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Entzündete Schulter

Schmerz lass nach!

Schmerzen in der Schulter zählen zu den häufigsten Golfer-Beschwerden. Wir fragten beim Orthopäden Dr. med. Thorsten Schubert nach, warum das so ist.

Golf gehört zu den sogenannten „Überkopfsportarten” und birgt damit ein erhöhtes Risiko, bei fehlerhafter Ausführung Beschwerden im Schulterbereich zu verursachen. Welche das sind und wie man diesen vorbeugen kann, erfuhren wir im Interview mit Dr. med. Thorsten Schubert vom Orthopaedicum in Hamburg.

Therapie bei Schulterschmerzen
Foto: Albina Glisic/shutterstock.com

Herr Dr. Schubert, mit welchen Schulterbeschwerden kommen Golfer am häufigsten in Ihre Praxis?

Wenn Golfer über Schulterschmerzen klagen, ist häufig die Rotatorenmanschette involviert. So bezeichnet man eine Gruppe von vier sehnigen Muskeln, die für die Stabilität und Flexibilität des Schultergelenks verantwortlich sind. Hier kann es zu schmerzhaften Sehnenanrissen/-rissen kommen oder dazu, dass die Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach eingeklemmt wird. Ein weiteres typisches Golfer-Problem ist das sogenannte „Impingement-Syndrom”. Bei diesem Syndrom wird die Supraspinatussehne, die über das Schultergelenk verläuft, unter dem Schulterdach-Knochen eingeengt. Kleine Sehnenverletzungen führen dann häufig zu einer Entzündung, die den Druck auf die eingeengte Sehne zusätzlich verstärkt. Zudem können sich Entzündungen im Bereich des Schul-tereckgelenkes und der langen Bizepssehne entwickeln.

 

Das klingt schmerzhaft! Was sind die Ursachen für diese Probleme?

Mehr als 80 Prozent der Schulterverletzungen bei Golfern sind auf Überbelastungen zurückzuführen, wie sie zum Beispiel bei einer fehlerhaften Schlagtechnik entstehen. Golflehrer predigen zwar immer wieder, dass die Arme beim Golfschwung in die Tiefe bewegt werden und parallel zueinander ausschwingen sollten, aber in der Praxis klappt das leider nicht immer. Beim Versuch, mehr Weite zu erzielen, heben einige Golfer die Arme zu hoch, andere drehen den Körper im Treffmoment nicht mit oder führen aufgrund von Muskel-Dysbalancen ungünstige Ausweichbewegungen aus. Zu feste Schläge mit einem plötzlichen Stoppen führen zu einer spontanen Überlastung der hinteren Rotatorenmanschette, allzu dünne Schläge führen zu einem Overuse der vorderen Anteile dieser Sehnenmanschette. All das kann dazu führen, dass der Raum unter dem knöchernen Schulterdach eingeengt wird, ein Impingement entsteht und es dort zu Verletzungen kommt. Weitere Faktoren, die Schulterbeschwerden begünstigen, sind bestehende Knochen- und Gelenkerkrankungen, altersbedingte Verschleißerscheinungen und verkürzte oder unzureichend trainierte Rumpf- und Schultermuskeln.

Darstellung Schulter
Foto: Alila Medical Media/shutterstock.com

Kann man vielen Beschwerden also mit gezieltem Training vorbeugen?

Ja, das kann und sollte man tun! Zum einen sollten Golfer unbedingt auf
eine saubere Schwungtechnik achten – und das betrifft nicht nur Anfänger. Auch bei erfahrenen Golfern kann sich der Golfschwung verschlechtern, wenn irgendwo im Körper Beschwerden oder Muskelungleichgewichte auftreten. Um Schmerzen zu vermeiden, werden dann teilweise Ausweichbewegungen gemacht, die wiederum an an-derer Stelle, zum Beispiel in den Schultern, Beschwerden verursachen. Wer seine Technik immer mal wieder von einem Golf-Pro begutachten lässt, kann Fehler korrigieren, bevor sie zu Problemen führen. Zum anderen ist es empfehlenswert, die Muskeln, die am Golfschwung beteiligt sind, durch gezieltes Training zu stärken.

 

Um welche Muskeln geht es dabei – und wie sollte das Training aussehen?

Wer Beschwerden vorbeugen möchte, sollte die Schultermuskulatur gezielt trainieren. Dafür bieten sich Übungen mit dem Theraband sowie mit leichten Gewichten an. Außerdem sollten Golfer ihre Bauch- und Rückenmuskulatur gleichmäßig stärken, denn diese stabilisiert den Rumpf beim Golfschwung und verhindert, dass man eine gekrümmte Haltung einnimmt. Bei Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, kann sich durch die ständig leicht vorgebeugte Haltung die Brustmuskulatur verkürzen. Zudem treten häufig Verspannungen in den Schulter- und Rückenmuskeln auf. Beides kann zur Entstehung eines Rundrückens führen, der wiederum Beschwerden wie das Impingement-Syndrom begünstigt. Dem kann man mit einem gezielten Training des Schultergürtels sowie der Brust- und Rückenmuskulatur vorbeugen.

 

Gibt es weitere sinnvolle Präventivmaßnahmen?

Ich empfehle Golfern, sich vor jeder Runde gründlich aufzuwärmen. Dehn- und Mobilisationsübungen helfen den Muskeln warm zu werden und erleichtern einen gesunden Start in die Runde. Im besten Fall lösen sich dabei eventuell vorhandene Verspannungen, die ansonsten die Haltung beim Golfschwung beeinträchtigt hätten.

 

Wenn die Schulterbeschwerden bereits eingetreten sind, wie werden diese dann behandelt?

Bei Problemen an der Rotatorenmanschette mit oder ohne Impingement-Symptomatik sind krankengymnastische Maßnahmen oder physikalische Therapien, zum Beispiel eine Elektro- oder Stoßwellentherapie sowie Ultraschall, die Mittel erster Wahl. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist es, flüssige Medikamente durch die Haut in den betroffenen Bereich zu injizieren, in Kombination mit einer medikamen-tösen Therapie mit nicht steroidalen Antirheumatika. Dadurch können Schmerzen effektiv gelindert werden. Operiert wird nur, wenn Sehnen gerissen sind, z.?B. bei einer Ruptur der Bizepssehne. Sehnenrisse heilen unter Umständen nicht selbstständig aus und müssen daher transarthroskopisch genäht werden. Im Grunde stellt jedoch die Golf-Schulter eine Domäne der nichtoperativen Therapie dar, da es sich in den meisten Fällen (mehr als 80 Prozent der Golfanfänger sind über 55 Jahre alt) um eine sportartspezifische Fehl- bzw. Overuse-Symptomatik bei einer schon vorbestehenden Degeneration einer anatomischen Struktur der Schulter handelt. Bänderrisse heilen nicht selbstständig aus und müssen daher genäht werden.

Skelett mit visualisierter Entzündung in Schulter
Foto: Sebastian Kaulitzki/123rf.com
Therapie bei Schulterschmerzen
Foto: Albina Glisic/shutterstock.com

Dr.med. Thorsten SchubertDr. med. Thorsten Schubert ist Orthopäde und Sportmediziner am Orthopaedicum in Hamburg (orthopaedicum-hamburg.de). Den Golfsport hat er vor 10 Jahren für sich entdeckt.