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Harald Fichtner

Nordic Walking – Lasst die Stöcke schwingen!

Nordic Walking? War das nicht dieses Spazierengehen mit Stöcken? Richtig – beziehungsweise, eigentlich ist es mehr als das. Wir erklären, warum es sich gerade für Golfer lohnt, Nordic Walking als Ausdauertraining zu nutzen.

Anfang des Jahrtausends, als der Nordic-Walking-Hype aus Finnland zu uns herüberschwappte, war gefühlt jeder Zweite zumindest eine Zeit lang mit zwei Stöcken draußen unterwegs. Heute sieht man die Walker nur noch selten und wenn, dann meist gruppen- oder paarweise. Welchen Nutzen die Stöcke eigentlich haben, erschließt sich bei vielen der Freizeitsportler nicht so recht – sieht es doch oft so aus, als würden diese ihre Trainingsgeräte eher neben sich her tragen. Von sportlich ambitionierten Menschen wird Nordic Walking deshalb gern als „Alte-Leute-Sport” oder „laufender Kaffeeklatsch” belächelt. Harald Fichtner vom Verband der Nordic Walking Schulen (VDNOWAS) kennt diese Klischees und entkräftet sie nur zu gern: „Wenn man Nordic Walking richtig macht, ist es ein Ausdauersport, der den ganzen Körper trainiert und die Fettverbrennung besser ankurbelt als eine halbe Stunde Joggen“, sagt er. Der drahtige Endfünfziger war nach einer Schulung beim Nordic-Walking-Erfinder Marko Kantaneva einer der ersten, die den Sport Anfang der 2000er-Jahre im DACH-Raum bekannt machten.

Nordic Walking
Foto: aufortjerome/123rf.com

Mehr als ein Spaziergang

Harald Fichtner entwickelte das erste deutschsprachige Ausbildungsprogramm für Nordic-Walking-Trainer, schrieb drei Fachbücher zum Thema und gibt selbst Nordic-Walking-Kurse. Er erklärt, dass es bei dem Sport, der aus dem Sommertraining der nordischen Skilangläufer hervorging, auf die richtige Technik ankommt: „Die Leute, die ihre Stöcke nur spazieren tragen, pendeln in der Regel nicht oder nicht richtig mit den Armen und machen auch keine langen Schritte. Sie nutzen die Möglichkeiten der Technik nicht aus und können daher auch die Vorteile des Sports nicht abrufen.” Beim Grundschritt des Nordic Walking, dem sogenannten Diagonalschritt, ist der Oberkörper leicht vorgeneigt und die Arme schwingen locker von hinten nach vorn durch. Die Stöcke werden kraftvoll in einem 45-Grad-Winkel von vorn nach hinten durchgeschoben, die Schritte sind lang und gleichmäßig. Das alles koordiniert durchzuführen, erfordert etwas Übung – am besten unter Anleitung eines Nordic-Walking-Profis, empfiehlt Harald Fichtner: „Wenn man den Einstieg auf eigene Faust versucht, nach dem Motto ’so könnte es gehen‘, gewöhnt man sich oft Technikfehler an, die sich später schwer wieder ausmerzen lassen”. Hat man die Technik aber erst einmal drauf, läuft es sich fast wie von selbst.

Gelenkschonendes Ganzkörpertraining

Harald Fichtner

Foto: Harald Fichtner

Da beim Nordic Walking, anders als beim Joggen, immer ein Bein auf dem Boden steht, werden die Knie- und Hüftgelenke weniger belastet. Somit ist der Sport auch für Menschen mit Gelenkprothesen geeignet – und laut Harald Fichtner ein idealer (Wieder-)Einstieg in ein bewegtes Leben. Gerade „Schreibtischtäter”, die vielfach unter verkürzten und verspannten Muskeln leiden, könnten vom Nordic Walking profitieren, weiß der Tirschenreuther: „Viele Menschen haben Schulter- sowie Nackenverspannungen und Kopfschmerzen, die daher kommen, dass sie stundenlang mit unbewegtem Oberkörper und hochgezogenen Schultern am Schreibtisch sitzen. Beim Nordic Walking pendeln die Arme vor und zurück, wodurch die Schultern bewegt werden. Auf diese Weise können sich Verspannungen im Hals-Nacken-Bereich lösen”. Die großen Schritte, die für das Stocklaufen charakteristisch sind, können Rückenbeschwerden und mangelnder Beweglichkeit in der Hüfte entgegenwirken: „Wer viel  sitzt, leidet oft unter einer Verkürzung des Hüftbeugers, was zu einer Fehlstellung des Beckens und dadurch zu Rückenschmerzen führen kann. Indem ich durch Nordic Walking meine Schrittlänge von 30–40 cm auf 60–70 cm erweitere, wird der Hüftbeuger trainiert und das Becken wird beweglicher”, erläutert Harald Fichtner. Einen großen Vorteil speziell für Golferinnen und Golfer sieht er in der ausgleichenden Wirkung der Lauftechnik: „Während beim Golf viele Muskelpartien einseitig belastet werden, trainiert Nordic Walking gleichmäßig den gesamten Körper. Es werden 90 Prozent aller Muskeln aktiviert und beide Körperhälften im gleichen Maße beansprucht. Auf diese Weise kann der Sport Golferinnen und Golfern helfen, eine bessere Balance zu finden”, sagt der Walking-Experte. Außerdem, so Fichtner, biete die Umgebung vieler Golfplätze ideale Bedingungen für eine Nordic-Walking-Tour in der Natur.

Tipps für den Stock-Kauf

Im Vergleich zum Golf ist der Bedarf an Ausrüstung beim Nordic Walking herrlich unkompliziert: Alles, was man braucht, sind bequeme, an die Witterungsbedingungen angepasste Funktionskleidung, gut sitzende Lauf- oder Sportschuhe und ein Paar Nordic-Walking-Stöcke. Diese sollten am besten aus Carbon gefertigt sein, weil es das leichteste und stabilste Material auf dem Markt ist. „Kaufen Sie lieber einteilige als höhenverstellbare, mehrteilige Stöcke. Die sind leichter und pendeln besser. Außerdem sind sie geräuschärmer als zwei- oder dreiteilige Stöcke, weil deren Verstellmechanik beim Laufen oft klappert”, empfiehlt Harald Fitchner. Der Preis für ein gutes Paar Stöcke liegt, je nach Material und Austattung, zwischen 40 und 120 Euro. Die Stöcke haben eine passende Länge, wenn Ober- und Unterkörper im aufrechten Stand und bei gerade ausgerichteten Stöcken einen 90-Grad-Winkel bilden.

Grafik Nordic Walking Stocklängen

Kurze Geschichte des Nordic Walking

Um auch in der schneelosen Zeit trainieren zu können, praktizieren professionelle Skilangläufer während des Sommers eine Art dynamisches Gehen mit Skistöcken. Das brachte den finnischen Sportstudenten Marko Kantaneva auf die Idee, das „Stocklaufen” als Breitensport zu adaptieren. Im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelte er 1997 einfache Übungen, die Spaß machen und die Menschen zu mehr Bewegung animieren sollten. Als der finnische Freizeitverband von Kantanevas Studien erfuhr, bat man ihn, für die Verbandszeitschrift einen Artikel über seine Arbeit zu schreiben. Für die Fotos zum Artikel stellte der Skiaurüster Exel Stöcke zur Verfügung, die Exel-Mitarbeiter Taisto Manninen zum Shooting mitbrachte. Manninen erkannte in Kantanevas Konzept die Möglichkeit, seiner Firma einen neuen Absatzmarkt zu eröffnen. Also spannte er den Studenten kurzerhand in die Entwicklung der ersten Laufstöcke für den neuen Sport „Nordic Walking” ein. Der Plan ging auf: Ab dem Frühjahr 1998 schnellten die Verkaufszahlen der Nordic Walking-Stöcke in Finnland in die Höhe, gleiches passierte kurze Zeit später in ganz Europa. In Deutschland hatte der Nordic Walking-Trend von 2003 bis 2010 seine Hochphase.

Grafik Nordic Walking Techniken
Foto: messer16/123rf.com

Pro und Contra Nordic Walking

+ sanft, aber effizient – Nordic Walking aktiviert rund 90 Prozent unserer Muskeln, verbessert die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Körpers. Ab einer Trainingsdauer von 30 Minuten wird zudem die Fettverbrennung angeregt. Richtig ausgeübt ist das Walken sehr gelenkschonend und auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eine tolle Möglichkeit, in Bewegung zu bleiben.

Auszeit in der Natur – Nordic Walking ist der ideale Sport, um eine landschaftlich reizvolle Umgebung zu erkunden und dabei den Kopf frei zu bekommen.

+ wenig Ausrüstung nötig – Wer schon ein gutes Paar Lauf- oder Wanderschuhe hat, muss nur noch ein Paar Walking-Stöcke kaufen. Das gibt es schon ab 40 Euro.

 nicht das beste Image – Um Nordic Walking praktizieren zu können, muss man nicht sehr sportlich sein. Das hat dem Walken allerdings das Image einer „Lahme-Leute-Diziplin” eingebracht. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken!  Vielleicht findet sich im Familien- oder Freundeskreis ja noch jemand, der Lust auf das Stocklaufen hat.  Beim Nordic Walking lässt sich leicht ein gemeinsames Tempo finden (meist um die 6 km/h).

Vita Harald Fichtner

Harald FichtnerDer aktive Marathon- und Skilangläufer sowie Triathlet arbeitete ab 1984 als freiberuflicher Fitnesstrainer.

2000 erhält er von der Firma Exel das Angebot, sich zum ersten Nordic-Walking-Master im deutschsprachigen Raum ausbilden zu lassen.

Nach der Ausbildung in Finnland entwickelt Fichtner ein deutschsprachiges Ausbildungsprogramm für Nordic Walking Trainer und gründet 2002 den Verband der Nordic Walking Schulen (VDNOWAS), den er noch heute leitet.

Der Verband bietet regelmäßig Seminare und Fortbildungen an. Zudem führt er ein bundesweites Verzeichnis zertifizierter Nordic Walking-Trainer unter www.vdnowas.de.

Seit 2017 betreibt Harald Fitchner das Sportstudio Fitness am See im bayerischen Tirschenreuth www.fas-fitnessamsee.de.

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