
Mit der Eröffnungsfeier am Donnerstag beginnt der Solheim Cup 2026. Ab Freitag zählt bei Bernardus Golf jeder Punkt.
Bernardus wird zur Bühne für den 20. Solheim Cup
Der Solheim Cup findet erstmals in den Niederlanden statt. Austragungsort ist Bernardus Golf in Cromvoirt bei ’s-Hertogenbosch. Der von Kyle Phillips entworfene Platz ist offen, sandig und stark vom Wind geprägt. Schon kleine Änderungen der Windrichtung können Einfluss darauf haben, wie aggressiv die Spielerinnen einzelne Löcher angehen.
Das dürfte gerade in den Vierern wichtig werden. Beim Foursome spielen zwei Spielerinnen gemeinsam einen Ball und schlagen abwechselnd. Fehler lassen sich deshalb schwerer auffangen. Im Fourball besitzt dagegen jede ihren eigenen Ball, wodurch mehr Risiko möglich ist.
Am Freitag und Samstag werden jeweils vier Foursomes und vier Fourballs gespielt. Am Sonntag folgen die zwölf Einzel. Insgesamt stehen 28 Punkte zur Verfügung.
Europa setzt auf Erfahrung und vier Neulinge
Captain Anna Nordqvist geht mit einem Team in den Wettbewerb, das erfahrene Solheim-Cup-Spielerinnen mit vier Debütantinnen verbindet.
Charley Hull und Esther Henseleit qualifizierten sich über die europäische Punkteliste. Über die Weltrangliste kamen Lottie Woad, Maja Stark, Céline Boutier, Carlota Ciganda, Linn Grant und Nanna Koerstz Madsen hinzu.
Nordqvist vergab ihre vier Captain’s Picks an Leona Maguire, Julia López Ramírez, Nastasia Nadaud und Mimi Rhodes.
Damit stehen mit Woad, López Ramírez, Nadaud und Rhodes vier Spielerinnen erstmals im europäischen Solheim-Cup-Team. Auf der anderen Seite gehören Hull und Ciganda seit Jahren zum Kern der Mannschaft.
Gerade diese Mischung wird für Nordqvist interessant. Denn sie kann erfahrene Matchplay-Spielerinnen mit Debütantinnen kombinieren oder eingespielte Kräfte gezielt zusammenbringen.
Esther Henseleit kommt mit einer anderen Rolle
Aus deutscher Sicht steht Esther Henseleit im Mittelpunkt. Die Hamburgerin spielt ihren zweiten Solheim Cup, doch ihre Ausgangslage unterscheidet sich deutlich von 2024.
Damals gehörte sie als Captain’s Pick zum Team. Dieses Mal qualifizierte sie sich direkt über die europäische Punkteliste. Mit starken Ergebnissen in den Wochen vor Ende der Qualifikation schob sie sich noch auf einen der beiden Plätze.
Bei ihrem Debüt in Virginia kam Henseleit dreimal zum Einsatz. Gemeinsam mit Charley Hull gewann sie ein Foursome, ein weiteres ging verloren. Im Einzel teilte sie ihr Match gegen Andrea Lee.
1,5 Punkte standen am Ende auf ihrem Konto.
Für Nordqvist ist Henseleit damit keine Unbekannte mehr. Sie kennt den Druck dieses Wettbewerbs, hat bereits in beiden Teamformaten gespielt und bringt zudem aktuelle Erfahrung aus einem Solheim Cup mit.
Henseleit ist die sechste Deutsche im europäischen Team
Vor Henseleit spielten fünf deutsche Golferinnen für Europa.
Elisabeth Esterl machte 2003 den Anfang. Bettina Hauert folgte 2007. Sandra Gal gehörte 2011 und 2015 zum Team, Caroline Masson nahm zwischen 2013 und 2019 viermal teil. Sophia Popov spielte 2021 in Ohio.
Masson ist mit sieben Punkten weiterhin die erfolgreichste deutsche Spielerin in der Solheim-Cup-Geschichte.
Für Henseleit bietet sich bei Bernardus nun die Chance, ihre bisherige Bilanz auszubauen. Zudem liegt der Austragungsort vergleichsweise nah an Deutschland. Deshalb dürfte sie im europäischen Team auch auf einen spürbaren Anteil deutscher Zuschauer zählen können.

Nelly Korda
Die USA kommen mit vielen Spielerinnen von 2024
Angela Stanford kann auf einen Kern zurückgreifen, der den Wettbewerb vor zwei Jahren gewann.
Im Team stehen Nelly Korda, Angel Yin, Jennifer Kupcho, Yealimi Noh, Auston Kim, Lauren Coughlin, Allisen Corpuz, Andrea Lee, Alison Lee, Lindy Duncan, Megan Khang und Rose Zhang.
Vor allem Zhang hinterließ 2024 einen deutlichen Eindruck. Sie gewann alle vier Matches und gab keinen Punkt ab. Auch Megan Khang gehört seit Jahren zu den verlässlichen Matchplay-Spielerinnen im US-Team.
Stanford muss dennoch auf mehrere bekannte Namen vergangener Austragungen verzichten. Deshalb ist auch das amerikanische Team nicht identisch mit der Mannschaft, die 2024 in Virginia gewann.
Der Start könnte erneut entscheidend werden
Der Solheim Cup 2024 wurde nicht erst am Sonntag entschieden. Die USA legten bereits am Freitag die Grundlage.
Nach dem ersten Tag führten sie 6:2, vor den Einzeln stand es 10:6. Europa kam noch einmal heran, konnte den Rückstand aber nicht mehr aufholen. Am Ende siegten die USA mit 15,5:12,5.
Für Europa dürfte deshalb klar sein, dass ein schwacher erster Tag dieses Mal vermieden werden soll.
Gerade die Foursomes am Freitagmorgen werden deshalb interessant. Dort zeigt sich früh, welchen Spielerinnen Nordqvist vertraut und welche Kombinationen sie als besonders stabil einschätzt.
Europa war zuletzt auf eigenem Boden schwer zu schlagen
Trotz der Niederlage von 2024 spricht die jüngere Geschichte nicht gegen Europa.
2019 gewann das Team in Gleneagles, 2021 folgte ein weiterer Erfolg in Ohio. 2023 reichte in Spanien ein 14:14, weil Europa als Titelverteidiger den Cup behielt.
Die letzte amerikanische Mannschaft, die auf europäischem Boden gewann, war das Team von 2015 in St. Leon-Rot.
Damals führten die Europäerinnen vor den Einzeln noch mit 10:6. Am Sonntag drehten die USA den Wettbewerb und gewannen 14,5:13,5.
Für den deutschen Golfsport bleibt dieses Turnier ein wichtiger Teil der Solheim-Cup-Geschichte. Knapp 70.000 Zuschauer kamen damals nach St. Leon-Rot.
Der historische Vorteil liegt bei den USA
Vor der 20. Austragung führen die USA in der Gesamtbilanz.
Elf amerikanischen Siegen stehen sieben Erfolge Europas gegenüber. 2023 endete der Wettbewerb unentschieden.
Auch bei den einzelnen Matches liegen die USA vorn. In den bisherigen 500 Partien gewannen sie 222. Europa entschied 204 Matches für sich, 74 wurden geteilt. Daraus ergibt sich eine Punktbilanz von 259:241 für die USA.
Diese Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Denn gerade seit 2019 entwickelte sich der Wettbewerb deutlich zugunsten Europas. Der Erfolg der USA 2024 unterbrach diese Phase erstmals.
Nordqvist kennt beide Seiten des Solheim Cups
Anna Nordqvist übernimmt bei Bernardus erstmals die Rolle der europäischen Kapitänin.
Die Schwedin kennt den Wettbewerb aus vielen Jahren als Spielerin und war später bereits Teil des Führungsteams. Ihre persönliche Solheim-Cup-Geschichte reicht bis 2009 zurück.
Besonders in Erinnerung blieb ihr Hole-in-One 2013 in Colorado. Nordqvist lochte auf Bahn 17 direkt ein und entschied damit gemeinsam mit Caroline Hedwall das Match gegen Morgan Pressel und Jessica Korda.
Es war das erste Ass in der Geschichte des Solheim Cups.
Zehn Jahre später gelang Emily Kristine Pedersen das zweite. Die USA warten bis heute auf ihr erstes Hole-in-One in diesem Wettbewerb.
Die Eröffnungsfeier liefert erste sportliche Antworten
Am Donnerstag geht es noch nicht um Punkte. Trotzdem ist der Abend sportlich relevant.
Mit den ersten Paarungen zeigen Nordqvist und Stanford, welche Spielerinnen sie zum Start besonders stark einschätzen. Vielleicht setzt Europa sofort auf Hull und Henseleit. Vielleicht trennt Nordqvist ihre erfahrenen Kräfte und stellt ihnen jeweils eine Debütantin zur Seite.
Gerade darin liegt der Reiz des ersten Abends. Noch ist nichts entschieden, doch die ersten Entscheidungen fallen bereits.
Ab Freitag gibt es darauf eine Antwort auf dem Platz.
Weitere Beiträge








