Page 21 - GnS_4-25
P. 21

Fotos: Gettyimages
INTERVIEW
Wir haben bei den BMW International Open in München, wo du und Marcel
Siem einen Tadel bekamen, weil ihr ein Hemd ohne Kragen und die Cap
rückwärts getragen habt, auch über das Thema Zukunft gesprochen und
darüber, wo sich der Golfsport hinentwickeln soll. Erklär uns nochmal dei-
ne Sicht der Dinge.
Ich glaube, es geht darum, Golf an alle Menschen heranzutragen, dass jeder die
Sportart ausprobieren kann. Die Tradition und der Respekt sollten immer er-
halten bleiben, aber man kann ja mit der Entwicklung gehen. Ob wir jetzt eine
kurze Hose oder eine lange tragen oder die Kappe vorwärts oder rückwärts
aufhaben, ist doch wirklich vollkommen egal. Es geht doch um die Werte, die
einem der Sport mitgibt. Es geht darum, dass man sich respektvoll und stilvoll
verhält. Ich weiß, dass BMW in München eine Mail bekommen hat von einer
Frau, die nicht damit einverstanden war, dass Marcel die Kappe falsch her-
um trug. Ganz ehrlich: dann schalte auf einen anderen Sender und schau
dir RTL 2 an. Ich verstehe das einfach nicht. Das ist so schade. Marcel ist
ein Zuschauermagnet, bringt eine unglaubliche Energie und Stimmung mit
und macht einen super Job für die Sportart in Deutschland. Mir fehlen
mehr solche Charaktere. Niemand darf mehr anecken. Und dann wer-
den wir von Journalisten gefragt, warum es so schwer ist, Golf in
Deutschland größer zu machen. Das passt nicht zusammen.
Apropos Zukunft. Hast du Hintergrund-Infos für uns, wie es mit
dem geplanten Zusammenschluss der Touren weitergeht?
Wir hören natürlich auch nur Gerüchte. Am Ende sitzen die Bosse
zusammen. Da kann Martin Kaymer so viele Meinungen abge-
ben, wie er will, das interessiert kein Schwein. Ich glaube aber,
dass es möglich ist, dass LIV und die PGA Tour beide erfolgreich
in die Zukunft gehen – eventuell als Partner, eventuell als Riva-
len auf eine nette Art und Weise. Ich finde nur schade, dass
die DP World Tour nur so nebenbei mitläuft. Da hoffe ich,
dass die Tour realisiert, dass es eine Veränderung benötigt
und diese auch angeht. Denn Europa hat so viel zu bieten,
die Städte, die Plätze: Da ist viel Potenzial.
Du hast zu Beginn gesagt, dass ein Mitspieler in dei-
nem Team, den Cleeks, durch das Ranking womöglich
LIV Golf verlassen muss. Wenn du dir einen Spieler,
egal von welcher Tour, aussuchen könntest, wen hät-
test du gerne in deinem Team?
Wir sprechen zurzeit mit 20 bis 25 Spielern von der DP
World Tour und der PGA Tour. Es soll auf jeden Fall ein
Europäer sein. Wir sind ein europäisches Team, und
das würden wir gerne aufrechterhalten. Idealerweise
wäre es ein Spieler zwischen 24 und 30 Jahren, der
auf beiden Touren spielt und auch schon gewonnen
hat. Es gibt viele interessante Spieler: einen Viktor
Hovland, einen Ludvig Åberg, die Højgaard-Brü-
der, aber auch einen Matti Schmid. Da sind so vie-
le, die Potenzial hätten, und die man sich gut auf
der LIV Tour vorstellen könnte und auch gerne
dort sehen würde. Ob das Interesse dann da ist,
ist natürlich eine andere Frage. Aber das sind
Spieler, die in unser Profil passen. <<JAL/SH
Lebt mit seiner Familie unter
anderem auch in Spanien,
nur fünf Minuten von der
Golfanlage Valderrama entfernt
Das vollständige Interview mit
Martin Kaymer gibt es hier zu hören.
Einfach den QR-Code scannen!
21






































   19   20   21   22   23