
Nach fünf Jahren steht LIV Golf vor dem endgültigen Aus. Die von Saudi-Arabien finanzierte Golfliga hat die geplante Neuaufstellung aufgegeben und bereitet ihre Abwicklung vor. Eine Vereinbarung mit dem Finanzinvestor BC Partners Credit über bis zu 300 Millionen US-Dollar kam nicht zustande. Damit endet eines der teuersten Projekte in der Geschichte des professionellen Golfsports.
Was sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet hatte, ist seit dem 5. November 2026 offiziell: LIV Golf wird seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Bei einer Anhörung vor dem Insolvenzgericht im US-Bundesstaat New Jersey erklärten die Anwälte der Liga, dass die geplante Fortsetzung unter dem Namen LIV 2.0 nicht mehr verfolgt werde. Stattdessen soll das Unternehmen geordnet abgewickelt und sein verbliebenes Vermögen verwertet werden.
Kurz darauf bestätigte LIV Golf die Entscheidung in einer eigenen Mitteilung. Die Verhandlungen mit BC Partners Credit hätten trotz intensiver Bemühungen zu keiner Einigung über die noch offenen Bedingungen geführt. Die im September geschlossene Restrukturierungsvereinbarung wurde deshalb beendet.
Finanzierung von LIV Golf endgültig gescheitert
LIV Golf hatte im September 2026 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts beantragt. Zuvor hatte der saudische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) angekündigt, seine Finanzierung nach der Saison 2026 einzustellen. Seit dem Start der Liga im Jahr 2022 hatte der PIF nach übereinstimmenden Medienberichten mehr als fünf Milliarden US-Dollar in das Projekt investiert. Mit hohen Antrittsgeldern, garantierten Spielerverträgen und außergewöhnlichen Preisgeldern wollte LIV Golf eine wirtschaftlich tragfähige Alternative zur PGA Tour etablieren.
Nach dem Rückzug des saudischen Geldgebers sollte BC Partners Credit den Neustart ermöglichen. Der Finanzinvestor war bereit, im Rahmen einer umfassenden Neuordnung bis zu 300 Millionen Dollar bereitzustellen. Geplant war eine neue Eigentümerstruktur, an der auch die Spieler beteiligt werden sollten. Eine entscheidende Voraussetzung war jedoch die verbindliche Zusage einer ausreichenden Anzahl von Profis. Genau daran scheiterte das Vorhaben offenbar. Mehrere prominente Spieler hatten bereits angekündigt, ihre Zukunft außerhalb von LIV Golf zu planen. Nach Medienberichten gelang es letztlich nicht, genügend Spieler für das neue Modell zu gewinnen.
Die Liga selbst nennt in ihrer offiziellen Erklärung keine konkreten Spielerzahlen. Sie bestätigt lediglich, dass sich die beteiligten Parteien über wesentliche Vertragsbedingungen nicht einigen konnten.
Insolvenzverfahren geht in die Abwicklung
Mit der Entscheidung vom 5. November wechselt das Verfahren seine Richtung. Die ursprünglich angestrebte Sanierung wird aufgegeben. Stattdessen sollen die verbliebenen Vermögenswerte verwertet und die Ansprüche der Gläubiger im Rahmen des Insolvenzverfahrens behandelt werden. Nach den bisherigen Planungen soll die Abwicklung am 9. November beginnen. Über den endgültigen Abwicklungsplan muss das Insolvenzgericht allerdings noch entscheiden. Weitere Anhörungen sind für November vorgesehen.
Für die betroffenen Sponsoren, Geschäftspartner und Dienstleister beginnt damit eine Phase rechtlicher und wirtschaftlicher Unsicherheit. Welche Forderungen noch offen sind und in welchem Umfang diese erfüllt werden können, hängt vom weiteren Verfahren ab. LIV Golf hält sich ausdrücklich die Möglichkeit offen, während der Abwicklung alternative Angebote von Dritten zu prüfen. Ein konkreter neuer Investor oder ein tragfähiger Plan für die Fortsetzung des Spielbetriebs ist derzeit allerdings nicht bekannt.
Was passiert mit den ehemaligen LIV-Spielern?
Besonders weitreichende Folgen hat die Entscheidung für die Spieler. LIV Golf hatte seit 2022 zahlreiche etablierte Profis verpflichtet, darunter Jon Rahm, Brooks Koepka, Bryson DeChambeau, Dustin Johnson und Sergio García. Ein Teil der Spieler hatte sich bereits vor der endgültigen Entscheidung von LIV Golf verabschiedet oder Möglichkeiten für eine Rückkehr auf die traditionellen Touren geprüft. Für die DP World Tour könnte sich daraus eine neue Situation ergeben. Ehemalige LIV-Profis können sich bis zum 16. November um eine Mitgliedschaft für die Saison 2027 bewerben. Allerdings gelten weiterhin die Regularien der Tour, einschließlich möglicher Sanktionen aus der Vergangenheit.
Auch für die PGA Tour ist die Rückkehr ehemaliger LIV-Spieler nicht automatisch möglich. Dort gelten weiterhin eigene Zulassungs- und Sperrregelungen. Die DP World Tour könnte durch die Rückkehr international bekannter Spieler sportlich und wirtschaftlich profitieren. Gleichzeitig dürfte die Frage, unter welchen Bedingungen ehemalige LIV-Profis wieder aufgenommen werden, für Diskussionen sorgen.
Welche Folgen hat das Ende für den Golfsport?
Mit LIV Golf verschwindet ein Wettbewerber, der die wirtschaftlichen Verhältnisse im professionellen Golfsport erheblich verändert hatte. Die etablierten Touren reagierten in den vergangenen Jahren unter anderem mit höheren Preisgeldern, neuen Turnierformaten und einer stärkeren Konzentration auf besonders attraktive Veranstaltungen. LIV Golf wiederum hatte das Mannschaftsformat, internationale Turnierstandorte und garantierte Spielerverträge zu zentralen Bestandteilen seines Geschäftsmodells gemacht. In fünf Jahren fanden 62 Turniere auf verschiedenen Kontinenten statt.
Ob einzelne Elemente dieses Modells künftig von anderen Veranstaltern übernommen werden, bleibt abzuwarten. Auch die wirtschaftlichen Folgen für frühere Austragungsorte, Sponsoren und Medienpartner lassen sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Fest steht dagegen, dass der Versuch, mit milliardenschwerer Unterstützung eine dauerhaft konkurrierende internationale Golfliga aufzubauen, gescheitert ist. Für PGA Tour und DP World Tour entsteht damit die Möglichkeit, die internationale Turnierlandschaft neu zu ordnen. Zunächst müssen jedoch die verbliebenen rechtlichen und finanziellen Fragen geklärt werden. Der nächste Schritt ist die gerichtliche Abwicklung von LIV Golf.
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