
Nach den zahlreichen Abgängen bei LIV Golf wächst das Interesse an einer Rückkehr auf die DP World Tour. Die europäische Tour prüft derzeit, unter welchen Bedingungen sie ehemalige LIV-Profis wieder aufnehmen kann. Für Spieler, die auch 2027 bei LIV Golf antreten wollen, bleibt die Tür dagegen geschlossen.
Die DP World Tour könnte in der kommenden Saison weitere bekannte Spieler zurückbekommen. Angesichts zahlreicher Anfragen von Profis, die LIV Golf verlassen möchten, prüfen die Verantwortlichen derzeit mögliche Rückkehrbedingungen. Das bestätigte ein Sprecher der europäischen Tour gegenüber dem Golfmagazin Today’s Golfer.
Demnach hat die DP World Tour in den vergangenen Wochen ungewöhnlich viele Anfragen erhalten. Voraussetzung für eine Rückkehr soll sein, dass die betreffenden Spieler keine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber LIV Golf mehr haben und die Mitgliedschaftsregeln der europäischen Tour akzeptieren.
Hintergrund ist die ungewisse Zukunft von LIV Golf. Nach dem Rückzug des saudischen Staatsfonds PIF als bisherigem Geldgeber und dem laufenden Insolvenzverfahren müssen sich zahlreiche Profis entscheiden, ob sie das neue LIV-Konzept unterstützen oder ihre Karriere auf einer der etablierten Touren fortsetzen wollen.
Rückkehr zur DP World Tour nur unter Bedingungen
Die DP World Tour hatte bereits angekündigt, dass Spieler ab 2027 grundsätzlich zwischen einer Teilnahme an LIV Golf und der europäischen Tour wählen müssen. Die zuletzt gewährten Ausnahmegenehmigungen, die einzelnen Spielern Starts auf beiden Touren ermöglichten, sollen im kommenden Jahr nicht fortgesetzt werden.
Tourchef Guy Kinnings hatte diese Linie zuletzt bekräftigt. Spieler müssten sich entscheiden, welchen Weg sie künftig einschlagen wollten. Gleichzeitig verwies er auf die bestehenden Regeln, die für alle Mitglieder gelten.
Die aktuelle Prüfung möglicher Rückkehrbedingungen steht dazu nicht im Widerspruch. Sie betrifft Spieler, die ihre Verpflichtungen gegenüber LIV Golf beendet haben und künftig wieder auf der DP World Tour antreten möchten.
Nach einem Bericht von Today’s Golfer sollen bereits fortgeschrittene Gespräche mit mehreren Profis laufen. Dabei geht es offenbar auch um die Anzahl möglicher Turnierstarts und Einschränkungen bei besonders hoch dotierten Veranstaltungen.
Eine generelle Rückkehrregelung hat die DP World Tour bislang allerdings nicht bekannt gegeben. Auch individuelle Vereinbarungen mit weiteren Spielern wurden noch nicht offiziell bestätigt.
Rahm, Hatton und Garcia haben LIV Golf verlassen
In den vergangenen Wochen haben zahlreiche bekannte Namen ihren Abschied von LIV Golf erklärt. Dazu gehören Jon Rahm, Tyrrell Hatton, Sergio Garcia, Tom McKibbin und Graeme McDowell.
Für einige dieser Profis ist die DP World Tour die naheliegende sportliche Alternative. Rahm und Hatton verfügen bereits über eine enge Verbindung zur europäischen Tour und gehörten auch während ihrer LIV-Zeit zu den wichtigen Spielern im europäischen Ryder-Cup-Team.
Andere Profis stehen vor einer schwierigeren Situation. Nicht jeder ehemalige LIV-Spieler verfügt über eine bestehende Mitgliedschaft oder eine Spielberechtigung auf der DP World Tour.
Welche Möglichkeiten sich für diese Spieler ergeben, dürfte deshalb Gegenstand individueller Verhandlungen sein. Auch mögliche frühere Regelverstöße und offene Geldstrafen können eine Rolle spielen.
Welche Rolle spielt der Ryder Cup 2027?
Besondere Bedeutung hat die Entwicklung mit Blick auf den Ryder Cup 2027 in Adare Manor in Irland. Für eine Teilnahme am europäischen Team müssen Spieler die entsprechenden Mitgliedschaftsvoraussetzungen der DP World Tour erfüllen.
Für Jon Rahm und Tyrrell Hatton ist das ein wichtiger Faktor bei der Planung ihrer kommenden Saison. Beide gehörten in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten europäischen Ryder-Cup-Spielern.
Die mögliche Rückkehr weiterer ehemaliger LIV-Profis könnte deshalb auch den Kreis der Spieler erweitern, die für das europäische Team infrage kommen.
Über eine Ryder-Cup-Nominierung entscheidet allerdings weiterhin die sportliche Qualifikation beziehungsweise die Auswahl durch den Kapitän. Eine Rückkehr auf die DP World Tour bedeutet damit noch keinen automatischen Platz im Team.
LIV Golf 2.0 bleibt eine offene Rechnung
Parallel zu den Gesprächen über mögliche Rückkehrer laufen die Verhandlungen über die Zukunft von LIV Golf weiter. Der potenzielle Investor BC Partners arbeitet an einem neuen Geschäftsmodell, bei dem Spieler künftig auch Eigentumsanteile an der Liga erhalten sollen.
Bislang sollen rund 15 Profis vorläufiges Interesse an einer Teilnahme an LIV Golf 2.0 signalisiert haben. Für die geplante Finanzierung werden jedoch deutlich mehr verbindliche Zusagen benötigt.
Die ursprünglich auf den 25. Oktober gesetzte Frist für Spielerentscheidungen wurde im Rahmen einer Änderung der Restrukturierungsvereinbarung gelockert. Damit können die Verhandlungen zunächst fortgesetzt werden.
Für die DP World Tour ergibt sich daraus eine besondere Situation: Je mehr Spieler sich gegen LIV Golf 2.0 entscheiden, desto größer könnte das Interesse an einer Rückkehr nach Europa werden.
Ob daraus tatsächlich zusätzliche Startmöglichkeiten entstehen, hängt nun von den individuellen Vereinbarungen und den geltenden Tourregeln ab. Eine grundsätzliche Öffnung für Spieler, die weiterhin bei LIV Golf antreten möchten, ist derzeit nicht vorgesehen.
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