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Golf

Austrian Alpine Open: Kitzbühel sortiert das Feld

30. Mai 2026
Austrian Alpine Open 2026

Nach zwei Tagen bei der Austrian Alpine Open 2026 führt Andrew „Beef“ Johnston in Kitzbühel. Marcel Schneider liegt stark im Rennen, Sepp Straka und Maximilian Steinlechner halten die österreichischen Hoffnungen am Leben – während Titelverteidiger Nicolai von Dellingshausen den Cut verpasst.

Ein neues Kapitel in Kitzbühel

Kitzbühel kann große Bühne. Normalerweise denkt man dabei an Ski, Streif, Hahnenkamm und diesen speziellen Mix aus Sport, Bergkulisse und Publikum, das sehr genau weiß, wann es laut werden darf. Nun hat die DP World Tour diesen Rahmen in den Golfsommer übertragen. Die Austrian Alpine Open 2026 werden erstmals im Golfclub Kitzbühel-Schwarzsee-Reith gespielt, der damit zum 465. Austragungsort eines DP-World-Tour-Events geworden ist. Das Turnier läuft vom 28. bis 31. Mai, gespielt wird um 2,75 Millionen US-Dollar Preisgeld.

Der Platz hat sich dafür sichtbar herausgeputzt. Für das Turnier wurden neue Abschläge und zusätzliche Bunkerbereiche angelegt, unter anderem an mehreren strategisch wichtigen Löchern. Besonders charmant bleibt dabei, dass Kitzbühel-Schwarzsee-Reith trotz Tour-Setup ein Platz mit eigenem Charakter ist: eng genug vom Tee, klein genug auf den Grüns, mit alpiner Kulisse und einem Finish, das mehr verlangt als reines Ballstriking.

Zhou legt los, Johnston übernimmt

Den ersten kräftigen Akzent setzte am Donnerstag Yanhan Zhou. Der 18-jährige Chinese, jüngstes Mitglied der DP World Tour in dieser Saison, eröffnete mit einer 62 und damit acht unter Par. Hinter ihm folgte Ricardo Gouveia mit 63 Schlägen, während sich Marcel Schneider mit einer 64 früh in den Vordergrund spielte. Schneider teilte sich nach Runde eins Rang drei mit Rafa Cabrera Bello, Tobias Jonsson, Davis Bryant, Lucas Bjerregaard und Brandon Robinson Thompson.

Am Freitag aber gehörte die Bühne Andrew Johnston. Der Engländer brachte eine bogeyfreie 62 ins Clubhaus, notierte acht Birdies und setzte sich nach 36 Löchern mit insgesamt elf unter Par allein an die Spitze. Dahinter liegen Kota Kaneko, Rafa Cabrera Bello und Calum Hill bei zehn unter Par. Gerade Johnston, lange einer der populäreren Charaktere der Tour, machte aus dem zweiten Tag einen dieser Momente, in denen ein Leaderboard plötzlich einen anderen Ton bekommt. Nicht spektakulär um jeden Preis, eher mit sauberem Golf, vielen Chancen und einer Runde, bei der auf der Karte kein Kratzer auftauchte.

Schneider bleibt dran

Aus deutscher Sicht ist Marcel Schneider die erfreuliche Geschichte der ersten beiden Tage. Auf die starke 64 zum Auftakt ließ er am Freitag eine 68 folgen. Drei Birdies, nur ein Bogey, insgesamt acht unter Par – das bringt ihn nach zwei Runden auf den geteilten fünften Rang. Damit ist Schneider bester DACH-Spieler im Feld und liegt nur drei Schläge hinter Johnston.

Das ist vor allem deshalb wertvoll, weil Kitzbühel nicht jeden Fehler einfach wegmoderiert. Wer vom Tee zu oft neben die Linien gerät, bekommt wenig geschenkt. Sepp Straka hatte vor dem Turnier bereits darauf hingewiesen, dass der Platz eng vom Abschlag sei, das Rough dick stehe und die Grüns klein seien. In genau diesem Profil liegt Schneiders Vorteil nach zwei Tagen: Er hielt den Ball im Spiel, vermied die teuren Aussetzer und blieb geduldig genug, um die Birdies mitzunehmen, ohne den Platz zu überreden.

Straka und Steinlechner geben Österreich Stoff fürs Wochenende

Für Österreich war der Freitag wichtig. Sepp Straka, der große Name der Turnierwoche, verbesserte sich mit einer 66 auf insgesamt sieben unter Par und liegt damit auf dem geteilten elften Rang. Fünf Birdies und ein Bogey brachten ihn zurück in eine Position, aus der am Wochenende noch einiges möglich ist. Schon nach Runde eins hatte Straka eingeräumt, dass er auf den ersten neun Löchern kämpfen musste, sich aber durch Pars und die Unterstützung des Publikums stabilisierte.

Neben ihm steht Maximilian Steinlechner ebenfalls bei sieben unter Par. Der Tiroler hatte mit einer 65 stark begonnen und spielte am Freitag eine 68. Für das Turnier ist das ein Glücksfall: Straka zieht als Ryder-Cup-Spieler und PGA-Tour-Sieger die Aufmerksamkeit, Steinlechner liefert die regionale Geschichte dazu. Heimspiel in Tirol, Freunde und Familie am Rand, und dazu ein Score, der sportlich Substanz hat.

Bernd Wiesberger bleibt nach Runden von 66 und 69 ebenfalls im Wochenende. Mit fünf unter Par liegt er auf Rang 30. Der Routinier ist damit nicht ganz vorne, aber nah genug, um mit einer tiefen Moving-Day-Runde noch deutlich Boden gutzumachen.

Titelverteidiger draußen, Siem ebenfalls

Weniger gut lief es für mehrere deutsche und österreichische Spieler. Titelverteidiger Nicolai von Dellingshausen verpasste nach Runden von 71 und 70 bei insgesamt eins über Par den Cut. Das ist sportlich bitter, weil seine Rückkehr als Champion von 2025 eine der naheliegenden Geschichten dieser Woche war. Vor dem Turnier hatte er noch beschrieben, wie anders sich eine Titelverteidigung mit Terminen, Aufmerksamkeit und Erwartungen anfühlt. In Kitzbühel fand er nicht den Lauf, der ihn im Vorjahr zum ersten DP-World-Tour-Sieg getragen hatte.

Auch Marcel Siem erlebte zwei harte Tage und schied bei elf über Par aus. Yannik Paul, Freddy Schott, Matthias Schwab, Lukas Nemecz, Alexander Kopp, Niklas Regner, Christoph Bleier und Timon Baltl verpassten ebenfalls den Cut. Joel Girrbach aus der Schweiz rettete sich mit einer bogeyfreien 66 am Freitag noch ins Wochenende.

Kitzbühel liefert die Kulisse, das Leaderboard die Spannung

Nach 36 Löchern ist die Austrian Alpine Open 2026 genau dort, wo ein Turnier sein möchte: vorne eng genug, um mehrere Geschichten offen zu halten. Johnston führt, aber Cabrera Bello, Kaneko und Hill sitzen ihm direkt im Nacken. Schneider ist aus deutscher Sicht mittendrin. Straka und Steinlechner halten die österreichische Hoffnung lebendig. Wiesberger wartet auf den Samstag.

Dazu kommt ein Austragungsort, der dem Turnier sofort ein Gesicht gegeben hat. Kitzbühel nutzt seine Sportgeschichte, ohne den Golfplatz zur Nebensache zu machen. Die engen Abschläge, kleinen Grüns und das ungewöhnliche alpine Finish sorgen dafür, dass die Austrian Alpine Open am Wochenende kaum zur reinen Putt-Meisterschaft werden dürften. Wer hier gewinnen will, braucht Kontrolle vom Tee, Gefühl auf den kurzen Schlägen und Nerven auf den letzten Löchern. Genau dafür wurde dieses Turnier nach zwei Tagen angenehm gut sortiert.

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