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golf martin kaymer
MARTIN KAYMER IM GESPRÄCH
"Der Grund, warum ich
zu LIV ging..."
Im Interview mit GOLF'N'STYLE spricht der
zweifache Major-Sieger über den Saisonend-
spurt bei LIV Golf, seine Rolle als Teamkapitän
der Cleeks, strukturelle Veränderungen im
Profigolf – und warum der Sport mehr Charak-
tere wie Marcel Siem braucht.
Martin, für dich geht es bei LIV Golf im Au-
gust jetzt in die heiße Phase. Die letzten
Turniere der Saison stehen an. Worum
geht es noch?
Die nächsten Wochen werden interessant,
gerade für mein Team. Einer unserer Spieler
ist in der Drop-Zone. Er braucht also zwei
wirklich gute Wochen, um noch in die Top-48
zu kommen. Sonst ist er raus aus der Liga.
Man merkt, dass der Druck aufkommt und die
Ungewissheit, wer geht und wer neu dazu-
kommt. Ich persönlich freue mich auf die Tur-
niere in den USA, weil ich mich in diesem Jahr
zurückgekämpft habe und in guter Form bin.
Kann ein Captain eines LIV-Teams, wie du
es bist oder ein Ian Poulter, der auch in
der Drop-Zone festhängt, auch aus der
Tour rausfliegen?
Am Anfang noch nicht. Da wir ja einen Ver-
trag unterschrieben haben, konnte man sich
da irgendwie durchwurschteln. Aber als Bub-
ba Watson als Captain im vergangenen Jahr
53. geworden ist und dieses Jahr trotzdem
wieder gespielt hat, haben wir Spieler und die
Liga gesagt: Wenn wir ernst genommen wer-
den wollen, müssen wir uns an bestimmte Re-
geln halten. Jetzt fliegt also jeder, der nicht
mindestens 48. im Ranking ist, raus – auch
Captains. Und wenn du das nicht schaffst,
dann solltest du hier auch nicht mehr spielen.
Du bist jetzt seit knapp drei Jahren bei LIV
Golf unterwegs, hast dadurch auch mehr
Zeit für deine Frau und deinen Sohn. Wie
fällt dein Zwischenfazit aus? Bist du
glücklich mit dem Schritt?
Viele nennen immer die Zeit für die Familie als Grund für den Wechsel und natür-
lich ist das ein positiver Effekt. Aber bei mir war es so, ich wollte einfach nicht in
den USA leben. Ich habe es über Jahre versucht, war aber nie wirklich glücklich.
Um professionell auf der PGA Tour zu spielen, musst du aber in Amerika leben.
Bei der DP World Tour hat man damals leider schon gesehen, wo die Entwick-
lung hingeht, was die Turniere, die Weltranglistenpunkte angeht und wie die
Sponsoren sich umorientierten. Das hat mich extrem traurig gemacht. Da ha-
ben die Egos der CEOs und CFOs und wie sie alle heißen, dem großen Gan-
zen glaube ich im Wege gestanden. Und dann kam LIV und damit für mich
eine tolle Möglichkeit, etwas Neues zu starten. Natürlich spielt das Finan-
zielle immer eine Rolle, das war sicher auch attraktiv. Dann aber auch spie-
lender Kapitän eines Teams sein zu dürfen und schon währenddessen da-
ran arbeiten zu können, was nach meiner Karriere passiert, wenn man sein
eigenes Team hat, fand ich total cool. Es war auf jeden Fall die richtige
Entscheidung.
Du planst also schon die Karriere nach der Karriere?
In den vergangenen zwei Jahren habe ich gemerkt, dass man das auto-
matisch macht. Man unterschreibt Verträge über zwei, drei oder fünf Jah-
re und irgendwann laufen diese Verträge aus. Eines Tages werde ich
auch nicht mehr so gut spielen, dass ich dem Team helfen würde. Dann
bin ich der Erste, der sagt, ich bin raus. Aber ich würde mich trotzdem
gerne weiter im Team einbringen.
Das heißt, du siehst deine Spielerkarriere schon vor einer Champions-
Tour enden?
Das ist eine Frage der Leidenschaft und der Motivation. Die Leiden-
schaft wird immer da sein, weil ich die Sportart einfach liebe. Bei der
Motivation sieht es so aus: Ich bin jemand, der gerne gutes Golf
spielt und weiß, was er kann. Aber wenn irgendwann der Leistungs-
abfall da ist und es so viel Arbeit ist, mithalten zu können, dass
andere Dinge darunter zu sehr leiden, sehe ich den Grund nicht
mehr. Aktuell ist meine Motivation aber sehr hoch, weil alles
passt: mein Sport, meine Familie, meine Gesundheit. Nur wenn
ich irgendwann mit 45 oder 48 Jahren fühle, dass ich mich auf-
raffen muss und nicht mehr mithalten kann, dann habe ich da
keinen Bock mehr drauf.
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