Skip to main content
Golf

Deutsche Golfer: Was zur Weltspitze fehlt

28. August 2026
ChatGPT Image Golfprofis

Deutsche Golfer haben das Potenzial für die Weltspitze. Doch seit Martin Kaymer fehlt ein echter Starspieler. Bundestrainer Ulrich Eckhardt erklärt, warum es nicht am Talent mangelt, was ihm bei vielen Spielern fehlt und wem er den nächsten großen Schritt zutraut.

Deutsche Golfer machen Hoffnung

Bei der PGA Championship war Matti Schmid plötzlich dort, wo deutsche Golfer in den vergangenen Jahren nur selten zu finden waren: ganz vorne. Am Sonntag ging der Münchner im Schlussflight auf die Runde, mitten im Rennen um einen Major-Titel.

Am Ende reichte es nicht für den ganz großen Wurf. Aber Schmid zeigte, dass ein deutscher Spieler wieder in Reichweite der ganz großen Bühne kommen kann.

Und er ist nicht der Einzige, der derzeit Hoffnung macht. Stephan Jäger hat sich auf der PGA Tour etabliert. Freddy Schott gewann in diesem Jahr erstmals auf der DP World Tour, Anton Albers zuletzt auf der HotelPlanner Tour. Im deutschen Männergolf tut sich also etwas. Was weiterhin fehlt, ist der eine Spieler, der solche Wochen nicht nur gelegentlich erwischt, sondern sich dauerhaft in der absoluten Weltspitze festsetzt.

Bernhard Langer war einst die Nummer eins der Welt und gewann zweimal das Masters. Alex Cejka spielte über viele Jahre auf höchstem Niveau. Dann kam Martin Kaymer: zwei Majors, Weltranglistenerster, Ryder-Cup-Held. Solche Spieler waren auch damals Ausnahmeerscheinungen. Seit Kaymers großen Jahren fehlt jedoch ein Nachfolger dieses Formats. Dabei gibt es in Deutschland genug gute Golfer. Nach Einschätzung von Bundestrainer Ulrich Eckhardt sind sogar mehrere dabei, denen noch deutlich mehr zuzutrauen ist.

„In der derzeitigen Generation fehlt dieser absolute Topstar“, sagte er zuletzt in unserem Podcast „Grün & Saftig“. Das bedeutet für ihn allerdings nicht, dass das Potenzial dafür fehlt. Im Gegenteil.

Matti Schmid

Matti Schmid

Die Zahlen waren besser

Die vergangenen Jahre beschreibt Eckhardt trotzdem ziemlich ungeschönt: „Die letzten zwei Jahre waren nicht dolle.“ Noch vor etwa drei Jahren habe Deutschland auf den großen Touren ungefähr 13 Spieler gehabt. Inzwischen sei es etwa die Hälfte. Einige hätten zwischenzeitlich „den Faden verloren“.

Doch gerade in den vergangenen Monaten hat sich das Bild aufgehellt. Nicht zuletzt durch Freddy Schott und Anton Albers. Eckhardt glaubt an einen Dominoeffekt. Wenn einer anfange, gut zu spielen, ziehe häufig der nächste nach. „Das befeuert sich gegenseitig.“

Deshalb blickt er optimistisch auf den Saisonendspurt der HotelPlanner Tour. Beim Grand Final auf Mallorca starten die besten 45 der Jahreswertung. Die besten 15 erhalten eine volle Karte für die DP World Tour. Eckhardt setzt „definitiv“ auf drei Deutsche im Finale.

Doch selbst mehrere Aufsteiger würden die größere Frage nicht beantworten: Warum schaffen deutsche Golfer den Schritt vom guten Tourspieler bis in die absolute Weltspitze so selten?

Ulrich Eckhardt mit Anton Albers

Ulrich Eckhardt mit Anton Albers bei seinem Sieg in Tschechien

Deutschland ist keine Golfnation

Für Eckhardt spielen dabei auch die Rahmenbedingungen eine Rolle. Deutschland sei „nun mal keine Golfnation“. Golf habe hier einen anderen Stellenwert als in klassischen Golfnationen. Dazu gebe es aus seiner Sicht zu wenige wirklich gute Golfplätze und Trainingsgrüns auf höchstem Niveau.

Dass mit Langer und Kaymer trotzdem zwei Deutsche die Nummer eins der Welt wurden, findet Eckhardt umso bemerkenswerter. Seine Erklärung führt schnell weg von Plätzen und Technik – und hin zu den Spielern selbst. „Diese beiden Menschen haben einen unglaublichen Arbeitsethos“, sagt Eckhardt. Vor allem aber hätten beide eine außergewöhnliche Selbstüberzeugung besessen.

Das Motto: „Ich schaffe das, egal, welche Widrigkeiten ich durchmachen muss.“ Kaymer habe sinngemäß einmal gesagt, er habe schlicht so viel trainiert, dass es irgendwann funktionieren musste. „Manchmal reicht eine solche Überzeugung, diesen Schritt zu gehen.“ Vielleicht liegt genau dort der Kern von Eckhardts Analyse.


Das ganze Gespräch mit Bundestrainer Ulrich Eckhardt findet ihr in unserem Podcast „Grün & saftig“


 

Das Problem sitzt im Kopf

Denn nach dem Gespräch mit dem Bundestrainer bleibt vor allem ein Begriff hängen: Selbstüberzeugung. Eckhardt sieht darin sogar ein grundsätzlich deutsches Problem. Vor allem amerikanische Sportler treten häufig schon früh mit dem Selbstverständnis auf, die Besten zu sein. Hierzulande gilt dagegen eher: bloß nicht zu große Töne spucken.

„Die Deutschen haben eher die Mentalität: Ball flachhalten“, sagt Eckhardt. Wer öffentlich ankündige, gewinnen zu wollen, werde schnell als arrogant abgestempelt. In den USA sei eine solche Haltung wesentlich selbstverständlicher. „Wir haben definitiv, was das angeht, ein Problem im Sport.“

Der Bundestrainer geht noch weiter: „Wenn du nicht selbst daran glaubst, dann wird es auch nicht passieren.“ Wer nicht einmal bereit sei, auszusprechen, dass er gewinnen wolle, werde es schwer haben, diesen Anspruch auf dem Platz zu leben.

Was Viktor Hovland auszeichnet

Genau deshalb hält Eckhardt auch den Vergleich mit Viktor Hovland für interessant. Den Norweger kennt er seit dessen Jugend. Damals sei Hovland „ein kleiner, dicker Schüler“ gewesen. Weder sei er außergewöhnlich athletisch gewesen, noch habe er über einen technisch beeindruckenden Golfschwung verfügt.

Im Gegenteil. „Der ist technisch nicht besonders gut ausgebildet. Das ist jetzt kein doller Golfschwung“, sagt Eckhardt. Was ihn ausgezeichnet habe, sei etwas anderes gewesen: „Er hat diesen Willen gehabt und sich einfach durchgebissen.“ Selbstüberzeugung halt.

Freddy Schott

Freddy Schott

Freddy Schott hat das Zeug

An den reinen Anlagen der deutschen Spieler mangelt es aus Sicht des Bundestrainers nicht. Besonders viel Hoffnung setzt Eckhardt auf Freddy Schott. Dessen Sieg in Bahrain hält er nicht für einen zufälligen Ausreißer. Schott sei noch jung, entwickle sich Jahr für Jahr weiter und habe bereits gezeigt, dass er ein großes Turnier gegen ein starkes Feld gewinnen könne.

Anschließend sei seine Leistung auch nicht eingebrochen. „Der hat natürlich das Zeug dazu, keine Frage.“ Den nächsten Schritt formuliert Eckhardt ebenfalls klar: Amerika. „Da spielt die Musik.“ Schott habe das Spiel, um sich dort zu behaupten.

Großes Potenzial bei Bachem

Noch deutlicher wird der Bundestrainer bei Nick Bachem. Der 26-Jährige ist für ihn „eines der größten Talente, die wir haben“. Verletzungen haben Bachems Entwicklung zuletzt gebremst. Doch Eckhardt erinnert daran, was ihn früh ausgezeichnet hat: Länge vom Tee, ein hervorragendes kurzes Spiel und gutes Putten.

„Was sein Potenzial angeht, kann ich mir nicht mehr wünschen.“ Auch Anton Albers passt zu Eckhardts These. Vor dessen Sieg hatte er mit ihm an Körpersprache und dem Umgang mit schlechten Schlägen gearbeitet. Zu Beginn des Turniers habe ihm das Auftreten überhaupt nicht gefallen. „Nach den ersten sieben Löchern hätte ich keinen Pfifferling auf Anton gewettet.“

Dann kam eine lange Gewitterpause. Danach sei die schlechte Körpersprache „wie abgeschnitten“ gewesen. Die folgenden 65 Löcher spielte Albers überragend und ließ sich auch von den Verfolgern nicht beeindrucken. „Er war immer im Moment, immer in der Gegenwart.“ Das Spiel war vorher schon da. Entscheidend war, was im Kopf passierte.

Der deutsche Scottie Scheffler?

Hinter den Profis kommt bereits die nächste Generation. Tim Wiedemeyer gewann in diesem Sommer die Amateur-Europameisterschaft und gehört zu den besten Amateuren der Welt. Das sei keine Garantie für eine erfolgreiche Profikarriere, sagt Eckhardt. Es sei aber eine hervorragende Voraussetzung.

Auch Emil Riegger hat ihn bei der Amateur Championship beeindruckt. Eckhardt geht sogar so weit, ihn vom Typ her als seinen „deutschen Scottie Scheffler“ zu bezeichnen. Die Worte zeigen, wie positiv Eckhardt den Unterbau einschätzt. Auch bei den Profis hält er mehrere Spieler grundsätzlich für gut genug, noch wesentlich weiter nach oben zu kommen.

Deutsche Golfer und der Kopf

Genau deshalb wird Eckhardts Antwort auf die Frage interessant, was Deutschland zur absoluten Weltspitze fehlt. Als er gefragt wird, welchem seiner Spieler er mental den ganz großen Sprung zutraut, will er keinen Einzelnen herausheben. Seine anschließende Antwort ist dafür umso aussagekräftiger.

„Wir haben Spieler, die haben alles, was du brauchst, um in der absoluten Weltspitze zu spielen“, sagt er. „Golferisches Potenzial, Schlagrepertoire – alles vorhanden.“ Nur scheinbar nicht immer die dazugehörige Selbstverständlichkeit. Eckhardt formuliert es schließlich so, wie man es von einem Bundestrainer eher selten hört: Er wünsche sich manchmal „mehr so abgefuckte Spieler“, die auf den Platz gingen und sich sagten: „Ich mache das hier, egal, was passiert. Ich bin der Größte, ich bin der Chef hier.“

Solche Menschen könnten anstrengend sein. Für den Spitzensport sei diese Überzeugung aber womöglich genau das, was es brauche. Vielleicht steckt darin die spannendste Erkenntnis über den Zustand des deutschen Männergolfs. Der nächste große Spieler muss womöglich nicht erst irgendwo gefunden, technisch neu ausgebildet oder durch ein völlig anderes Fördersystem hervorgebracht werden.

Eckhardt hält es durchaus für möglich, dass einer von ihnen längst da ist. Damit deutsche Golfer wieder dauerhaft die absolute Weltspitze erreichen, müsste dieser Spieler nur selbst genauso fest daran glauben.

Fotos: GettyImages/Alex Bierens de Haan, Luke Walker

Weitere Beiträge

Chervo Herbstmode

Golfmode Herbst 2026: Klassische & coole Styles

| Style | No Comments
Golfmode Herbst 2026: BOSS, J.Lindeberg, Malbon und Chervò zeigen klassische, progressive und farbige Styles für die neue Golfsaison.
Trainigstipps für Golfer

Trainingstipps – Pitchen

| Golftraining | No Comments
Pitchen beim Golf: Mit der richtigen Technik, Taktik, Längenkontrolle und gezielten Athletikübungen werden kurze Pitches sicherer.
Golfclub GutKaden Luftaufnahme

Wassermanagement auf Golfplätzen wird zum Standortfaktor

| Golf | No Comments
Der trockene Sommer 2026 zeigt, wie wichtig eine sichere Wasserversorgung für Golfanlagen wird. Speicherteiche, moderne Beregnung und alternative Wasserquellen entwickeln sich zu strategischen Investitionen.
Folkpool

Golf im Winter: Fit durch die kalte Jahreszeit

| Life | No Comments
Golf im Winter hält in Bewegung. Wie Sauna, warmes Wasser, Kälte und regelmäßige Aktivität helfen können, fit durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
Scottie Scheffler bei der Tour Championship 2026 im East Lake Golf Club

Tour Championship 2026: Scottie Scheffler dreht das Finale in East Lake

| Golf | No Comments
Scottie Scheffler holt drei Schläge auf Viktor Hovland auf, gewinnt die Tour Championship 2026 und sichert sich seinen zweiten Fedexcup.
Joe Dean siegt bei den Husqvarna British Masters 2026 im The Belfry

Husqvarna British Masters 2026: Joe Dean dreht das Finale mit einer 63

| Golf | No Comments
Joe Dean gewinnt die Husqvarna British Masters 2026 nach einer 63. Thomas Rosenmüller beendet das Turnier auf Rang sechs. Dean kommt aus dem Mittelfeld Joe Dean hat die Husqvarna British…