch das Team um sich herum auf.
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Edoardo Molinari: Der Statistiker!
Der 44-Jährige ist der Statistik-Guru und Zahlen-Nerd im europäischen Captains-Team und der erste Vice Captain von 2023, den Luke Donald in sein Team zurückholte. „Es bedeutet mir unglaublich viel, wieder dabei zu sein. Der Ryder Cup in Rom war eine der besten Wochen meines Lebens. Ich bin sehr stolz, Teil des Teams zu sein und werde alles dafür tun, damit Europa wieder als Sieger vom Platz geht“, sagte Molinari, der einen maßgeblichen Anteil am Erfolg in Rom 2023 hatte, gegenüber GOLF’N‘STYLE.
Taktik-Mastermind
Edoardo Molinari ordnet gemeinsam mit Luke Donald die Stärken der potenziellen Spieler im Team ein und analysiert, wie gut diese Fähigkeiten zum Golfplatz im Bethpage Park in New York passen. Er ist der Mann, der seine Einschätzungen dazu abgibt, wer es verdient hat, einen Captains-Pick zu erhalten, und derjenige, der genau analysiert, welche europäischen Spieler in den Fourballs und Foursomes am besten zueinanderpassen. Und schließlich ist Molinari auch die Person, die in Rom mitentschied, mit den klassischen Vierern zu beginnen anstatt mit den Fourballs, wie bei einem Ryder Cup in Europa sonst üblich. Ein Kniff, den „Dodo“ Molinari wie so oft auf seine Statistiken stütze, die besagen, dass die Europäer in dieser Disziplin bis dato erfolgreicher waren als die Amerikaner – ein Kniff, der, wie wir heute wissen, funktionierte. Alle Vierer am Freitagmorgen konnte Team Europe 2023 in Rom für sich entscheiden. 4:0. Ein Rückstand, von dem sich die US-Amerikaner nie mehr erholten.
Daten-Guru der Tour
Molinari, der Ingenieurswesen studierte, hatte schon immer ein Faible für Zahlen und Daten, zeichnete längst seine eigenen Statistiken auf, bis 2019 andere Tourspieler zu ihm kamen und ihn um Hilfe baten. So wurde aus einem anfänglichen Hobby mit der Zeit ein Business. Der Italiener, der selbst 2010 als Spieler einen Ryder Cup gewann, gründete mit StatisticGolf seine eigene Firma, die später mit dem für GPS-Schläger-Sensorik bekannten Unternehmen Arccos Golf fusionierte. Unter dem Namen Arccos Pro Insights betreut Molinari (natürlich nicht allein) mittlerweile weit mehr als 30 Tourspielerinnen und Tourspieler, darunter Matt Fitzpatrick, Viktor Hovland oder auch Nelly Korda.
Donalds wichtigster Mann
Molinari analysiert einfach alles und scheint für Luke Donald auch deshalb schon nach einem Vice-Captain-Einsatz unersetzlich zu sein. „Er war eine so große Hilfe für mich in Rom, mit ihm habe ich mich mit Abstand am meisten ausgetauscht, allein wegen seiner Rolle als Stratege und Statistiker. Daher war klar: Wenn ich wieder Captain werde, dann nur mit Edoardo an meiner Seite“, sagte Luke Donald über den Italiener.
Thomas Bjørn: Berater mit Erfolg
Thomas Bjørns ganz persönliche Ryder-Cup-Erfolge als Spieler sind recht überschaubar. Dreimal – 1997, 2002 und 2014 – war der Däne aktiv dabei, vier Punkte für Team Europe sprangen in diesen drei Ryder Cups dabei heraus. Eines aber ist klar: Ist Thomas Bjørn im Team, in welcher Funktion auch immer, gewinnen die Europäer – und zwar (fast) immer. Denn neben seinen drei Auftritten als Spieler war der heute 54-Jährige schon fünfmal Vize-Kapitän und 2018 in Paris sogar hauptverantwortlicher Captain. Dass dieser Ryder Cup ein Riesenerfolg war, müssen wir euch nicht erzählen, dass Europa aber auch 1997, 2002 und 2014 gewann, genau wie 2004, 2010, 2012 und zuletzt natürlich 2023, als Bjørn als Vice Captain dabei war, ist eine Ansage. Einzig bei seiner Vize-Kapitän-Beteiligung 2016 in Hazeltine (USA) verlor das Team gegen die Amerikaner.
Erfahrungsträger
Nun also ist Thomas Bjørn in Bethpage wieder dabei – ganz zur Freude von Luke Donald: „Ich freue mich sehr, ihn wieder im Team zu haben. Als ich erneut zum Kapitän ernannt wurde, habe ich mir schnell Gedanken darüber gemacht, wen ich mit dabeihaben möchte, und Thomas war sicherlich einer von ihnen. Er bedeutet mir sehr viel. Er hat mir sein Wissen weitergegeben, und ich hatte in den letzten Jahren eine tolle Beziehung zu ihm“, meinte der Engländer und schwärmte. Und auch Bjørn selbst freut sich auf seinen zehnten Ryder Cup: „Wir hatten in Rom ein fantastisches Umfeld. Luke hat einen fantastischen Job gemacht. Er war ein toller Captain, nicht nur für die Spieler, sondern für das gesamte Team. Für mich war es fantastisch, daran teilzuhaben, weil ich aus Paris wusste, wie all diese Dinge funktionieren. Zu sehen, wie er in Rom noch ein paar Dinge hinzufügte und es noch besser machte, war erstaunlich und hat mich stolz gemacht“, sagte Bjørn, der mit 15 Siegen auf der DP World Tour noch immer der erfolgreichste dänische Golfer aller Zeiten ist.
José María Olazábal: Die erfahrene Legende
„Viel Erfahrung, viel Passion. Niemand kennt und versteht die Dynamik des Ryder Cups so gut, wie er es tut.“ Mit diesen Worten beschrieb Edoardo Molinari GOLF’N’STYLE die Wichtigkeit von José María Olazábal im Captains-Team der Europäer. Der zweimalige Masters-Champion ist so etwas wie eine europäische Ryder-Cup-Legende. Als bis dato letztem Captain eines Teams war es dem heute 59 Jahre alten Spanier 2012 gelungen, einen Ryder Cup auf „feindlichem“ Boden zu gewinnen. Und das nicht irgendwie, sondern beim angesprochenen Miracle of Medinah. Auch an seine unvergessenen Erfolge als Spieler, gerade im Duo mit der spanischen Legende Seve Ballesteros, denken viele Golffans gerne zurück. Insgesamt siebenmal war „Ollie“ als Spieler dabei, viermal nahm er den Pokal mit nach Hause. Als Vice Captain wird es für den 33-fachen Toursieger in New York der fünfte Einsatz. 2008, 2010, 2014 und zuletzt natürlich 2023 in Rom gehörte Olazábal zum Team.
Aus Überzeugung und Leidenschaft
Ein Mann mit derlei Erfahrung darf natürlich nicht fehlen, wenn Olazábal für seine Entscheidung nach eigenen Aussagen auch einen Moment brauchte: „Als Luke mich fragte, ob ich wieder Vizekapitän sein möchte, habe ich eine Weile darüber nachgedacht, denn einen Ryder Cup auswärts in New York zu gewinnen, wird wirklich hart. Wir wissen, dass die Zuschauer dort sehr laut sein werden und dass der Golfplatz auf das US-Team ausgerichtet sein wird – damit müssen wir zurechtkommen. Ich denke, es gibt für einen Golfer keine größere Herausforderung, als einen Ryder Cup auswärts zu bestreiten, und darauf müssen wir mental vorbereitet sein“, sagte Olazábal, der gleichzeitig verriet, warum er sich schließlich dazu entschloss, Luke Donalds Angebot anzunehmen. „Der Ryder Cup liegt mir sehr am Herzen. Ich habe wunderbare Erinnerungen an dieses Ereignis, also habe ich zugesagt.“
Ryder-Cup-DNA
Zur großen Freude von Luke Donald: „José María blutet blau und gold wie kein anderer. Seine Leidenschaft für den Ryder Cup ist unübertroffen. Er ist eine Inspiration für so viele Spieler, und das hat in Rom einen großen Unterschied gemacht. Es ist auch sehr wichtig für uns, zu wissen, dass wir den letzten Kapitän, der auf fremdem Boden gewonnen hat, an unserer Seite haben. Ich war als Spieler Teil dieses Teams und habe seine Einstellung, niemals aufzugeben, und die Inspiration, die er in dieser Woche von Seve erhielt, miterlebt. In New York könnte es einige harte Zeiten geben, in denen wir alle diese Erfahrung, diese Leidenschaft und diese Mentalität brauchen“, sagte Luke Donald über seinen Kollegen.
Francesco Molinari: Der Ungeschlagene
Neben seinem Bruder Edoardo ist auch Francesco Molinari als Vice Captain wieder dabei. Der Sieger der Open Championship von 2018 war in Rom erstmals als Vice Captain Teil des europäischen Teams, nachdem er 2010, 2012 und 2018 jeweils als Spieler teilnahm. Fun Fact: Jeden dieser Ryder Cups konnte der ein Jahr jüngere Molinari-Bruder gewinnen. Bis heute ist er zudem der einzige Spieler in der europäischen Geschichte, der bei einem Ryder Cup (2018 in Paris) jedes seiner fünf Matches siegreich gestalten konnte. Unvergessen sind dabei vor allem seine Vierer-Matches mit Tommy Fleetwood, die beiden Spielern ein eigens gedichtetes Lied einbrachte.
Die große Chance von Bethpage
Auch Francesco Molinari freut sich natürlich, wieder dabei zu sein und betont zugleich, wie groß die Chance ist, etwas zu schaffen, das in Erinnerung bleibt. „Es wird eine große Aufgabe in Bethpage. Man muss sich nur die Statistiken ansehen, um zu sehen, wie schwierig es ist, den Ryder Cup auswärts zu gewinnen. Deshalb ist es aber auch eine große Chance, etwas zu erreichen, an das man sich noch lange Zeit erinnern wird, wenn es gelingt. Ich kann es kaum erwarten, dabei zu sein. Ich kann es kaum erwarten, meine Erfahrungen aus Medinah an die Spieler weiterzugeben. Es werden einige von uns dabei sein, die 2012 dabei waren. Einige spielen immer noch, andere, wie Luke und ich, sind jetzt hinter den Kulissen tätig. Medinah hat immer noch einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen, und ich wäre sehr glücklich und sehr stolz, wenn diese Generation von Spielern so etwas vollenden könnte“, sagte Molinari jüngst nach seiner Ernennung.
Der Ruhepol im Team
Luke Donald schätzt an Francesco Molinari vor allem dessen Ruhe. „Er weiß, wie man Ryder Cups gewinnt, das ist für uns sehr wichtig. Ich denke, er bringt aber auch einen kühlen Kopf mit. Er ist jemand, der viel zuhört und gute Ideen hat. Er meldet sich zu Wort, wenn er das Gefühl hat, dass er es muss. Ich liebe sein Auftreten. Er scheint sich nie zu sehr aufzuregen. Das wird an einem Ort wie New York sehr wichtig sein“, so Donald.
Alex Noren: Ein letztes Puzzleteil für Luke Donalds Stab
Luke Donald hat Alex Noren als fünften und letzten Co-Captain für den Ryder Cup 2025 berufen, und damit ist das Captain-Team komplett. Der 43-jährige Schwede war Teil der siegreichen europäischen Auswahl von 2018 in Paris, und er bringt damit praktische Matchplay-Erfahrung aus einer Woche mit, die vielen Fans als Maßstab gilt. Donald setzt für New York auf Profile, die sich ergänzen, denn der Black Course im Bethpage State Park gilt als Prüfstein – sportlich und atmosphärisch.
Ein erfahrener Schwede mit Paris-Prägung
Alex Noren kennt die Abläufe einer Ryder-Cup-Woche aus der Nähe, und er kennt die Dynamik zwischen Vierball, Vierer und Einzeln. Paris 2018 lieferte dafür die Grundlage, denn dort griffen die europäischen Abläufe präzise ineinander. Aus dieser Perspektive kann Noren dem Stab von Luke Donald Hinweise geben, die aus dem Spiel heraus entstehen: Welche Paarungen tragen, welche Routinen Ruhe geben, und wo im Tagesverlauf Detailarbeit nötig ist. Seine Rolle zielt daher auf einen frischen Blick aus Spielersicht, der die Linie der erfahrenen Co-Captains nicht ersetzt, sondern sinnvoll erweitert.
Warum dieser Baustein passt
Die europäischen Co-Captains decken bereits zentrale Felder ab, doch ein aktiver Blick aus jüngerer Turnierpraxis kann Lücken schließen. Noren steht für nüchterne Analyse am Abschlag und sauberes Course-Management unter Druck, und genau dort verläuft in einem Auswärts-Ryder-Cup häufig die Trennlinie zwischen knappen Halben und ganzen Punkten. Er fügt sich damit in eine Struktur, die auf klare Aufgaben setzt, und er spricht die Sprache der Spieler, die in New York auf eng gesteckte Ziele hinarbeiten.
Fotos: Gettyimages / Ben Hoskins, Richard Heathcote, Patrick Smith
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