
Mit der nahezu sicheren Qualifikation für die Olympischen Spiele schließt Stephan Jäger auch eine Kulturlücke: er war noch niemals ins Paris. Um die weiteren deutschen Startplätze gibt es bis in den Juni hinein noch einen heißen Konkurrenzkampf bei Damen und Herren.
Erstmals in Paris
Als Stephan Jäger nach seinem überragenden PGA Tour-Sieg bei der Texas Childrens`s Houston Open nach seinen Olympia-Plänen gefragt wurde, textete er unfreiwillig einen alten Udo Jürgens-Schlager um: „Ich war noch niemals in Paris“, so der in Amerika lebende Münchner, „und wir freuen uns riesig im Sommer dorthin als Familie reisen zu können.“ Von der US-Residenz Chattanooga in Tennessee wird es mit Kind und Kegel selbstverständlich auch nicht trällernd „mit dem Taxi nach Paris“ (1984, Felix de Luxe) gehen, aber die Business-Tickets zum Zielflughafen Charles de Gaulle können schon mal gebucht werden. Seit dem ersten Toursieg in Houston hat Familie Jäger Planungssicherheit: Olympia gebucht, PGA-Tourkarte bzw. automatische Spielberechtigung bis einschließlich 2026 save. „Fühlt sich gut an, für nahezu alle großen Turniere startberechtigt zu sein“, so Jäger, „und bei Olympia für Deutschland zu spielen ist schon einmalig. Den Platz Golf National habe ich noch nie gespielt, kenne ihn aber immerhin vom Ryder Cup 2018 als TV-Zuschauer. Wenn es die Zeit erlaubt, möchten wir auch unbedingt etwas von der Stadt sehen, andere Wettkämpfe besuchen und einmal das Olympische Dorf besuchen.“ Da die Jägers mit dem kleinen Sohn Fritz (1) anreisen, ziehen sie den Hotelaufenthalt vor. Kann bzw. sollte bald gebucht werden.
Der Kampf um die Punkte
Davon sind die anderen deutschen Golf-Asse noch ein gutes Stück bzw. noch ein paar gute Ergebnisse entfernt. Um den zweiten Startplatz bei den Herren und die beiden Plätze im Damenfeld tobt aktuell nämlich noch ein heißer Konkurrenzkampf. Womit erstmal die Frage geklärt werden muss, wie der Qualifikationsweg nach Paris für die Golfer aussieht? Die Plätze für Paris 2024 werden nach dem OGR (Olympic Golf Ranking) am Stichtag 17. Juni 2024 für Herren und am 24. Juni 2024 für die Damen vergeben. Für die OGR gelten offiziell eine Reihe von Profitourturnieren (LIV Tour ausgenommen) für Herren und Damen. Die Punkte werden den Athleten auf Grundlage ihrer Endplatzierung bei den einzelnen Turnieren zuerkannt, wobei die Leistungen bei Turnieren mit stärkeren Feldern mehr Punkte bringen, und zwar gemäß einem vom Internationalen Golfverband (IGF) genehmigten Punkteverteilungsplan (ähnlich Weltrangliste).
Höhere Mathematik
Die Ranglistenpunkte für jeden Spieler werden über einen durchgehenden Zeitraum von zwei Jahren gesammelt, wobei die in der ersten 13-Wochen-Periode vergebenen Punkte mit 100% ihres ursprünglichen Wertes gewichtet werden. Nach der anfänglichen 13-Wochen-Periode werden die Punkte für jede der nächsten 91 Wochen um 1,1% abgewertet, bis die Ergebnisse nicht mehr berücksichtigt werden. Die Berechnung der Durchschnittspunkte ist einfach: Man teilt die Gesamtzahl der Ranglistenpunkte, die der Sportler erreicht hat, durch die Anzahl der Turniere, an denen er in diesem Zeitraum teilgenommen hat. Für die OGR der Damen gilt ein Mindestdivisor von 35 Turnieren über einen Zeitraum von zwei Jahren, während für die OGR der Herren ein Mindestdivisor von 40 Turnieren und ein Höchstdivisor von 52 Turnieren über einen durchgehenden Zeitraum von zwei Jahren gilt. Die 15 besten Athleten der OGR werden namentlich ausgewählt und erhalten ihren Quotenplatz für die Olympischen Spiele, wobei maximal vier Athleten pro NOK zugelassen sind. Anschließend werden die Athleten ab Platz 16 der OGR namentlich ausgewählt und erhalten ihre Quotenplätze, wobei maximal zwei Athleten pro NOK, einschließlich der Athleten unter den ersten 15, berücksichtigt werden, bis die Zahl von 60 Athleten (59 + 1 fixer Startplatz für das Gastgeberland) erreicht ist.
Le Golf National
Wer Darf noch nach Paris?
Stephan Jäger hat sein Ticket in der Tasche, um das Zweite wird es aber vermutlich bis zum Nominierungsstichtag ein enges Rennen. Die Protagonisten: Yannik Paul und Matti Schmid, die bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe auf der Weltrangliste als 123. und 125. gerade einmal zwei Plätze auseinander lagen. Ähnlich eng geht es bei den deutschen Frauen zu. Alexandra Försterling und Esther Henseleit lagen zuletzt als 70. und 81. der Weltrangliste im „Race to Paris“ vorne. Olivia Cowen ist ihnen als 93. aber dicht auf den Fersen. Außenseiter-Chancen hat noch Chiara Noja als 153., die zuletzt geplagt von Rückenproblemen aber eine Ergebniskrise hatte. Krass ist die Situation bei den US-Herren: der frischgebackene Masters-Champion Scottie Scheffler (Nr. 1), Wyndham Clarke (Nr. 4) und Xander Schauffele (Nr. 5) sind durch, um den vierten und letzten Platz aber wird es in den nächsten Wochen noch ein Hauen und Stechen Platz geben zwischen Patrick Cantlay (7), Max Homa (9), Brian Harmon (10), Collin Morikawa (13) und Cameron Young (14). Die Golfwettbewerb in Paris 2024 finden vom 1.- 4. August (Herren) und 7. – 10. August (Damen) auf dem Platz Golf National in Saint-Quentin-en-Yvelines, 41km vom Olympischen Dorf entfernt, statt. 2020 in Tokio siegten Xander Schauffele und Nelly Korda (beide USA).
Fotos: AdobeStock / Markus Mainka; Imago / James Marsh / xJorgexLemusx; GettyImages / Christian Petersen; Pixabay / Kito32
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