
LIV Golf steht vor dem größten Umbau seit seiner Gründung. Die Golfserie hat in den USA ein gerichtlich überwachtes Sanierungsverfahren unter Insolvenzschutz eingeleitet. Der Spielbetrieb soll grundsätzlich fortgeführt werden, gleichzeitig wird nach einer neuen finanziellen und gesellschaftsrechtlichen Struktur gesucht. Der bemerkenswerteste Teil des Plans: Künftig sollen die Spieler die Mehrheit an LIV Golf halten.
UPDATE, 11. September 2026: Gericht gibt LIV Golf zunächst 14 Millionen Dollar frei
LIV Golf hat im laufenden Restrukturierungsverfahren eine erste wichtige Hürde genommen. Das zuständige US-Insolvenzgericht hat die sogenannten First-Day-Anträge der Liga vorläufig genehmigt. Damit darf LIV seinen Geschäftsbetrieb zunächst fortsetzen, Gehälter und Sozialleistungen zahlen sowie bestimmte Rechnungen von Lieferanten begleichen.
Entscheidend ist vor allem die Finanzierung. Der saudische Public Investment Fund (PIF) hat LIV Golf insgesamt 49,6 Millionen Dollar als sogenannte Debtor-in-Possession-Finanzierung zugesagt. Von diesem Betrag darf die Liga nach der vorläufigen Gerichtsentscheidung zunächst 14 Millionen Dollar abrufen. Über die Freigabe der restlichen 35,6 Millionen Dollar soll später entschieden werden. Eine Anhörung zur endgültigen Genehmigung ist für den 7. Oktober vorgesehen.
Die Summe zeigt zugleich, wie angespannt die finanzielle Situation inzwischen ist. Nach Angaben aus dem Verfahren ging LIV mit lediglich rund 15 Millionen Dollar an liquiden Mitteln in das Chapter-11-Verfahren. Der PIF ist gleichzeitig mit rund 495 Millionen Dollar der wichtigste besicherte Gläubiger der Liga.
LIV steht unter erheblichem Zeitdruck
Die Insolvenzfinanzierung ist kein neues langfristiges Engagement des PIF. Sie soll in erster Linie dafür sorgen, dass LIV während der Restrukturierung zahlungsfähig bleibt. Der Kredit läuft maximal 120 Tage und wird mit zwölf Prozent verzinst. Nach Darstellung der LIV-Anwälte gab es keine alternative Finanzierung, mit der sich der bestehende Geschäftsbetrieb hätte fortführen lassen. Zwölf von LIV angesprochene Finanzinstitute lehnten eine entsprechende Finanzierung ab.
Parallel laufen die Verhandlungen mit BC Partners Credit weiter. Der Finanzinvestor könnte nach einem erfolgreichen Abschluss des Chapter-11-Verfahrens bis zu 300 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Nach den bislang bekannt gewordenen Plänen soll das neue LIV Golf mehrheitlich den Spielern gehören.
Genau hier liegt allerdings eine der größten Unsicherheiten des gesamten Verfahrens. LIV hat das Gericht um die Möglichkeit gebeten, die bisherigen langfristigen und hoch dotierten Spielerverträge aufzulösen. Anschließend sollen neue Vereinbarungen ausgehandelt werden. Spieler wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau, Tyrrell Hatton oder Cameron Smith müssten sich damit entscheiden, ob sie Teil des deutlich anders finanzierten „LIV Golf 2.0“ werden wollen.
Rahm hatte nach Bekanntwerden des Chapter-11-Verfahrens erklärt, weiterhin einen Vertrag mit dem bisherigen LIV Golf zu besitzen, den er auch erfüllen wolle. Ob und unter welchen Bedingungen dieser Vertrag im Zuge der Restrukturierung Bestand haben kann, ist offen. Rahm wird in den Insolvenzunterlagen zudem mit einer ungesicherten Forderung von knapp 7,5 Millionen Dollar geführt. Diese Summe entspricht allerdings nicht zwangsläufig seinen gesamten noch ausstehenden vertraglichen Ansprüchen.
PIF finanziert jetzt den Übergang
Bemerkenswert bleibt die Rolle des saudischen Staatsfonds. Der PIF hatte LIV Golf seit dem Start mit mehr als fünf Milliarden Dollar finanziert und im Frühjahr angekündigt, die laufende Finanzierung einzustellen. Nun stellt ausgerechnet der bisherige Geldgeber das Kapital bereit, mit dem die Liga durch das Insolvenzverfahren kommen soll.
Das bedeutet allerdings keine Rückkehr zum alten Geschäftsmodell. Der bisherige LIV-Ansatz mit hohen garantierten Spielerverträgen und dauerhaftem Kapitalbedarf soll gerade durch die Restrukturierung beendet werden.
Das geplante „LIV Golf 2.0“ soll kleiner und kostengünstiger werden. Gleichzeitig soll das Feld von bislang 57 auf 75 Spieler wachsen, erstmals ein Cut nach 54 Löchern eingeführt werden und über Monday Qualifier zusätzliche sportliche Zugangswege entstehen. Das Teamkonzept soll stärker nach Nationalitäten ausgerichtet werden. Als wichtige Märkte nennt LIV unter anderem Australien, Südafrika, England, Mexiko, Hongkong und die USA.
Der 7. Oktober wird zum nächsten wichtigen Termin
Mit der Freigabe der ersten 14 Millionen Dollar ist die Zukunft der Liga deshalb keineswegs gesichert. Das Gericht hat zunächst nur dafür gesorgt, dass LIV während der Restrukturierung handlungsfähig bleibt.
Am 7. Oktober soll LIV erneut vor Gericht erscheinen. Dann geht es unter anderem um die endgültige Genehmigung der Finanzierung und weitere Maßnahmen für die Restrukturierung. Parallel muss die Liga ihre Spieler für das neue Modell gewinnen und die geplante Finanzierung durch BC Partners konkretisieren.
LIV selbst hält weiterhin am Ziel fest, das Chapter-11-Verfahren Anfang 2027 zu verlassen und anschließend mit einer neu finanzierten Liga weiterzumachen.
Die nächsten Wochen werden damit entscheidend. Die Frage ist inzwischen nicht mehr, ob LIV Golf finanziell grundlegend umgebaut wird. Entscheidend ist, welche Spieler diesen Umbau mitmachen – und ob BC Partners tatsächlich genügend Kapital bereitstellt, damit aus dem Insolvenzverfahren ein LIV Golf 2.0 entstehen kann.
Die Zukunft von LIV Golf nimmt konkretere Formen an. Am 8. September hat die Serie beim zuständigen Gericht in New Jersey ein Verfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts eingeleitet. Was zunächst dramatisch klingt, bedeutet nicht, dass LIV Golf abgewickelt wird oder unmittelbar vor dem Aus steht.
Das amerikanische Verfahren gibt Unternehmen vielmehr die Möglichkeit, sich unter gerichtlichem Schutz finanziell neu aufzustellen. Schulden, Verträge und Finanzierungen können neu geordnet werden, während das Unternehmen grundsätzlich weiterarbeitet. LIV Golf verbindet diesen Schritt mit einem weitreichenden Umbau. Mit BC Partners Credit wurde bereits eine Vereinbarung geschlossen, die den Rahmen für die geplante Rekapitalisierung bildet. Nach Abschluss des Verfahrens soll eine neu aufgestellte Gesellschaft entstehen.
Die Spieler sollen zu Eigentümern werden
Der interessanteste Punkt ist dabei die geplante Eigentümerstruktur. Nach Angaben von LIV Golf soll das Unternehmen künftig mehrheitlich seinen Spielern gehören. Mit ihnen liefen bereits fortgeschrittene Gespräche.
Damit würde sich das bisherige LIV-Modell grundlegend verändern. Seit dem Start 2022 beruhte die Liga vor allem auf der finanziellen Unterstützung des saudi-arabischen Public Investment Fund (PIF). Hohe garantierte Verträge und Preisgelder waren ein entscheidendes Argument, um etablierte Profis von PGA Tour und DP World Tour zu LIV zu holen.
Künftig sollen die Spieler nicht mehr nur für die Liga antreten, sondern unmittelbar an deren wirtschaftlichem Erfolg beteiligt sein.
Wie diese Beteiligungen verteilt werden, welche Spieler tatsächlich einsteigen und welche Rolle die bestehenden LIV-Teams dabei spielen, ist bislang allerdings nicht bekannt. Gerade diese Fragen dürften darüber entscheiden, wie attraktiv das neue Modell für die bisherigen Stars der Serie wird.
PIF stellt weitere 49,6 Millionen Dollar bereit
Ganz aus dem Spiel ist der PIF während des Umbaus nicht. Der saudische Staatsfonds hat zugesagt, LIV Golf während des Sanierungsverfahrens eine Finanzierung über 49,6 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu stellen. Die sogenannte Debtor-in-Possession-Finanzierung muss noch vom Gericht genehmigt werden und soll den Geschäftsbetrieb während der Restrukturierung absichern.
Für die Zeit danach ist eine andere Konstruktion vorgesehen. BC Partners Credit und möglicherweise weitere Minderheitsinvestoren sollen das notwendige Kapital für die reorganisierte Gesellschaft bereitstellen. BC Partners Credit soll dabei als sogenannter Plan Sponsor auftreten.
Ein Neustart mit vielen offenen Fragen
LIV Golf will das Sanierungsverfahren vergleichsweise schnell abschließen. Nach dem derzeitigen Plan soll die Gesellschaft Anfang 2027 aus dem gerichtlichen Verfahren hervorgehen. Bis dahin müssen allerdings noch einige Voraussetzungen erfüllt werden. Der Restrukturierungsplan benötigt unter anderem die Zustimmung des Gerichts und der relevanten Beteiligten. Auch die Gespräche mit den Spielern über die künftige Eigentümerstruktur sind noch nicht abgeschlossen.
Hinzu kommt die internationale Struktur der Liga. LIV Golf bemüht sich deshalb darum, das amerikanische Verfahren auch in England und Wales anerkennen zu lassen, um die dortigen Vermögenswerte und den internationalen Geschäftsbetrieb während der Restrukturierung abzusichern.
Sportlich stellt sich vor allem eine Frage: Welche Spieler werden den Neustart mittragen?
Die Attraktivität von LIV Golf beruhte von Beginn an stark auf Namen wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau, Brooks Koepka, Joaquin Niemann oder Cameron Smith. Ein neues Finanzierungsmodell muss deshalb nicht nur Investoren überzeugen, sondern auch genügend Topspieler langfristig an die Liga binden.
Aus garantierten Verträgen wird unternehmerisches Risiko
Genau hier könnte die geplante Spielerbeteiligung interessant werden. Bislang war das Verhältnis relativ eindeutig: LIV Golf zahlte, die Profis spielten. In einem Modell mit mehrheitlichem Spielerbesitz würden sich die Interessen verschieben.
Steigt der wirtschaftliche Wert der Liga und ihrer Teams, könnten die beteiligten Spieler unmittelbar davon profitieren. Entwickelt sich das Geschäft dagegen nicht wie erhofft, tragen sie zumindest mittelbar auch einen Teil des unternehmerischen Risikos.
Für LIV könnte darin eine Chance liegen. Die Interessen der wichtigsten sportlichen Akteure wären stärker an den langfristigen Erfolg der Liga gekoppelt. Gleichzeitig müsste das Unternehmen künftig zeigen, dass sich sein Geschäft auch unter deutlich stärkerem wirtschaftlichem Druck entwickeln kann.
LIV sucht seinen Platz im Profigolf
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Wortwahl von CEO Scott O’Neil. Er beschreibt die künftige LIV Golf League ausdrücklich als Teil des „global golf ecosystem“. Das ist eine andere Tonlage als in den ersten Jahren der Serie. LIV trat 2022 als Herausforderer des bestehenden Systems auf und löste einen Konflikt aus, der den professionellen Golfsport über Jahre bestimmte. Inzwischen scheint es weniger darum zu gehen, dieses System zu ersetzen, sondern einen dauerhaften Platz darin zu finden.
Die erste Version von LIV Golf konnte sich darauf verlassen, dass der PIF die finanziellen Voraussetzungen schuf. Das neue LIV muss beweisen, dass aus einer mit enormem Kapital aufgebauten Golfserie ein dauerhaft funktionierendes Unternehmen werden kann. Und genau das dürfte die entscheidende Frage für 2027 sein.
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