
Golfreise mit 470 PS: Warum dieser Cayenne Lust auf lange Strecken macht: Drei Journalisten, drei Golfbags, drei Trolleys und reichlich Gepäck: Auf dem Weg von Hamburg nach Kitzbühel zeigt der Porsche Cayenne E-Hybrid, dass Sportlichkeit und Platz keine Gegensätze sein müssen.
Porsche Cayenne E-Hybrid im Fahrbericht
Für eine Geschäftsreise von Hamburg nach Kitzbühel kann man fliegen, am Gepäckband auf die Golfbags warten und sich anschließend einen Mietwagen nehmen. Man kann Bahn fahren und hoffen, dass drei Trolleys, drei Koffer und die Laune aller Beteiligten gleichzeitig ankommen. Oder man fährt.

Für unsere Reise stand ein Porsche Cayenne E-Hybrid bereit. Drei Journalisten von GOLF’N’STYLE, mehrere Tage in Österreich und die Ausrüstung für drei Runden Golf: Viel besser ließ sich kaum prüfen, ob ein großes SUV tatsächlich als Reisewagen taugt.
Schon beim Beladen zeigte sich, dass der Cayenne seine Größe sinnvoll nutzt. Drei Golfbags, drei Trolleys, Koffer und Rucksäcke passten ins Heck und auf einen umgeklappten Rücksitz. Nicht mit verschwenderisch viel Luft dazwischen, aber ohne Gepäck-Tetris auf dem Hotelparkplatz. Vor allem konnte der dritte Mitfahrer hinten bequem sitzen, statt die Fahrt zwischen Taschen und Schlägerhauben zu verbringen.
Großes Auto, erstaunlich wenig Unruhe
Auf der Autobahn offenbarte der Cayenne seine größte Stärke. Gerade große SUVs wirken bei höherem Tempo gern etwas nervös oder erinnern bei Seitenwind daran, wie viel Auto gerade bewegt wird. Der Porsche blieb dagegen satt auf der Straße. Kein Wackeln, kein ständiges Nachkorrigieren, kaum Unruhe, bei einer Böe von der Seite. Adaptive Luftfederung, Porsche Dynamic Chassis Control und Hinterachslenkung halfen dabei, die fast fünf Meter Länge erstaunlich gut zu kaschieren.
Leistung ist ohnehin reichlich vorhanden. Ein Dreiliter-V6-Turbobenziner arbeitet mit einer Elektromaschine zusammen. Das ergibt 470 PS und 650 Newtonmeter. In 4,9 Sekunden geht es auf 100 km/h, bei 254 km/h ist Schluss. Auf der Reise war aber der Durchzug wichtiger als der Sprintwert. Überholvorgänge gelangen ohne lange Vorbereitung. Selbst im Verbrennermodus blieb es dabei innen angenehm ruhig. Wer will, kann theoretisch über die Sportabgasanlage aber auch den Sechszylinder zum Singen bringen.
Ein Hybrid, der geladen werden möchte
Für unser Fahrzeug nennt Porsche eine elektrische WLTP-Reichweite von 80 Kilometern. Im Alltag fiel sie etwas geringer aus. Auf der Langstrecke übernahm häufiger der Benziner, in Hamburg, am Hotel und auf kurzen Fahrten am Ziel spielte der Elektroantrieb seine Stärken aus. Der Wechsel zwischen beiden Antrieben geschah nahezu unauffällig.

Wie jeder Plug-in-Hybrid funktioniert auch der Cayenne am besten, wenn er regelmäßig geladen wird. Bei entladener Batterie nennt Porsche für unsere Konfiguration 10,3 Liter je 100 Kilometer. Ein schlechter Wert ist das angesichts von Gewicht und Leistung nicht. Ein Sparmodell wird aus dem SUV dadurch trotzdem nicht.
Hochwertig, aber nicht jedes Extra ist nötig
Auch die adaptiven Sportsitze waren auf der langen Strecke bequem. Lenkrad, Schalter und Bedienelemente fühlten sich hochwertig an, die wichtigsten Funktionen waren logisch erreichbar. Die zweifarbige Glattlederausstattung wirkte edel, dürfte aber nicht jeden Geschmack treffen. Der Innenraum insgesamt war schon besonders – aber auch nicht ganz günstig.

Nicht alles davon braucht man logischerweise. Das Beifahrerdisplay ist nett, verändert eine Reise aber nicht wirklich. Deutlich praktischer ist das Kamerasystem. Surround View liefert ein scharfes Bild der Umgebung und wird bei knapp fünf Metern Länge schnell zum Lieblingshelfer. Denn während der Cayenne seine Größe auf der Autobahn geschickt verbirgt, gelingt ihm das auf kleinen Hotelparkplätzen oder Golfanlagen weniger. Mit Außenspiegeln ist er fast 2,20 Meter breit. Hinterachslenkung und Kameras nehmen dem Rangieren viel Stress, aus einem großen Auto machen sie aber kein kleines.
Fazit: Der Wagen hat seinen Preis, macht aber mehr Spaß als Fliegen
Der Grundpreis unseres Modells beträgt 115.900 Euro. Mit den vielen Extras kam der E-Hybrid auf 166.997,41 Euro. Das ist viel Geld und zeigt, wie schnell ein ohnehin teures Auto im Konfigurator in die nächste Preisregion fährt. Manche Manufaktur-Details erfreuen das Auge, andere wiederum erhöhen Fahrkomfort und Sicherheit: Die Ceramic Brake fühlt sich toll und sicher an, das PDCC lässt den SUV ruhiger werden und die umfangreichen Assistenzsysteme unterstützen bei der Fahrt.

Nach der Reise von Hamburg nach Kitzbühel und zurück blieb dennoch vor allem eine Erkenntnis: Der Cayenne E-Hybrid macht eine lange Autofahrt nicht kurz, aber deutlich angenehmer. Er bietet genügend Platz für drei Golfer samt Ausrüstung, fährt bei hohem Tempo souverän und bleibt auch nach vielen Stunden komfortabel. Damit hat er einigen anderen SUVs bekannter Hersteller einiges voraus. Nur wenige Autos verbinden Reisetauglichkeit, hochwertige Verarbeitung und Fahrfreude so überzeugend. Der E-Antrieb ist dabei vor allem praktisch für kurze Distanzen.
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