
Nach rund zehn Monaten Insolvenzverfahren ist die Zukunft des Golfclubs Schloss Weitenburg geklärt. Nachdem die Suche nach einem externen Investor ohne Abschluss blieb, übernehmen Mitglieder die 27-Loch-Anlage bei Tübingen selbst. Der Spielbetrieb läuft weiter, alle Arbeitsplätze bleiben erhalten.
Für den Golfclub Schloss Weitenburg in Starzach bei Tübingen ist eine Fortführungslösung gefunden. Nicht ein externer Investor oder eine Betreibergesellschaft übernimmt die Anlage, sondern Mitglieder des Clubs.
Dafür wurden die Golfclub Schloss Weitenburg Betriebs GmbH i.G. und der Golfclub Weitenburg 1984 e.V. gegründet. Beide übernehmen sämtliche Assets sowie die Anteile an der „Golfanlage unter der Weitenburg UG“. Das teilte Insolvenzverwalter Steffen Beck von PLUTA am 25. September mit.
Über den Kaufpreis und die Finanzierung der Übernahme wurden bislang keine Angaben gemacht.
Liquiditätsprobleme führten in die Insolvenz
Die Golfclub Schloss Weitenburg AG hatte im November 2025 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Tübingen ordnete zunächst die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Am 1. Februar 2026 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.
Der Spielbetrieb wurde während des gesamten Verfahrens fortgeführt. Gleichzeitig suchte Insolvenzverwalter Beck nach einer langfristigen Lösung für die Anlage.
Dabei wurden Gespräche mit mehreren potenziellen Erwerbern geführt. Einige Verhandlungen waren nach Angaben von PLUTA bereits weit fortgeschritten, zu einer Einigung kam es jedoch nicht.
Schließlich entwickelten Mitglieder des Golfclubs selbst eine Alternative.
Mitglieder gründen neue Betriebsgesellschaft
Mit der neuen Betriebs-GmbH und dem Verein entsteht eine neue Struktur für den Golfclub. Geschäftsführer der Golfclub Schloss Weitenburg Betriebs GmbH i.G. wird Joachim Kern.
Alle Mitarbeiter sollen übernommen werden. Auch für Mitglieder und Gäste soll sich zunächst wenig ändern: Der Golfbetrieb wird ohne Unterbrechung fortgesetzt.
Offen bleibt, wie die neue Gesellschaft finanziert wird. Weder die Höhe des von Mitgliedern eingebrachten Kapitals noch mögliche Veränderungen bei Mitgliedsbeiträgen oder Umlagen wurden bislang veröffentlicht.
Mehr als ein Club: 27 Löcher und eine große Infrastruktur
Der Golfclub Schloss Weitenburg wurde 1984 gegründet und liegt in Starzach-Sulzau im Landkreis Tübingen. Die Anlage verfügt über 27 Löcher und ermöglicht unterschiedliche Kombinationen für 9- und 18-Loch-Runden sowie Turniere.
Damit geht es bei der Rettung nicht nur um den Fortbestand eines Vereins, sondern um den dauerhaften Betrieb einer vergleichsweise großen Golfanlage mit entsprechendem Personal-, Pflege- und Investitionsbedarf.
Genau das macht die Lösung auch über die Region hinaus interessant.
Ein interessantes Modell für andere Golfanlagen?
Viele deutsche Golfanlagen stehen vor der Frage, wie notwendige Investitionen langfristig finanziert werden können. Gleichzeitig lassen sich höhere Kosten für Platzpflege, Personal, Maschinen oder Bewässerung nicht unbegrenzt über Mitgliedsbeiträge und Greenfees auffangen.
In Weitenburg kommt nun ein Modell zum Einsatz, das Verein und Betriebsgesellschaft miteinander verbindet. Die Mitglieder sichern damit nicht nur den Fortbestand ihres Clubs, sondern übernehmen auch wirtschaftliche Verantwortung für die Anlage.
Ob dieses Modell langfristig funktioniert, wird vor allem davon abhängen, ob genügend Kapital für den laufenden Betrieb und notwendige Investitionen zur Verfügung steht.
Für den Moment steht jedoch fest: Der Golfclub Schloss Weitenburg bleibt erhalten, alle Mitarbeiter werden übernommen und der Spielbetrieb läuft weiter.
Nach einer monatelangen Suche nach einem externen Käufer haben damit am Ende die Mitglieder selbst die Zukunft ihrer Golfanlage in die Hand genommen.
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