
Frauen-Golf in der Schweiz mit internationalem Gewicht
Wenn vom 11. bis 13. September 2025 das 6. VP Bank Swiss Ladies Open im Migros Golfpark Holzhäusern ausgetragen wird, richtet sich der Blick der internationalen Golfszene für drei Tage auf die Zentralschweiz. 120 Spielerinnen aus aller Welt treten um ein Preisgeld von 300.000 Euro an. Damit ist das Turnier das bedeutendste Profievent für Frauen in der Schweiz.
Für die Ladies European Tour (LET) hat sich das Swiss Ladies Open in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil im Kalender etabliert. Seit seiner Premiere 2020 wird es in Holzhäusern gespielt, einem Platz, der mit seinen breiten Fairways, den zahlreichen Wasserhindernissen und der Nähe zum Zugersee eine markante Kulisse bietet.
Die Stellung des Turniers ist auch deshalb besonders, weil es im dicht gedrängten Spätsommer-Kalender liegt. Direkt nach dem traditionsreichen European Masters in Crans-sur-Sierre und wenige Wochen vor dem Ryder Cup in den USA bringt es noch einmal internationale Spitzengolferinnen in die Schweiz.
Schweizerinnen im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit genießen in diesem Jahr zwei Spielerinnen aus der Schweiz: Chiara Tamburlini und Elena Moosmann. Beide sind auf unterschiedliche Weise mit dem Turnier verbunden.
Chiara Tamburlini – Aufsteigerin mit internationaler Erfahrung
Die 25-jährige Ostschweizerin gehört seit 2024 zu den auffälligsten Spielerinnen auf der LET. Mit dem Gewinn des Order of Merit und der Auszeichnung als „Rookie of the Year“ hat sie sich in eine Reihe prominenter Namen eingetragen. Ihre Saison 2024 war von Konstanz und Siegen geprägt, die sie international etabliert haben.
Die Rückkehr nach Holzhäusern bedeutet für Tamburlini ein Spiel vor heimischem Publikum, in einer Atmosphäre, die sie nach eigener Aussage besonders motiviert. Sie spricht offen darüber, dass sie die Unterstützung der Fans, die Präsenz von Familie und Freunden sowie die nationale Erwartungshaltung als Antrieb versteht. Dass sie das Heimturnier gern gewinnen würde, liegt nahe. Doch ihre Zielsetzung ist bewusst nüchtern formuliert: bestes Golf zeigen, in den Rhythmus finden und sich von der Stimmung tragen lassen.
Elena Moosmann – Lokalmatadorin mit eigenem Weg
Anders gelagert ist die Situation bei Elena Moosmann. Die 22-jährige Zugerin hat ihren Heimatplatz direkt in Holzhäusern. Schon als Juniorin war sie eng mit dem Golfpark verbunden, spielte hier nationale Meisterschaften und trainierte regelmäßig. Seit 2023 ist sie Professional, 2024 sicherte sie sich die volle Tourkarte auf der LET.
Moosmann ist damit in einem Umfeld angekommen, das ihr den Weg in den Spitzensport ebnet, gleichzeitig aber auch hohe Anforderungen stellt. Sie beschreibt den Druck auf der Tour als intensiver als im Amateurbereich, betont aber auch den starken Zusammenhalt unter den Spielerinnen. Für das Turnier in Holzhäusern formuliert sie ihr Ziel klar: den Cut schaffen, sich an den heimischen Zuspruch klammern und die Basis legen, um in der Saisonwertung die Top 70 zu erreichen.
Ihre Rolle als Lokalmatadorin verleiht dem Event zusätzlich Identifikation. Die Zuschauer am Zugersee sehen nicht nur internationale Größen, sondern auch eine Spielerin, die auf ihren Fairways groß geworden ist.
Bedeutung für die Ladies European Tour
Die Ladies European Tour kämpft seit Jahren darum, in der öffentlichen Wahrnehmung stärker präsent zu sein. Während Turniere wie die Amundi German Masters oder das Aramco Team Series-Format für Aufmerksamkeit sorgen, ist das VP Bank Swiss Ladies Open ein Baustein in einem wachsenden Netzwerk europäischer Events.
Das Preisgeld von 300.000 Euro liegt im Mittelfeld der LET. Es macht das Turnier zwar nicht zu einem „Major“ der Tour, gibt den Spielerinnen jedoch die Möglichkeit, wichtige Punkte im Order of Merit zu sammeln. Gerade für jene, die um den Erhalt der Tourkarte spielen, ist Holzhäusern eine zentrale Station.
Zudem profitieren die Organisatoren von der Nähe zu Deutschland, Österreich und Italien. Zuschauer aus den Nachbarländern reisen regelmäßig an, um die LET aus nächster Nähe zu sehen – eine Chance, die im mitteleuropäischen Raum nicht häufig besteht.
Turnierplatz mit Charakter
Der Migros Golfpark Holzhäusern ist ein öffentlicher Platz, der sowohl Hobbygolfern als auch Profis offensteht. Für die LET wird er auf Championship-Niveau vorbereitet. Breite Fairways erlauben aggressive Spielstrategien, während die Wasserhindernisse präzises Course-Management erzwingen. Die Nähe zum Zugersee prägt nicht nur die Optik, sondern auch die Spielbedingungen, da Windböen häufiger Einfluss nehmen.
Gerade dieser Mix macht den Kurs für die Spielerinnen anspruchsvoll. Wer in Holzhäusern erfolgreich sein will, muss sowohl Länge vom Tee als auch Genauigkeit ins Grün verbinden. Fehler werden schnell bestraft, gleichzeitig bietet der Platz Chancen für Birdies, wenn die Schläge sitzen.
Zuschauerfreundliches Konzept
Die Veranstalter setzen seit der ersten Austragung auf ein offenes Konzept: Eintritt frei, kurze Wege, Village mit Partnerständen. So soll das Event bewusst mehr sein als eine reine Sportveranstaltung. Familien und interessierte Neulinge finden einen niedrigschwelligen Zugang.
Das Rahmenprogramm umfasst auch in diesem Jahr gastronomische Angebote, eine Village-Bar und Präsentationen von Partnern. Auffällig ist die Kooperation mit BWT, die Wasserspender auf dem gesamten Gelände installiert, um Besucher kostenlos zu versorgen. Für ein Sportevent dieser Größenordnung ist das ein Detail, das den Aufenthalt erleichtert und gleichzeitig Nachhaltigkeit betont.
Ausblick
Ob Tamburlini und Moosmann bei ihrem Heimspiel vorne mitspielen können, bleibt abzuwarten. Beide verkörpern unterschiedliche Karrierestadien und unterschiedliche Erwartungen. Unabhängig vom Ergebnis wird das VP Bank Swiss Ladies Open wieder zeigen, wie eng die Leistungsdichte im Frauengolf ist.
Für die Zuschauerinnen und Zuschauer am Zugersee bietet sich die Gelegenheit, Golf auf höchstem Niveau live zu erleben. Und für die Ladies European Tour ist es ein weiterer Baustein, die Sichtbarkeit des Frauensports in Europa zu festigen.






