
Und Chefsache ist Scheffler-Sache. Bei seinem ersten Open-Sieg im nordirischen Royal Portrush und vierten Major-Triumph innerhalb von gut drei Jahren unterstrich Scottie Scheffler eindrucksvoll, welch dominante Rolle er aktuell in der Welt des Golfs einnimmt.
Von Sven Hanfft
An dieser Stelle zogen wir in der letzten GOLF’N’STYLE-Ausgabe eine Major-Halbzeitbilanz und der Autor gab auch gleich noch zwei Tipps ab, wie die beiden noch verbleibenden Majors ausgehen könnten.
JJ Spaun siegt in Oakmont
JJ Spaun siegt bei den U.S. Open und holt sich seinen ersten Major-Sieg (Foto: Getty Images)
Der Autoren Tipp für die U.S Open: Jon Rahm. Na ja, knapp daneben. Der Spanier von der LIV-Tour wurde am Ende schlaggleich mit Scottie Scheffler Siebter, fünf Schläge hinter dem Überraschungssieger JJ Spaun. Ein 34-jähriger Journey-Man mit One-Hit-Wonder-Potential, der die Golf-Woche seines Lebens erlebte. „Ich habe Träume und Ambitionen, aber ich habe nie gewusst, wie gut ich wirklich Golf spielen kann“, gestand der Sieger später, „ich habe vieles in meiner Karriere durchlebt und bin standhaft geblieben, darauf bin ich stolz. Mein Ziel war es immer, der beste Golfer zu sein, der ich sein kann.“ Im Oakmont Country Club war er der Beste. Weil er einfach spielte: Schlag für Schlag, Loch für Loch. Während andere zusehends verzweifelter ihren hochgesteckten Zielen hinterherhechelten und schließlich im gnadenlos Rough von Oakmont stecken blieben. Es wurde gepöbelt (Brooks Koepka), Schläger geschmissen (McIlroy) und schließlich sogar noch zwei Locker-Türen von Wyndham Clarke demoliert. Der U.S. Open-Sieger von 2023 wurde mittlerweile vom Club mit einem Hausverbot auf unbestimmte Zeit sanktioniert. Wenn die U.S. Open 2031 nach Oakmont zurückkehren, wird Clarke nach aktuellen Stand TV-Zuschauer sein. Im Oakmont CC siegte Charakter über Talent. Selbst von fünf Bogeys auf den ersten sechs Löchern der Finalrunde ließ Spaun sich nicht aus der Bahn werfen. Nach einer 90-minütigen Unwetterunterbrechung kam Spaun besser zurück als andere. Ein spätes Birdie auf der 17 brachte ihn in Führung, mit einem Par auf der 18 würde er ein Stechen mit dem im Clubhaus wartenden Robert MacIntyre vermeiden. Es kam noch viel besser: Mit einem gelochten 22 Meter-Putt zum Birdie riss Spaun das Publikum von den Sitzen und hievte sich selbst mit einem Gesamtscore von eins unter Par in ungeahnte Golfspären: „Ein Traum-Szenario – und das am Vatertag mit meinen zwei Kindern am Grünrand.“ Ja, wahrscheinlich kaum noch zu toppen.
The Open: Play-off Rory McIlroy vs. Robert MacIntyre
Masters-Triumphator Rory McIlroy (Foto: Getty Images)
Nun ja, tatsächlich waren der umjubelte Lokalmatador McIlroy und der junge Schotte MacIntyre nach vier Runden in Royal Portrush schlaggleich: 10 unter Par nach 72 Löchern. Ein durchaus auch realistischer und akzeptabler Open Championship Siegerscore möchte man meinen. Aber nein, nicht wenn am Wochenende an der nordirischen Küste die Sonne rauskommt und der Weltranglisten-Erste Scottie Scheffler Schefflersachen macht. Der aktuelle PGA Champion von Quail Hollow kam am Donnerstag noch etwas nervös, wackelig aus der ersten Teebox (Fairway verfehlt), um in der Folge aber sukzessiv seine 155 Konkurrenten in Grund und Boden zu spielen. Bestes Beispiel der Auftakt der Finalrunde, in die Scheffler mit vier Schlägen Vorsprung auf Überraschungs-Chinesen Haotong Li ging. Als 45.000 Fans vor Ort und Millionen vor den TV-Geräten noch auf Spannung und eine Aufholjagd von McIlroy und/oder Matt Fitzpatrick hofften, machte Scheffler den Deckel drauf. Drei Birdies auf den ersten vier Löchern, sieben Schläge Vorsprung. Selbst ein Doppelbogey auf der 8, als Scheffler im Wissen einer komfortablen Führung mit einem riskanten Fairwaybunkerschlag scheiterte, konnte daran nichts ändern.
Die pure Dominanz
Erste Claret Jug für Scottie & Bennett Scheffler (Foto: Getty Images)
Scottie Scheffler sicherte sich den Titel „Champion Golfer of the Year“ mit einer Leistung, die statistisch so gar keine Schwächen aufwies: -6 auf den Par 3s, -6 auf den Par 4s, -5 auf den Par 5s – und damit -17. Überragend dabei sein Spiel ins Grün: Mit +9,07 Strokes Gained im Bereich „Approach“ (Annäherungsschläge) spielte er fast neun Schläge besser als der Durchschnitt des Feldes. Und im Gegensatz zur Vorwoche bei den Scottish Open (Scheffler wurde 8.) funktionierte auch der Putter stabil über vier Tage. Mit +8,52 Strokes Gained in „Putting“ ließ er das Feld auch auf dem Grün weit hinter sich. 83?% aller Putts aus Entfernungen bis sechs Meter fielen. Besonders beeindruckend: 48 von 49 Putts aus weniger als 1,50?Metern versenkte er. Zahlen, die stark an die Ära Wood erinnern. Seit Scotties ersten Major-Sieg beim US Masters 2022 sind genau 1.197 Tage vergangen. Exakt dieselbe Zeitspanne, die auch Tiger Woods für seine ersten vierten Majors (1997-2000) benötigte. Und auch in puncto Homerun ist Scottie auf Tigers Spuren: Zehn Mal trat er bislang mit einer alleinigen 54-Loch-Führung zur Schlussrunde an – zehn Mal gewann er. Bis zu Tigers Bestmarke (37) ist es allerdings noch ein gutes Stück. Was Scheffler in den vergangenen beiden Jahren abgeliefert hat, ist Dominanz pur. Seit Beginn der Saison 2022 hat er an 16 Major-Turnieren teilgenommen. Davon gewann er vier, landete zwölfmal in den Top Ten und verpasste nur ein einziges Mal den Cut. Von 62 Major-Runden spielte er 29 unter 70 Schlägen und war insgesamt 182 Schläge besser als der Turnierdurchschnitt. Seine Einnahmen bei den Majors belaufen sich auf über 20,6 Millionen Dollar, insgesamt auf knapp über 90 Millionen Dollar
Die Familie ist wichtiger als jeder Sieg
Einzelsportler akzeptieren nur äußerst ungern und sehr selten die Dominanz eines Konkurrenten. In Portrush allerdings erklärten gleich mehrere Weltklasse-Spieler Scottie Scheffler zum Maß aller Dinge – sicherlich auch um eigene Defizite zu kaschieren: „Scottie ist die Messlatte, an der wir uns alle orientieren müssen“, erklärte etwa Rory McIlroy, „ich habe auch schon drei Turniere dieses Jahr gewonnen aber historisch gesehen gibt es vielleicht nur zwei oder drei Spieler in der Geschichte des Spiels, die einen solchen Lauf hatten wie Scottie in den letzten 24 bis 36 Monaten.“ Und auch der Open-Sieger von 2024, Xander Schauffele, fand klare Worte: „Ich glaube nicht, dass wir erwartet haben, so schnell nach Tiger wieder so eine Dominanz zu erleben – aber Scottie übernimmt gerade genau diese Rolle.“ Fehlt noch der U.S. Open-Titel für den Karriere-Grand Slam. Nächste Chance am Sonntag, den 21. Juni 2026 im Shinnecock Hills GC – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag. Sollte er auch diesen Meilenstein erreichen, wäre er der jüngste Karriere-Slam-Gewinner seit Tiger Woods. Die Fans würden durchdrehen, die Konkurrenz nur noch staunen oder gar kapitulieren. Scheffler selbst würde aber wohl auch diesen Sieg so nüchtern und sachlich einordnen, wie den im Rory-County Portrush und alle anderen zuvor. Siege sind für ihn die Bestätigung seiner kontinuierlichen Arbeit. Aber mit Sicherheit nicht die Erfüllung als Person und Familienmensch. „Ich genieße es, Golf zu spielen. Und ich will ein guter, ja, sehr guter Golfer sein. Aber noch viel mehr will ich ein noch besserer Ehemann und Vater sein“, erklärte Scheffler in Nordirland „seine“ Welt und Sicht auf die Dinge. Und spätestens hier können wir mit den Quervergleichen zu Tiger Woods aufhören.
Leaderboard der Spieler, die alle 16 Runden in den 4 Majors 2025 absolviert haben:
| 1. | Scottie Scheffler | -32 |
|---|---|---|
| 2. | Rory McIlroy | -11 |
| 3. | Xander Schauffle | -10 |
| 4. | Jon Rahm | -6 |
| 5. | Harris English | -5 |
| 6. | Matt Fitzpatrick | -1 |
| 7. | Tyrell Hatton | -1 |
| 8. | JJ Spaun | +1 |
| 9. | Viktor Hovland | +3 |
| 10. | Aaron Rai | +3 |
| 11. | Maverick McNealy | +5 |
| 12. | Sam Burns | +6 |
| 13. | Daniel Berger | +7 |
| 14. | Rasmus Hoojgaard | +14 |
| 15. | Brian Harman | +17 |
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