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Golf

PORTRÄT- Freddy „The Schott“

3. August 2023April 1st, 2024

„Ich bin Vollblutsportler durch und durch“

Es kribbelt in Freddy, als er in Düsseldorf am Flughafen sitzt und während er auf seine Maschine wartet, die den DP World Tour Rookie zum nächsten Turnier bringt, mit GOLF’n’STYLE telefoniert. Am liebsten würde der 22-Jährige einfach immer Golf spielen. „Sobald ich zu Hause sitze, fällt mir die Decke auf den Kopf“, sagt er. „Ich bin kein Spieler, der großartig Pause braucht.“ Stattdessen ist Freddy ein Spieler, der es am liebsten hat, wenn seine Familie ihre Siebensachen packt und ihn zu den Turnieren begleitet. Am liebsten die ganze Truppe, so wie bei den Porsche European Open in Green Eagle. „Das war für mich wunderschön und emotional“, sagt Freddy rückblickend über den Besuch der Familie Schott in Hamburg. Papa Hendrik, Mama Birgit, Schwester Ricarda, Bruder Vincent, Freddys Freundin und Hockey-Nationalspielerin Lisa Nolte und Freddy selbst alle an einem Ort: Das kommt eben nicht oft vor, wenn du als Tourspieler Woche für Woche die Welt bereist.

Familie Schott in Green Eagle.

Umso schöner, dass Freddy immer auf seine Freundin, die er schon aus Jugendtagen kennt, und auf seine Familie bauen kann, von der er ganz augenscheinlich diese lässige, entspannte und offene Art geerbt hat. Keine Helikopter-Eltern, die in ihrem Sohn den besten Golfer des Jahrhunderts sehen und ihn auf Erfolg getrimmt haben, sondern ganz normale, bodenständige Leute, die ihren Sohn einfach nur unterstützen. „Wenn meine Eltern sehen, dass es mir gut geht, dann sind auch sie happy. Das haben sie immer ausgestrahlt und tun das auch weiterhin“, sagt Freddy. „Meine Mutter nimmt mich nach jeder Runde in den Arm, egal ob es gut oder schlecht lief und sagt mir, wie stolz sie auf mich ist, dass ich da bin, wo ich bin und dass ich das mache, was mir Spaß macht, dass Leute sich für mich begeistern können und ich dabei trotzdem immer Freddy bleibe und nicht zu einer Showperson werde.“ Verständlich, dass eine solche Unterstützung guttut.

Doch das ist nicht die einzige Rolle, die die Familie in Freddys Golfkarriere spielt. Nur durch seinen Vater kam Freddy überhaupt zum Golf – und das, obwohl er aus einer waschechten Basketball-Familie stammt. Freddys Onkel spielte bei Bamberg in der Bundesliga, sein Vater in der zweiten Liga, seine Schwester Ricarda geht nach ihrem Abi über ein Basketball-Stipendium nun in die USA aufs College und war sogar für die WM nominiert. Auch Freddys Bruder Vincent hat gespielt, musste aber wie Vater Hendrik die Karriere nach einer Knieverletzung beenden. „Deshalb spiele ich Golf. Das ist sicherer und du kannst dir nur selbst im Weg stehen“, sagt Freddy scherzhaft und lacht.

Immer lässig unterwegs und gut gelaunt: Freddy Schott nach seinem Top-15-Finish bei den Porsche European Open.

Doch genau so, mit der Verletzung seines Vaters, hat Freddys Karriere damals begonnen. „Der Arzt sagte meinem Vater nach der Knie-OP, er solle viel gehen, am besten auf weichem Untergrund. Doch da ist mein Papa wie ich. Spazierengehen? Nein danke, lass mal gut sein“, sagt Freddy. „Da hat sich für ihn das Golfspielen natürlich angeboten.“ Schon als 3-Jähriger lief Freddy über den Platz und warf mit Golfbällen durch die Gegend. „Richtig angefangen, auch mit Training, habe ich mit ungefähr acht Jahren, mit zwölf wurde ich in meinem damaligen Club Herrenclubmeister und kam in den NRW-Kader.“

„Ich bin Vollblutsportler durch und durch“

Kein Wunder, dass sich Freddy bei einem solchen Talent früh dazu entschied Profigolfer zu werden. Auch er hätte, wie so viele andere Spieler, auf ein College in die USA gehen können. Doch er entschied sich anders und wurde bereits in jungen Jahren Profi. „Ich hatte offen gesagt keinen Bock auf die ganzen Vorschriften in den USA. Ich wollte mein eigenes Ding machen und habe mir gesagt, ich werde lieber jetzt Profi und mache zur Not danach etwas Ordentliches.“ Eine mutige Entscheidung, die sich auszahlte. Denn schon mit 21 Jahren schaffte es Freddy 2022 über die Challenge Tour auf die DP World Tour. „Du musst das volle Selbstbewusstsein haben, um zu sagen, ich bin jetzt schon gut genug. Viele entscheiden sich fürs College, um noch einmal zu reifen. Ich hatte eher das Gefühl, wenn ich jetzt aufs College gehe, verliere ich etwas.“

Und so tourt Freddy mittlerweile auf der DP World Tour durch die Gegend und genießt vor allem den Multikulturalismus, den das Leben als Profigolfer mitbringt. „Am meisten mache ich auf der Tour mit Marcel (Siem), Nick (Bachem) und Kiwi (Max Kieffer), aber auch mit Jeremy Freiburghaus, den Franzosen und den Dänen, verstehe ich mich extrem gut und unternehme gerne was mit ihnen. Ich liebe den Austausch mit Spielern anderer Nationen.“

Und wenn Freddy dann doch mal eine Woche frei macht und die Golfschläger für einen Tag im Bag lässt? „Dann spiele ich aktuell extrem viel Padel-Tennis. Es gibt nichts Besseres zum Abschalten. Einfach mal draufballern, herrlich. Herumliegen jedenfalls kann ich nicht. Das ist mir viel zu langweilig. Ich bin Vollblutsportler durch und durch.“

QUICK FIRE

Lieblings-Platz:
Green Eagle
– – –

Lieblings-Flightpartner:
Marcel Siem

– – –

Lieblings-Turnier:
Porsche European Open
– – –

Lieblings-Schlag:
3,5 Meter Rechts-links-Break Downhill-Putt
– – –

Lieblings-Schläger:
Putter
– – –

Lieblingssport neben Golf:
Padel-Tennis

Fotos Stefan von Stengel, GOLF’n’STYLE

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