
Jon Rahm wird beim Neustart von LIV Golf nicht mehr dabei sein. Der Spanier hat die Bedingungen für das geplante „LIV 2.0“ abgelehnt. Sein Anwalt bestätigte am Mittwoch vor dem US-Insolvenzgericht, dass Rahm künftig nicht mehr an der Serie teilnehmen werde. Die formelle Trennung vom bisherigen LIV-Vertrag ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen.
Rahm lehnt die Bedingungen von LIV 2.0 ab
Die Nachricht kommt nur einen Tag nach Rahms Absage für die Open de España in Madrid. Wegen der unmittelbar bevorstehenden Geburt seines vierten Kindes bleibt der 31-Jährige bei seiner Familie in den USA.
Innerhalb von zwei Tagen haben sich damit gleich zwei Fragen geklärt, die zuletzt für Spekulationen gesorgt hatten. Gleichzeitig ist eine neue entstanden: Wo wird Jon Rahm 2027 hauptsächlich spielen?
Die entscheidende Aussage fiel am Mittwoch während einer Anhörung im laufenden Insolvenzverfahren von LIV Golf. Rahms Anwalt John Beck erklärte vor dem US Bankruptcy Court, sein Mandant habe die vorgeschlagenen Bedingungen für „LIV 2.0“ eigenständig geprüft.
Rahm halte diese für nicht akzeptabel und werde künftig nicht mehr an der Liga teilnehmen, erklärte Beck.
Damit ist erstmals eindeutig bestätigt, dass Rahm für den geplanten Neustart von LIV Golf nicht zur Verfügung steht. Die rechtliche Abwicklung seines bisherigen Vertrages ist davon zu unterscheiden.
Nach Berichten über die Gerichtsanhörung befinden sich Rahms Vertreter und LIV Golf in fortgeschrittenen Gesprächen über eine einvernehmliche Trennung. Rahms bestehender Vertrag ist damit noch nicht automatisch formal beendet.
Für die sportliche Zukunft ist die Aussage seines Anwalts dennoch eindeutig: Rahm plant keine Teilnahme an LIV 2.0.
LIV Golf plant Neustart nach Chapter 11
BC Partners Credit soll im Rahmen der Restrukturierung bis zu 300 Millionen US-Dollar bereitstellen. Die Finanzierung benötigt noch die Zustimmung des Insolvenzgerichts.
Für 2027 ist derzeit eine Serie mit zehn Turnieren vorgesehen, fünf davon außerhalb der USA. Das neue Konzept soll außerdem die Eigentümerstruktur verändern und Spielern Beteiligungen an der Liga beziehungsweise den Teams ermöglichen.
Rahm wird nach derzeitigem Stand nicht Teil dieses Modells sein.
Der zweimalige Major-Sieger war seit seinem Wechsel Ende 2023 einer der prominentesten Namen von LIV Golf. 2026 gewann er zum dritten Mal in Folge die LIV-Saisonwertung.
Dass gerade Rahm das neue Modell ablehnt, ist deshalb für die geplante Neuaufstellung der Serie von erheblicher Bedeutung.
LIV Golf schuldet Rahm rund 7,5 Millionen Dollar
Hinzu kommt die finanzielle Verbindung zwischen Rahm und seinem bisherigen Arbeitgeber. Aus den Unterlagen des Insolvenzverfahrens geht hervor, dass Rahm zu den größten ungesicherten Gläubigern von LIV Golf gehört.
Seine Forderung aus dem bisherigen Player Participation Agreement wird mit rund 7,5 Millionen US-Dollar angegeben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Rahms ursprünglicher Vertrag bereits aufgelöst ist. Die bestehenden Spielerverträge gehören zu den Fragen, die im Insolvenzverfahren geklärt werden müssen.
Genau deshalb ist die Unterscheidung zwischen dem bisherigen LIV Golf und dem geplanten LIV 2.0 wichtig: Rahm hat sich gegen eine Teilnahme am neuen Modell entschieden. Die juristische Abwicklung seines bestehenden Vertragsverhältnisses läuft noch.
Open de España ohne Jon Rahm
Bereits einen Tag zuvor hatte Rahm eine andere Entscheidung bekannt gegeben. Er wird nicht bei der Open de España vom 8. bis 11. Oktober im Club de Campo Villa de Madrid antreten.
Der Grund ist familiär. Rahm und seine Frau Kelley erwarten unmittelbar ihr viertes Kind.
„Mit unserem vierten Kind, das kurz vor der Geburt steht, habe ich die schwierige Entscheidung getroffen, in diesem Jahr nicht an der Open de España teilzunehmen, um zu Hause bei meiner Familie zu sein“, erklärte Rahm in einer Mitteilung, die der spanische Golfverband RFEG veröffentlichte.
Für die Open de España ist seine Absage sportlich bedeutend. Rahm gewann sein Heimturnier 2018, 2019 und 2022 und kommt damit auf ebenso viele Titel wie Severiano Ballesteros.
Seinen vierten Sieg kann Rahm frühestens 2027 in Angriff nehmen.
Spanien-Absage erschwert Rahms Situation auf der DP World Tour
Die Entscheidung hat gleichzeitig Auswirkungen auf Rahms Saisonplanung auf der DP World Tour.
Im Mai hatte er mit der Tour eine Vereinbarung getroffen, die ihm für 2026 Starts bei LIV Golf ermöglichte und gleichzeitig seine Mitgliedschaft auf der DP World Tour sicherte. Bestandteil dieser Regelung sind fünf Starts auf der europäischen Tour.
Drei davon hat Rahm bislang absolviert. Die Open de España wäre sein vierter gewesen.
Nach Madrid stehen in der regulären Saison noch die Turniere in Indien und Südkorea auf dem Programm. Anschließend folgen die Playoffs in Abu Dhabi und Dubai.
Rahm liegt derzeit auf Rang 43 des Race to Dubai. Die besten 70 qualifizieren sich nach Abschluss der regulären Saison für Abu Dhabi. Von dort erreichen die besten 50 verfügbaren Spieler das Saisonfinale in Dubai.
Damit könnten diese beiden Turniere für Rahm entscheidend werden. Spielt er sowohl in Abu Dhabi als auch in Dubai, käme er auf die vereinbarten fünf Starts.
Was passiert, wenn Rahm diese Zahl nicht erreicht, ist derzeit öffentlich nicht abschließend geklärt.
Ryder Cup 2027 spielt ebenfalls eine Rolle
Sein Status auf der DP World Tour ist auch mit Blick auf den Ryder Cup 2027 in Adare Manor interessant.
Rahm zählt seit Jahren zu den zentralen Spielern des europäischen Teams. Seine Vereinbarung mit der DP World Tour ermöglichte ihm, seine Mitgliedschaft zu behalten und damit auch seine Perspektive für den nächsten Ryder Cup zu sichern.
Durch die Entscheidung gegen LIV 2.0 könnte die europäische Tour für Rahms weitere Karriere nun noch wichtiger werden.
Führt der Weg zurück zur PGA Tour?
Damit bleibt die entscheidende Frage offen: Wo spielt Jon Rahm nach LIV?
Eine automatische Rückkehr auf die PGA Tour ergibt sich aus seiner Entscheidung gegen LIV 2.0 nicht. Ob und unter welchen Bedingungen die amerikanische Tour Rahm einen Weg zurück eröffnet, ist derzeit nicht geklärt.
Dass eine Rückkehr grundsätzlich denkbar ist, zeigen andere Fälle. Für Rahm gibt es bislang jedoch keine bestätigte Vereinbarung.
Kurzfristig ist seine Situation auf der DP World Tour wesentlich konkreter. Dort besitzt er einen sportlichen Status, sammelt Punkte für das Race to Dubai und hält sich gleichzeitig die Möglichkeit offen, 2027 wieder für Europa im Ryder Cup anzutreten.
Noch vor wenigen Tagen hatte Rahm öffentlich zwischen seinem bestehenden Vertrag mit LIV und einem möglichen zukünftigen LIV 2.0 unterschieden. Jetzt wissen wir, warum.
Seinen bisherigen Vertrag muss Rahm im Rahmen des Insolvenzverfahrens noch abwickeln. Sportlich hat er sich entschieden: Beim geplanten Neustart von LIV Golf wird Jon Rahm nicht mehr dabei sein.
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