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Golfer beim Abschlag

Kopfarbeit – für mehr Spaß am Spiel

Dieser eine Schlag will Ihnen einfach nicht gelingen, das anstehende Turnier bereitet Ihnen schlaflose Nächte und Ihr Wunsch-Handicap scheint unerreichbar? Klingt, als würde Golf Sie ziemlich stressen! Mit mentalem Training können Sie das ändern.

Wer hat diese Aussage nicht schon tausendmal auf dem Fairway gehört oder selbst von sich gegeben? Eigentlich hätte der Schlag gelingen müssen – die Technik sitzt und der Schläger wurde passend gefittet. Woran liegt es also, wenn’s beim Golf doch mal wieder voll daneben geht? Meist besteht das Problem im Kopf: Wer unbedingt einen bestimmten Score erreichen will oder Angst hat, sich mit einem misslungenen Schlag vor seinen Mitspielern zu blamieren, verkrampft innerlich und schlägt dadurch erst Recht daneben. Dass unsere gedankliche Einstellung einen enormen Einfluss auf unser Spiel hat, ist kein Geheimnis – im Gegenteil: Inzwischen ist eine ganze Industrie darum bemüht, uns mit Ratgeber-Büchern, Coaching-Stunden und sogar Hypnose zu mehr mentaler Stärke auf dem Platz zu verhelfen. Wie stellen Ihnen drei verschiedene Ansätze vor.

Golfwirbel
Foto: Unsplash

Hypnose gegen innere Blockaden

Oft sind es sogenannte negative Glaubenssätze, die uns davon abhalten, unsere sportlichen Ziele zu erreichen. Wer auf dem Grün schon öfter zu viele Schläge brauchte, könnte zum Beispiel den Glaubenssatz entwickeln „Beim Putten bin ich ein Versager”. Hat sich diese Überzeugung im Kopf erst einmal eingenistet, wird man sie nur schwer wieder los. Hier kann eine Hypnose hilfreich sein, denn sie ermöglicht einen unmittelbaren Zugang zum Unterbewusstsein. „Das Werkzeug der Hypnose erlaubt es uns, Ängste und Blockaden zu lösen”, sagt der Hypnosethera-peut Nils Reineking. Er arbeitet seit gut 20 Jahren mit einem von ihm entwickelten Tiefenhypnose-Verfahren, das bei vielen Klienten innerhalb von nur einer Sitzung Wirkung zeigt. Reineking erklärt: „Hypnose ist eine Möglichkeit, Menschen in eine alternative Vorstellung zu führen. Situationen, die in der Vergangenheit mit Ängsten oder mit unerwünschten Verhaltensmustern besetzt waren, können im Zustand der Hypnose so befreit oder verändert erlebt werden, wie der Klient es sich wünscht”. Durch das positive Neu-Erleben solcher Situationen während der Hypnose werde das Gehirn in Bezug auf das Verhalten in ähnlichen Situ- ationen quasi neu programmiert. Einen Golfer mit dem Glaubenssatz „beim Putten bin ich ein Versager” würde der Therapeut in der Hypnosesitzung dazu anregen, sich einen erfolgreichen Putt vorzustellen, um so eine positive Bewertung der Putt-Situation im Unterbewusstsein abzuspeichern. Die Voraussetzung für eine wirksame Hypnose ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Hypnosetherapeut. „Keiner muss Angst haben, bei der Hypnose manipuliert zu werden oder ausgeliefert zu sein. Der Klient ist bei Bewusstsein und kann die Hypnose , wenn nötig, jederzeit selbst abbrechen”, sagt Nils Reineking.

Mentales Training: Einstellung ist alles!

Im Profisport ist es eine weit verbreitete Erkenntnis, dass ein Athlet für herausragenden Erfolg neben körperlicher Fitness und technischem Können auch die passende Einstellung mitbringen muss. Wie Muskeln und Technik lasse sich auch das sogenannte „Mindset” trainieren, propagieren Mental-Coaches wie der amerikanische Sportpsychologe Bob Rotella. Für den Autor zahlreicher Golf-Ratgeber sind zwei der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Sport Selbstvertrauen und Fokussierung. „Wenn ein Golfer die richtige Einstellung hat, ist er zuversichtlich, dass er den Schlag, den er vor seinem inneren Auge sieht, auch umsetzen wird. Er hat Vertrauen, dass die Fähigkeiten, die er sich durch sein Training angeeignet hat, für ihn arbeiten werden, wenn er sie nur lässt”, schreibt er in seinem Buch How Champions Think: In Sports and in Life. Zum Thema Fokussierung heißt es in seinem Werk Putting Out of Your Mind: „Nichts anderes auf der Welt interessiert Sie, als diesen einen Putt zu machen. Es gibt keine Zukunft und keine Vergangenheit. Sie verweilen nicht bei dem guten Schlag, der ihren Ball an diesen Punkt gebracht hat. Sie denken nicht darüber nach, wie Sie sich fühlen werden, wenn der Putt daneben geht. Sie rollen einfach diesen Ball in dieses Loch”.

Die meisten Golf-Profis belassen es natürlich nicht bei der Ratgeber-Lektüre, sondern holen sich den Mental-Coach ihres Vertrauens beim Training an ihre Seite. Zuletzt waren es Rory McIlroy und Bubba Watson, die offen darüber sprachen, mit einem Mentaltrainer zu arbeiten. „Es geht darum, sich auf die kleinen Dinge zu fokussieren und nicht Leben und Tod von Ergebnissen abhängig zu machen, sich nicht in dem Versuch zu verlieren, perfektes Golf zu spielen”, erklärte McIllroy sein angestrebtes Mindset vor einigen Wochen gegenüber dem britischen Magazin Today‘s Golfer. Vielleicht ist es auch dieser neuen Einstellung und der Beratung durch den Performance- und Mental-Coach Dr. Clayton Skaggs zu verdanken, dass der Nordire seine Enttäuschung über das frühe Ausscheiden bei der Open relativ schnell überwand und wenige Tage später beim WGC-FedEx St. Jude Inventional eine rekordverdächtige 62er-Runde hinlegte. Im deutschsprachigen Raum zählt Bernd Litti zu den bekanntesten Ratgeber-Autoren und Mental-Coaches. In Büchern wie Dein Handicap ist nur im Kopf und Für gutes Golf ist’s nie zu spät schreibt er nicht nur darüber, wie Golfer bei ihrem Sport Stress vermeiden und Resilienz aufbauen können, sondern gibt auch ganz konkrete Tipps – zum Beispiel, dass der letzte Blick vor dem Schlag niemals auf das zu überwindende Hindernis gerichtet sein sollte, sondern immer auf das Ziel. Denn oft gilt: Wohin man zuletzt geschaut hat, dahin schlägt man auch. Eine „mentale Neuprogrammierung” und praxisbezogene, schnell wirksame Tipps verspricht Golf-Mentalcoach Ewald Mader in seinem Ratgeber Denken Sie noch oder golfen Sie schon? Mader ist ein Experte im Neuro-Linguistischen Programmieren, kurz NLP genannt. Bei NLP handelt es sich um Methoden aus der Gesprächs- und Psychotherapie, mit denen schnell und effektiv erwünschte Verhaltensänderungen erzielt werden sollen. Ein Ansatzpunkt für mentales Coaching sind laut Mader die Aufforderungen, mit denen wir uns selbst beim Spiel antreiben. Viele sagen sich zum Beispiel „Putte nicht neben das Loch”. Das Abstrakte Wort „nicht” wird vom Gehirn jedoch ignoriert und so führt eine solche Selbst-Aufforderung meist dazu, dass genau der gegenteilige Effekt eintritt: Der Putt geht daneben. Deshalb empfiehlt Mader, sich stattdessen mit postitiven Aussagen wie „Ich liebe diese 3-Meter-Putts” anzuspornen.

Golfer auf dem grün
Foto: Unsplash

Der Weg des Meisters: Durch Golf zur reifen Persönlichkeit

Für Golftrainer Oliver Heuler gehen die gängigen Tipps und Methoden des mentalen Trainings noch nicht weit genug. Er hat in seinem Buch Jenseits der Scores darüber geschrieben, wie man das Golfspiel zur Reifung von Persönlichkeit und Charakter nutzen kann – um als natürliche Folge daraus auch sein Spiel nachhaltig zu verbessern. Er sagt „Wer sich psychologisch verbessern möchte, die Arbeit an der Persönlichkeit jedoch umgehen will, sucht nach einer Abku?rzung, die es nicht gibt”. In Anlehnung an fernöstliche Künste wie Bogenschießen oder Aikido nennt er sein Konzept der Persönlichkeitsentwicklung durch Golf den „Weg des Meisters”. Seine Empfehlung, wie dieser zu beschreiten ist, deckt sich mit der Philosophie, die unter anderem auch Bob Rotella vertritt: Anstatt die eigene Leistung und das Selbstbewusstsein über Score, Handicap und Platzierungen zu definieren, sollten Golfer mithilfe ihrer Neugier die Freude am Spiel genießen lernen. Mit einem Zitat von Bobby Jones bringt Heuler die dafür nötige Einstellung in Jenseits der Scores auf den Punkt: „Der richtige Weg, das Golfspielen zu genießen, besteht darin, Freude nicht in dem Erzielen eines Scores zu suchen, sondern in dem Ausfu?hren der Schläge”. Die Stärke von Jenseits der Scores liegt darin, dass Oliver Heuler seine Leser Schritt für Schritt und mit ausführlichen Erläuterungen durch den Prozess der persönlichen Weiterentwicklung führt. Damit begeistert er vor allem solche Golfer, die an einer philosophisch inspirierten Auseinandersetzung mit ihrem Sport interessiert sind.

Ohne Fleiss kein Preis

Das, was sich beim Golf in unserem Kopf abspielt, ist für den Erfolg unseres Spiels mindestens so entscheidend wie unser Trainingsgrad und die Qualität unserer Ausrüstung. Stress, übermäßiges Leistungsdenken und innere Blockaden können dafür sorgen, dass wir uns am Abschlag und beim Putten selbst im Wege stehen. Mit welchen Methoden und Herangehensweisen sich am besten dagegen angehen lässt, ist individuell unterschiedlich. Jeder Golfer und jede Golferin tickt anders und benötigt eine andere Art von Unterstützung, um den Spaß und die Performance beim Spiel zu optimieren. Ob Hypnose, mentales Training oder „der Weg des Meisters” Ihnen am besten helfen, können Sie nur selbst herausfinden. Ganz ohne eigenen Einsatz führt jedoch keine der vorgestellten Methoden zum Erfolg. Sie wissen ja: Übung macht den Meister!

Buchtipps

Drei Autoren, drei Herangehensweisen: Ratgeber für mehr mentale Stärke beim Golf 

Das Angebot an Ratgeberbüchern, die Golfern zu mehr Gelassenheit und Nervenstärke verhelfen sollen, ist groß. Wir haben exemplarisch drei der Top-Seller ausgewählt, die verschiedene Schulen des mentalen Trainings repräsentieren: Bob Rotellas Der 15. Schläger enthält Empfehlungen, wie Golfer ihr Selbstvertrauen stärken und mit Druck umgehen können. In Denken Sie noch oder golfen Sie schon? stellt Ewald Mader schnell umsetzbare Tipps gegen den eigenen „inneren Zweifler” beim Golf vor. Oliver Heuler will seine Leser in Jenseits der Scores hingegen zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter anregen und so auf den „Weg des Meisters” führen.

Interview mit Hypnose-Therapeut Nils Reineking

Nils Reineking betreibt seit 1998 das Carlo Faraday-Institut für klinische Tiefenhypnose. An mehreren Standorten deutschlandweit bietet das Institut  Einzel- und Gruppenseminare zu den Themen Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion und Mentales Training an.

Herr Reineking, was unterscheidet die Klinische Hypnose von der Show-Hypnose?

Der Begriff „Klinische Hypnose” ist am einfachsten als ein veränderter Bewusstseinszustand zur Gesundheitsförderung zu erklären. Hierzu gehören medizinische bzw. therapeutische Maßnahmen sowie Kurzinterventionen zur Persönlichkeits- und Verhaltensveränderung in Form von Mental-Training oder Coaching. Jede Hypnose sollte fachgerecht und verantwortungsbewusst durchgeführt werden. Eine „Showhypnose” ist ein großes Mitmachtheater, das bei vielen Menschen eine falsche Vorstellung von Hypnose und sogar Ängste wecken kann. Sie zeigt keine Hypnose, sondern eine freiwillige Ausführung von Tätigkeiten, zu denen der Showhypnotiseur den Probanden auffordert. Die Bereitschaft, unbedingt an dieser Show auf der Bühne mitwirken zu wollen, der Gruppenzwang und die Angst, das Publikum könnte die „hypnotisierte” Person auslachen, wenn die Befehle des Showhypnotiseurs nicht befolgt werden, vermitteln dem Zuschauer ein Bild von Willenlosigkeit und Kontrollverlust. Hypnose braucht einen ethischen und professionellen Rahmen.

Welche Ängste und Verhaltensmuster können mit der Klinischen Hypnose behandelt werden?

Hypnose ist eine Möglichkeit, Menschen in eine gewünschte alternative Vorstellung zu führen. Bestimmte Situationen, die in der Vergangenheit mit Ängsten oder problematischen Verhaltensmustern besetzt waren, können während der Hypnose so erlebt werden, wie der Klient es sich wünscht. Wenn Ängste oder Verhaltensmuster vor einer hypnotischen Intervention beschrieben werden können und isoliert von anderen Problemen bestehen, ist es sogar möglich, diese innerhalb von nur einer Sitzung vollständig aufzulösen, ohne dabei deren Ursprung aufdecken zu müssen. Je intensiver die Fantasie während einer Hypnose wahrgenommen wird, desto größer ist der Erfolg einer hypnotischen Intervention. Vorrausetzung dafür ist ein Vertrauensverhältnis zwischen der hypnotisierten Person und dem qualifizierten Hypnosetherapeuten bzw. der Hypnosetherapeutin.

Nils Reineking
"Das Werkzeug der Hypnose erlaubt es uns, Ängste und Blockaden zu lösen." Nils Reineking, Foto: Paul Schirnhofer

Wie funktioniert die Hypnosetherapie?

Durch das Erleben einer gewünschten Realität während der Hypnose findet eine Neubewertung der in der Vergangenheit erlebten Situationen oder Verhaltensmuster statt. Dies wird auch als „Reframing” bezeichnet. Die neuropsychologische Erklärung: Verschaltungen zwischen Gehirnzellen, die durch ein falsches, ritualisiertes Verhalten entstandenen sind, werden bei der Hypnose abgebaut. Durch das positive Neu-Erleben werden neue Verbindungen etabliert und verstärkt. Vereinfacht dargestellt, wird ein Puzzle, das falsch zusammengesetzt wurde, neu zusammengesetzt – und zwar so, dass es den Wünschen und Zielen des Klienten bzw. der Klientin entspricht.

Was kann Hypnose für Golfer bewirken?

Eine vereinfachte Darstellung einer Hypnose ist im Film „Die Legende von Bagger Vance” zu sehen. Darin wird der Golfer Rannulph Junuh (Matt Damon) von Bagger Vance (Will Smith) in eine Ressource in Form einer kraftvollen Erinnerung geführt. Dadurch gelingt es ihm, seine persönlichen Hürden im Hier und Jetzt zu überwinden. Wie bereits erläutert, wird die gewünschte Vorstellung, zum Beispiel vom richtigen Bewegungsablauf im Sport, während einer Hypnose entwickelt und verstärkt. Indem die optimierte Vorstellung den abgespeicherten falschen Bewegungsablauf ersetzt, können unsauber ausgeführte Bewegungsabläufe korrigiert und perfektioniert werden.

Mit welchen Methoden kann ich mir kurzfristig in Stresssituationen helfen, zum Beispiel bei Angst vor bestimmten Schlägen oder Frust über Misserfolge?

Auch in diesen Situationen können Erinnerungen an erfolgreich absolvierte Schläge genutzt werden. Dazu dürfen vor dem inneren Auge die Bilder, Gedanken und Gefühle ablaufen, die zu dieser Erinnerung gehören. Auch die Vorstellung, wie der Schlag in der Zukunft erfolgreich ausgeführt wird, ist eine mögliche Kraftquelle.