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Golf

Der Krisenmodus im Golfsport

10. April 2024
Joel Dahmen, Profigolfspieler auch 2024
Kam mit dem schnellen Ruhm nicht klar: Joel Dahmen

Das war’s, ich höre auf, ich kann’s einfach nicht!“ Ich könnte wetten, fast jeder von uns Hobbygolfern war irgendwann in seiner Golfkarriere mal an dem Punkt, an dem Sätze wie dieser gefallen sind. Nur um sich schon wenige Minuten später lächerlich vorzukommen, weil man sich von dem Lieblingshobby, das doch eigentlich Spaß machen soll, in dem Moment derart hat herunterziehen lassen.

Doch dieser Sport bietet nun mal eben ein großes Frustpotenzial. „Im Golfsport herrscht eine große ‚Grundnegativität‘ und oftmals auch große Unzufriedenheit“, meint auch Life- und Karriere-Coach Holger Fischer und bezieht diesen Satz eher auf das Profigolf. Fischer arbeitet mit vielen Profisportlern aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, unter anderem mit Marcel Siem, der sich seit der Zusammenarbeit aus der sportlichen Krise gekämpft hat und zum erneuten Tour-Sieger wurde. Die erwähnte „Grundnegativität“ und Unzufriedenheit liegen natürlich, vor allem im Profibereich, in der Natur der Sache. Anders als beim Fußball gibt es beim Golf nicht nur einen Gewinner und einen Verlierer, sondern einen Sieger und rund 149 Verlierer. Oder: 149 Spieler, die das Turnier eben nicht gewonnen haben.

Der Preis des Ruhms

Wie sehr Rückschläge und Misserfolge im Golf die Spieler beeinflussen und beeinträchtigen, zeigte nicht zuletzt die zweite Staffel von Full Swing, in der unter anderem die US-Amerikaner Joel Dahmen und Wyndham Clark von Netflix begleitet wurden. Über Nacht war der authentische Joel Dahmen durch die erste Staffel der Serie berühmt und vor allem wegen seiner ausgelassenen, lockeren Art schnell zum Fanliebling geworden. Doch dann folgte die vielleicht schlechteste Saison seiner Karriere – all das im Rampenlicht der TV-Kameras und Zuschauer. Schnell hatte Joel den Spaß am Golfen verloren. „Ich habe keinen Bock mehr. Durch Netflix berühmt geworden zu sein und eine 76 zu spielen, ist für mich das Schlimmste, das es gibt“, sagte der US-Amerikaner in der TV-Doku-Serie. Sein Caddy zwang ihn schließlich förmlich, sich mentale Unterstützung zu suchen. Diese fand Dahmen in Performance-Coach Chris Bertram, und seither geht es langsam bergauf.

Clark Wyndham Profigolfer 2024

Mit der Hilfe kam der Erfolg: Wyndham Clark holte sich den Sieg bei den US Open 2023 und die Ryder-Cup-Teilnahme für die USA.

Externe Hilfe ist wichtig!

Hilfe suchte sich in der sportlichen Krise auch Wyndham Clark. „Ich war früher sehr wütend, sehr hart zu mir selbst. Ich hatte meinen Kopf jahrelang darauf trainiert, mich selbst zu beschimpfen und negativ zu denken, habe mich im Zimmer eingesperrt, mich betrunken und war gemein zu anderen“, erzählte Clark in Full Swing. „Ich habe gedacht: Ich bin mies, ich bin scheiße, ich werde nie einen Cut schaffen.“ Dann fand auch er in Julie Elion einen Performance-Coach. Das Ergebnis: In seiner fünften vollen Saison auf der PGA Tour gewann Clark bei den Wells Fargo Championship im Mai 2023 sein erstes Turnier. Anderthalb Monate später folgte mit den U.S. Open sein erster Major-Triumph. Er schaffte es ins Ryder-Cup-Team in Rom und gewann im Februar 2024 auch noch in Pebble Beach. Er lernte, zufriedener mit sich zu sein, und das wirkte sich auf seine Leistung aus.

Golfer sind Hochsensibel

„Im Endeffekt sind alle Profigolfer mental sehr stark“, sagt Fischer. Was nicht bedeute, dass sie nicht dennoch Hilfe bräuchten. „Die eigene Betriebsblindheit und die fehlende Auseinandersetzung mit sich selbst“ seien Gründe, warum es Sinn ergebe, mit einem Life-, Performance- oder Mentalcoach zusammenzuarbeiten, und dass dies heutzutage auch fast alle Spieler täten. Ein grundlegendes Problem sei vor allem, dass sich Spieler schon in jungen Jahren von ihrer Persönlichkeit her in die falsche Richtung entwickeln würden. „Mit den Sportlern wird falsch umgegangen. Deshalb sind wir in vielen Sportarten in Deutschland auch nicht mehr Weltklasse“, sagt Fischer. „Die Spieler müssen erst einmal lernen, wer sie sind, wie sie ticken und wie man mit den Mechanismen des Profisports klarkommt.“ Er hat das Gefühl, viele Spieler blickten nur von Runde zu Runde und seien dabei ausschließlich auf „Birdiejagd“, anstatt das große Ganze, nämlich die langfristige Entwicklung über längere Zeiträume, zu sehen. „Über die strategische Stärkung der Persönlichkeit“ käme der Erfolg dann ganz von allein. Beim Stichwort Persönlichkeit wird Fischer dann noch mal genauer. Er ist sich sicher, dass mehr oder weniger alle Golfprofis zu den hochsensiblen Personen (HSP), die in Deutschland rund 20 % ausmachen, zählen. Diese seien in ihrem Bereich hochbegabt und dadurch charakterisiert, dass sie sich viele Gedanken machen, gleich 20 Lösungsansätze auf einmal im Kopf haben und ein anderes Reaktionsmuster als andere Menschen aufweisen. HSPler seien gleichzeitig immer auch Zweifler und entscheidungsschwache Persönlichkeiten. Umso wichtiger sei es für Golfprofis, zu verstehen, wer sie sind und dies von innen heraus wertungsfrei anzunehmen. „Wir müssen aufhören, junge Sportler in vorgegebene Muster und Strukturen zu pressen, sondern erkennen, wer sie wirklich sind, wie sie ticken und was sie brauchen, um sich weiterzuentwickeln“, sagt Fischer. „Erst dann wird es in Deutschland wieder häufig Weltklasse-Athleten geben, Typen beziehungsweise Persönlichkeiten wie einen Marcel Siem zum Beispiel.

Holger Fischer – Life- und Karriere-Coach

Der Life- und Karriere-Coach, Holger Fischer, begleitet unter anderem Profisportler auf ihrem Weg. Der mentale Aspekt ist dabei „nur“ eine von zwölf Stellschrauben, an denen er dreht, um mit den Sportlern über ihre Persönlichkeit und äußere Einflüsse ihre Ziele zu erreichen. Dabei entwickelt er Strategien für dauerhaften Erfolg. Er ist zudem Autor mehrerer Bücher wie „Karrierekiller“. Zu den bekannten Golfern, mit denen er arbeitet, zählen Marcel Siem, Nick Bachem und Freddy Schott.

Fotos: Getty Images, LIV Golf, fabioderby – stock.adobe.com, Imago Images

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