
The Open 2026 kehrt nach Royal Birkdale zurück. Neun Jahre nach Jordan Spieths Sieg findet die 154. Open Championship wieder an der englischen Nordwestküste statt. Vom 16. bis 19. Juli kämpfen 156 Spieler um die Claret Jug. Vieles wirkt vertraut – die hohen Dünen, die breiten Fairways und die Nähe zur Irischen See. Gleichzeitig erwartet das Feld einen Platz, der seit 2017 an nahezu jeder Bahn verändert wurde.
Die Umbauten stehen im Mittelpunkt der Turnierwoche. Neue Grüns, andere Bunker und veränderte Abschläge beeinflussen zahlreiche Spielbahnen. Für die Favoriten um Scottie Scheffler und Rory McIlroy bedeutet das: Erfahrungen aus der vergangenen Open in Royal Birkdale helfen nur eingeschränkt weiter.
Royal Birkdale bleibt ein Klassiker der Open
Royal Birkdale gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Austragungsorten der Open Championship. 1954 fand hier erstmals das älteste Major der Golfgeschichte statt. Seitdem gewann eine Reihe großer Namen auf diesem Platz, darunter Arnold Palmer, Lee Trevino, Tom Watson, Padraig Harrington und Jordan Spieth.
Der Kurs unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen klassischen Linksplätzen. Viele Fairways verlaufen zwischen hohen Dünen, bleiben jedoch vergleichsweise eben. An zahlreichen Abschlägen lassen sich Fairway, Bunker und Grün bereits gut überblicken. Blindschläge spielen deshalb eine geringere Rolle als etwa in Royal St George’s oder Royal County Down.
Die eigentliche Herausforderung beginnt häufig nach dem Abschlag. Wer die falsche Fairwayseite trifft, erhält oft einen ungünstigen Winkel zum Grün oder muss einen Bunker ins Spiel nehmen. Gerade bei festen Bedingungen können wenige Meter über den weiteren Verlauf eines Lochs entscheiden.

Optisch ein geradliniger Platz, der trotzdem die Spieler wie immer bei The Open fordern wird
Fast jede Bahn wurde verändert
Seit der Open Championship 2017 blieb in Royal Birkdale kaum ein Bereich unverändert. Nach Angaben aus dem Umfeld des Turniers wurden alle 18 Bahnen überarbeitet. Manche Eingriffe fallen erst beim zweiten Blick auf, andere verändern den Charakter einzelner Löcher deutlich.
Im Mittelpunkt stehen die Bahnen fünf, 14 und 15. Hinzu kommen neue Abschläge, veränderte Grünkomplexe sowie zusätzliche oder versetzte Fairwaybunker auf den Schlusslöchern.
Die Arbeiten verfolgen ein klares Ziel: Spieler sollen häufiger Entscheidungen treffen müssen. An vielen Bahnen reicht ein weiter Abschlag allein nicht mehr aus, um sich eine günstige Position für den nächsten Schlag zu verschaffen.
Das neue Par 5 an Bahn fünf
Das fünfte Loch bleibt ein Par 5, spielt sich heute jedoch anders als noch 2017.
Neue Abschläge verändern die bevorzugte Linie vom Tee. Gleichzeitig erschweren zusätzliche Bunker den direkten Weg in Richtung Grün. Wer den zweiten Schlag angreifen möchte, muss den Ball zunächst auf der passenden Seite des Fairways platzieren. Schon kleine Abweichungen können dazu führen, dass sich die Anspielrichtung deutlich verändert.
Gerade auf dieser Bahn dürfte sich zeigen, welche Spieler bereit sind, kalkulierte Risiken einzugehen.
Bahn sieben verlangt saubere Annäherungen
Mit 151 Yards ist die siebte Bahn das kürzeste Loch des Platzes. Gleichzeitig zählt sie zu den auffälligsten Umbauten.
Drei der bisherigen sieben Bunker verschwanden. Das Grün liegt heute etwas höher und fällt an mehreren Seiten deutlich ab. Wer die kleine Zielfläche verfehlt, steht häufig vor einem anspruchsvollen Chip aus tieferen Lagen oder von kurzen Hanglagen.
Der markante Donut-Bunker blieb erhalten und gehört weiterhin zu den auffälligsten Merkmalen dieser Bahn.
Neues Par 3 an der 15
Die frühere Bahn 14 dient inzwischen als Kurzspielbereich. Dafür entstand an der heutigen 15 ein langes Par 3.
Das erhöhte Grün wird von tiefen Bunkern und steilen Auslaufzonen eingerahmt. Je nach Fahnenposition verändert sich die optimale Flugkurve deutlich. Länge allein genügt hier ebenso wenig wie ein sicherer Schlag auf die Grünmitte.
Die Schlusslöcher
Auch die Bahnen 16 bis 18 erhielten neue Abschläge und überarbeitete Bunkerpositionen.
Vor allem bei trockenen Fairways verändern sich dadurch die bevorzugten Spielwege. Bälle rollen weiter aus als bei weichen Bedingungen. Dadurch verschieben sich an mehreren Löchern die Stellen, an denen Spieler ihren Abschlag landen lassen möchten.
Das Wetter könnte den Turnierverlauf beeinflussen
Die aktuelle Vorhersage deutet auf eine überwiegend trockene Woche hin. Für Donnerstag werden Temperaturen bis 26 Grad erwartet, am Freitag rund 24 Grad. Am Wochenende sollen die Höchstwerte bei etwa 22 Grad liegen.
Sollte diese Wetterlage bestehen bleiben, dürfte Royal Birkdale deutlich fester spielen als während vieler früherer Open Championships. Längere Rollphasen auf den Fairways verändern Abstände zu Bunkern ebenso wie die Länge der Annäherungen.
Eine Konstante bleibt allerdings der Wind. An der englischen Westküste kann er seine Richtung innerhalb kurzer Zeit ändern. Deshalb beobachten Spieler und Caddies die Vorhersagen bis unmittelbar vor dem Abschlag.
Scottie Scheffler startet als Titelverteidiger
Scottie Scheffler reist als Weltranglistenerster und Titelverteidiger nach Royal Birkdale. Im vergangenen Jahr gewann der Amerikaner die Open Championship in Royal Portrush mit vier Schlägen Vorsprung auf Harris English. Es war bereits sein vierter Major-Titel.

Die Vorbereitung verlief diesmal anders als gewohnt. Beim Genesis Scottish Open verpasste Scheffler erstmals seit 2022 den Cut. Dadurch blieb ihm zusätzliche Zeit für Trainingsrunden in Royal Birkdale.
Seine erste Turnierrunde beginnt am Donnerstag um 9.58 Uhr britischer Zeit. Gemeinsam mit Bryson DeChambeau und Tyrrell Hatton bildet er einen der meistbeachteten Flights der ersten beiden Tage.
Scheffler bringt die konstantesten Ergebnisse der vergangenen Monate mit. Gleichzeitig gehört sein kontrolliertes Eisenspiel zu den Stärken, die auf den kleinen Grüns von Royal Birkdale besonders gefragt sind.
Rory McIlroy verfolgt den nächsten Meilenstein
Rory McIlroy gewann The Open 2014 in Royal Liverpool. Seitdem blieb ein weiterer Erfolg bei der Open Championship aus. Nach seinen Masters-Siegen 2025 und 2026 reist der Nordire nun mit sechs Major-Titeln nach Royal Birkdale.

Vor Beginn der Turnierwoche sprach McIlroy ausführlich über den Platz. Er verwies auf die gut sichtbaren Spiellinien und die vergleichsweise ebenen Fairways. Gleichzeitig machte er deutlich, dass viele Grüns heute deutlich andere Annäherungen verlangen als noch vor neun Jahren.
McIlroy spielt die ersten beiden Runden gemeinsam mit Xander Schauffele und Matt Fitzpatrick.
Fleetwood kennt den Platz wie kaum ein anderer
Für Tommy Fleetwood besitzt diese Open Championship eine besondere Bedeutung. Der Engländer stammt aus Southport und spielte bereits als Jugendlicher regelmäßig in Royal Birkdale.
Sein bislang bestes Ergebnis bei The Open erzielte Fleetwood 2019 mit Rang zwei hinter Shane Lowry. Ein Major-Titel fehlt dem Engländer allerdings weiterhin.
Gerade bei trockenen Bedingungen könnte ihm die Erfahrung auf Linksplätzen helfen. Viele Schläge entlang des Bodens und flachere Flugbahnen gehören seit Jahren zu seinem Repertoire.
Fitzpatrick reist mit guter Form an
Matt Fitzpatrick zählt zu den erfolgreichsten englischen Spielern der bisherigen Saison 2026. Mehrere Turniersiege und Rang drei beim Genesis Scottish Open unterstreichen seine Form.
Seine Stärken liegen vor allem in der Genauigkeit vom Tee und bei den Annäherungen. Beides könnte auf den kleinen Grüns von Royal Birkdale eine wichtige Rolle spielen.
Der gemeinsame Flight mit McIlroy und Schauffele sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit.
Rahm, DeChambeau und Spieth
Jon Rahm gehört seit Jahren zu den konstantesten Spielern bei der Open Championship. Mehrfach spielte der Spanier um den Sieg mit und erreichte seit 2023 einen geteilten zweiten Platz als bestes Ergebnis.
Bryson DeChambeau verfügt über große Länge vom Tee. Die Veränderungen in Royal Birkdale führen allerdings dazu, dass an mehreren Löchern die Platzierung des Abschlags wichtiger wird als die reine Distanz.

Jordan Spieth kehrt an den Ort seines Open-Sieges von 2017 zurück. Seine Schlussrunde gehört bis heute zu den bemerkenswertesten Finaltagen der jüngeren Open-Geschichte. Nach einem weit verzogenen Abschlag an der 13 rettete er zunächst ein Bogey und spielte anschließend Birdie, Eagle sowie zwei weitere Birdies.
Die Erfahrungen von damals helfen jedoch nur eingeschränkt. Mehrere Bahnen unterscheiden sich heute deutlich von jener Anlage, auf der Spieth vor neun Jahren die Claret Jug gewann.
Justin Rose kehrt an den Ort seines Durchbruchs zurück
Für Justin Rose beginnt die Turnierwoche mit einer besonderen Erinnerung. In Royal Birkdale machte der Engländer 1998 erstmals international auf sich aufmerksam. Als 17-jähriger Amateur belegte er bei der Open Championship den geteilten vierten Platz. Sein Schlag aus dem Bunker zum Birdie am 72. Loch zählt bis heute zu den bekanntesten Szenen des Turniers.
Fast drei Jahrzehnte später gehört Rose erneut zum Teilnehmerfeld. Inzwischen stehen die U.S. Open, olympisches Gold und zahlreiche Turniersiege in seiner Bilanz. Die Claret Jug fehlt allerdings weiterhin. Zweimal – 2018 und 2024 – beendete er die Open Championship als geteilter Zweiter.
LIV-Spieler erneut zahlreich vertreten
Mehrere Spieler der LIV Golf League gehen in Royal Birkdale an den Start. Dazu gehören Jon Rahm, Bryson DeChambeau, Tyrrell Hatton, Cameron Smith und Joaquin Niemann.
Rahm und DeChambeau zählen seit Jahren zu den festen Größen bei Major-Turnieren. Cameron Smith gewann die Open Championship 2022 in St Andrews und verfügt über viel Erfahrung auf Linksplätzen.
Joaquin Niemann erhielt seinen Startplatz über einen neuen Qualifikationsweg für LIV-Spieler. Die R&A reagierte damit auf die eingeschränkten Möglichkeiten vieler LIV-Profis, sich über die Weltrangliste für Majors zu qualifizieren.
DACH: Tim Wiedemeyer steht im Mittelpunkt
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick auf Tim Wiedemeyer. Der Amateur sicherte sich seinen Startplatz mit dem Sieg bei der European Amateur Championship Ende Juni. Für den 20-Jährigen ist Royal Birkdale die erste Major-Teilnahme seiner Karriere.

Sein Weg zur Open Championship begann bereits vor dem Titelgewinn. In der laufenden Amateursaison erreichte Wiedemeyer vier Top-Ten-Platzierungen und gehörte 2025 zum Team Kontinentaleuropas bei der St Andrews Trophy.
Dass kein deutscher Tourprofi im Teilnehmerfeld steht, verleiht seinem Debüt zusätzliche Aufmerksamkeit. Während etablierte Namen fehlen, erhält ein Amateur die Gelegenheit, sich auf einer der größten Bühnen des Golfsports zu präsentieren.
Straka führt Österreich an
Aus österreichischer Sicht ruhen die Hoffnungen vor allem auf Sepp Straka. Der Ryder-Cup-Spieler erzielte 2023 in Royal Liverpool als geteilter Zweiter sein bislang bestes Major-Ergebnis.
Seine kontrollierten langen Eisenschläge können auf einem festen Linksplatz ein Vorteil sein. Die Form unmittelbar vor der Open Championship lässt sich allerdings nur schwer einordnen. Beim Genesis Scottish Open verpasste Straka nach Runden von 70 und 69 Schlägen den Cut um einen Schlag.
Neben Straka steht auch Bernd Wiesberger im Feld. Der Burgenländer qualifizierte sich über die Kriterien der R&A und bringt die Erfahrung mehrerer Open-Starts mit.
In der offiziellen Teilnehmerliste befindet sich kein Spieler aus der Schweiz.
Matti Schmid verpasst den letzten Startplatz
Matti Schmid erhielt beim erstmals ausgetragenen Last-Chance Qualifier eine letzte Möglichkeit, sich für The Open 2026 zu qualifizieren. Der Deutsche gehörte zu zwölf Spielern, die am Montag der Turnierwoche über 18 Löcher um einen freien Platz kämpften.
Schmid konnte den führenden Joe Dean jedoch nicht mehr einholen. Dean gewann mit einer 68 und zwei Schlägen unter Par. Damit verpasste Schmid seine Teilnahme an der Open Championship.
Auch Stephan Jäger, Nicolai von Dellingshausen, Marcel Siem, Freddy Schott und Marcel Schneider stehen nicht im Teilnehmerfeld.
Neue Qualifikation feiert Premiere
Mit dem Last-Chance Qualifier führte die R&A 2026 erstmals einen zusätzlichen Wettbewerb direkt in der Turnierwoche ein. Zwölf Spieler traten am Montag auf Royal Birkdale gegeneinander an.
Joe Dean entschied das Turnier mit einer 68 für sich. Ausschlaggebend war ein Eagle an der 14. Bahn, das ihn an die Spitze des Feldes brachte. Für den Engländer ist es bereits die dritte Teilnahme an der Open Championship.
Ob die R&A den Last-Chance Qualifier dauerhaft in den Turnierkalender aufnimmt, ist bislang offen.
Zehn Amateure kämpfen um die Silver Medal
Neben Tim Wiedemeyer gehören neun weitere Amateure zum Teilnehmerfeld. Stuart Grehan qualifizierte sich als Sieger der Amateur Championship, Lev Grinberg über die Open Amateur Series. Weitere Startplätze gingen unter anderem an Mason Howell, Fifa Laopakdee, Mateo Pulcini und Jack Buchanan.
Die Silver Medal erhält traditionell der beste Amateur, sofern er den Cut erreicht und das Turnier als Amateur beendet.
Bekannte Namen fehlen
Tiger Woods gehört ebenso wenig zum Feld wie Phil Mickelson, Dustin Johnson, Tony Finau und Sergio Garcia.
Louis Oosthuizen sagte seine Teilnahme wegen Rückenproblemen ab. Für ihn rückte Aldrich Potgieter nach.
Garcia scheiterte in der Final Qualifying Series. Dustin Johnson verlor seinen Startplatz, nachdem seine Weltranglistenposition für eine Qualifikation nicht mehr ausreichte. Damit endet seine Serie von 37 Major-Starts in Folge.
Royal Birkdale und seine Open-Geschichte
Royal Birkdale war 1954 erstmals Austragungsort der Open Championship. Seitdem gewann dort eine Reihe der größten Namen des Golfsports.
Zu den Champions gehören:
- Peter Thomson
- Arnold Palmer
- Lee Trevino
- Johnny Miller
- Tom Watson
- Ian Baker-Finch
- Mark O’Meara
- Padraig Harrington
- Jordan Spieth
Die jüngsten Austragungen:
- 2017: Jordan Spieth
- 2008: Padraig Harrington
- 1998: Mark O’Meara
- 1991: Ian Baker-Finch
- 1983: Tom Watson
Ein Blick auf diese Siegerliste zeigt, dass sich in Royal Birkdale unterschiedliche Spielertypen durchsetzen konnten. Gemeinsam war vielen Champions die Fähigkeit, den Ball konstant in günstige Positionen zu spielen und Fehler in den tiefen Fairway- und Grünbunkern zu vermeiden.
Worauf es in dieser Woche ankommt
Vor dem ersten Abschlag richten sich viele Blicke auf den umgebauten Platz. Zahlreiche Bahnen unterscheiden sich deutlich von der Open Championship 2017. Frühere Erfahrungen bieten deshalb nur eine begrenzte Orientierung.
Sportlich steht das Duell zwischen Scottie Scheffler und Rory McIlroy im Mittelpunkt. Scheffler reist als Titelverteidiger an, McIlroy möchte seinen zweiten Open-Sieg feiern. Dahinter zählen Spieler wie Tommy Fleetwood, Matt Fitzpatrick, Jon Rahm oder Bryson DeChambeau zum erweiterten Kreis der Kandidaten für die Claret Jug.
Aus deutscher Sicht steht Tim Wiedemeyer im Fokus. Sein Major-Debüt verleiht der Turnierwoche einen zusätzlichen DACH-Aspekt. Österreich setzt auf Sepp Straka und Bernd Wiesberger.
Mit dem Last-Chance Qualifier kommt erstmals ein neues Element hinzu. Zusammen mit den umfangreichen Umbauten in Royal Birkdale erhält die 154. Open Championship damit bereits vor dem ersten Abschlag ihren eigenen Charakter.






