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Golf

Solheim Cup 2026: Europa holt den Cup zurück

13. September 2026
Solheim Cup 2026 Sieger Europa
Foto:LET

Drei Tage Spannung, ein völlig offener Finaltag und eine Stimmung, die Bernardus Golf zeitweise eher wie ein Fußballstadion wirken ließ: Europa gewinnt den Solheim Cup 2026 in den Niederlanden und holt die Trophäe von den USA zurück.

Am Ende gab es kein Halten mehr. Spielerinnen, Caddies, Captains und Betreuerinnen lagen sich in den Armen, rund um die entscheidenden Grüns feierten die europäischen Fans. Team Europe hat den Solheim Cup zurück.

Und vielleicht passte es zu diesem Wochenende, dass ausgerechnet Lottie Woad eine entscheidende Rolle spielte. Die Engländerin hatte an den ersten beiden Tagen gemeinsam mit Charley Hull einen schweren Stand und nur einen halben Punkt aus ihren Team-Matches geholt. Im Einzel gegen Auston Kim war davon nicht mehr viel zu sehen. Woad gewann 2&1 – und als feststand, dass Carlota Ciganda in ihrem Match mindestens einen halben Punkt sicher hatte, war klar: Europa kann nicht mehr eingeholt werden.

 

 

Bei 8:8 begann der Solheim Cup praktisch noch einmal von vorne

Dabei hätte die Ausgangslage für den Sonntag kaum spannender sein können. Nach zwei Tagen stand es 8:8. Europa hatte am Samstagvormittag die Foursomes mit 3:1 gewonnen und zwischenzeitlich 7:5 geführt. Am Nachmittag antworteten die USA ebenfalls mit einem 3:1 in den Fourballs.

Solheim Cup 2026 Sieger Carlotta Ciganda

Vor allem das letzte Match am Samstag hatte die Stimmung noch einmal komplett verändert. Jennifer Kupcho lochte auf der 17 einen Putt aus enormer Entfernung und entschied anschließend auch die 18 für die USA. Statt mit einem europäischen Vorsprung ging es mit einem Unentschieden in die zwölf Einzel. Europa brauchte 6,5 Punkte, die USA sechs Punkte zur Titelverteidigung.

Viel enger kann die Ausgangslage vor einem Finaltag nicht sein.

Am Sonntag setzte Europa dann früh die ersten Zeichen. Charley Hull gewann das Auftaktmatch gegen Megan Khang mit 3&2, Linn Grant bezwang Angel Yin mit 4&3. Auf dem Leaderboard wurde es immer blauer.

Aber entschieden war noch lange nichts.

Henseleit gibt große Führung noch aus der Hand

Das zeigte ausgerechnet das Match von Esther Henseleit. Die Deutsche war mit zwei Siegen an der Seite von Leona Maguire aus den Team-Wettbewerben gekommen und hatte sich zu einer wichtigen Spielerin im europäischen Team entwickelt.

Solheim Cup 2026 Sieger Esther Henseleit

Auch gegen Alison Lee sah zunächst vieles nach dem nächsten europäischen Punkt aus. Henseleit lag zwischenzeitlich vier Löcher vorne. Doch Lee kämpfte sich zurück und drehte das Match tatsächlich noch. Für Henseleit war es ein bitteres Ende ihres Einzels – an einem ansonsten starken Solheim-Cup-Wochenende.

Genau solche Wendungen machten diesen Sonntag aus. Auf einem Leaderboard mit zwölf gleichzeitig laufenden Matches konnte sich die Lage innerhalb weniger Minuten verändern. Ein Birdie hier, ein verlorenes Loch dort – und plötzlich sah die Hochrechnung wieder ganz anders aus.

Bernardus wird zur großen Golfparty

Überhaupt waren die Fans einer der wichtigsten Teile dieses Solheim Cups. Schon am Freitagmorgen war die Tribüne am ersten Abschlag lange vor den ersten Drives nahezu voll. Rund 3.000 Zuschauer passen allein in die hufeisenförmige Anlage rund um das First Tee. Musik, Gesänge, europäische Fahnen und immer wieder der Wechsel zwischen absoluter Ruhe vor dem Schlag und ohrenbetäubendem Lärm danach: Bernardus Golf hatte über drei Tage wenig mit der Atmosphäre eines normalen Profiturniers zu tun.

Und diese Stimmung beschränkte sich nicht auf den ersten Abschlag. Gerade am Samstag und Sonntag entstanden auf den hinteren Löchern immer wieder große Menschentrauben. Sobald ein Match entschieden war, zogen die Zuschauer weiter zur nächsten Partie. Birdies wurden gefeiert, als wären Tore gefallen. Die Spielerinnen animierten die Tribünen, die Tribünen wiederum trieben die Spielerinnen an.

Es war laut, emotional und manchmal auch ein bisschen chaotisch. Aber genau das machte einen großen Teil des Reizes aus. Rund 80.000 Zuschauer aus mehr als 40 Ländern wurden für die drei Turniertage erwartet. Viele kamen – typisch Niederlande – mit dem Fahrrad zur Anlage. Tausende Räder standen rund um Bernardus in eigens eingerichteten Bereichen. Auch das gehörte zu diesem Solheim Cup.

Woad macht den entscheidenden Schritt

Sportlich arbeitete sich Europa am Sonntag immer näher an die benötigten 14,5 Punkte heran. Und dann kam Lottie Woad.

Solheim Cup 2026 Sieger Lottie Woad

Die 22-Jährige hatte selbst später eingeräumt, dass sie nach ihren schwierigen ersten beiden Tagen das Gefühl gehabt hatte, ihr Team im Stich zu lassen. Captain Anna Nordqvist hatte ihr vor dem Einzel noch einmal Vertrauen gegeben. Gegen Auston Kim zahlte sie dieses Vertrauen zurück.

Auf der 17 war das Match entschieden: 2&1 für Woad. Fast gleichzeitig war klar, dass Carlota Ciganda gegen Jennifer Kupcho mindestens einen halben Punkt holen würde. Damit war die notwendige Marke für Europa erreicht. Woad selbst hatte in diesem Moment offenbar noch gar nicht realisiert, dass ihr Sieg praktisch die Entscheidung bedeutete. Sekunden später wurde sie von ihren Teamkolleginnen umringt.

Ein besonderer Sieg für Anna Nordqvist

Für Anna Nordqvist endet damit auch ihr erster Solheim Cup als Captain mit dem größtmöglichen Erfolg. Die Schwedin hatte den Wettbewerb zuvor neunmal als Spielerin erlebt. In den Niederlanden musste sie nun von außen zusehen, Entscheidungen treffen, Paarungen zusammenstellen – und vor allem mit den ständigen Stimmungswechseln dieses Wochenendes umgehen.

Solheim Cup 2026 Samstag

Das Ergebnis spricht für ihr Team. Denn Europa gewann diesen Solheim Cup nicht mit einer einzelnen überragenden Spielerin. Immer wieder kamen die Punkte aus unterschiedlichen Teilen der Mannschaft. Erfahrene Solheim-Cup-Spielerinnen lieferten ebenso wie Rookies. Und selbst Spielerinnen, die zwei Tage lang kaum etwas Zählbares zustande gebracht hatten, konnten am Sonntag plötzlich entscheidend werden. Lottie Woad ist dafür das beste Beispiel.

Ein Solheim Cup, der in Erinnerung bleiben dürfte

Sportlich wird dieser Solheim Cup als europäische Rückeroberung der Trophäe in die Geschichte eingehen. Aber das Ergebnis allein erzählt dieses Wochenende nur teilweise.

Da waren die Fangesänge am ersten Tee. Die Menschenmassen entlang der Fairways. Die tausenden Fahrräder vor der Anlage. Die europäische 7:5-Führung am Samstagmittag und wenige Stunden später der amerikanische Ausgleich. Kupchos unglaubliche Putts. Henseleits starke Auftritte mit Maguire. Die ständigen Wechsel auf dem Leaderboard am Sonntag.

Und schließlich die europäischen Spielerinnen, die über den Platz liefen, um gemeinsam zu feiern. Der Solheim Cup lebt davon, dass Golf für drei Tage kein Einzelsport mehr ist. In Bernardus war das überall zu spüren. Europa hat den Pokal zurück. Aber der eigentliche Gewinner dieses Wochenendes war auch der Solheim Cup selbst.

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