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Golfplatz

Nachhaltiges Golfplatzdesign

Worauf kommt es bei der Planung oder Weiterentwicklung eines Golfplatzes an? Darüber sprachen wir mit Christoph Städler, dem Inhaber des Planungsbüros Städler Golf Courses.

Vor mehr als 30 Jahren gründete Christoph Städler sein Planungsbüro in Münster, zu dessen Team heute auch der Landschaftsarchitekt Achim Reinmuth und der Landschaftsökologe Philipp Fleischhauer gehören. Als Deutschlands größtes Golfplatzplanungsbüro hat Städler Golf Courses bis heute 53 neue Golfplätze realisiert – darunter den Öschberghof, den Mainzer Golf Club, das Golf Resort Weimarer Land sowie das Ostsee Golf Resort Wittenbeck – und rund 120 bestehende Golfplätze renoviert oder redesignt.

Christoph Städler
Foto: Stefan von Stengel / stefanvonstengel.de

Herr Städler, wie gut können Sie als Golfplatzplaner vom Bau neuer Golfanlagen in Deutschland leben?

Bis zur weltweiten Finanzkrise 2008 ging das ganz gut. Danach brach die Entwicklung neuer Golfprojekte massiv ein – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Hierzu-lande entstanden in den letzten Jahren weniger als fünf neue Golfanlagen pro Jahr. In Anbetracht von ca. 15 deutschen und zahlreichen internationalen Golfplatzplanern, die im Wettbewerb um diese wenigen Planungsaufträge stehen, kann heute niemand mehr seine berufliche Existenz allein von der Planung neuer Golfanlagen bestreiten.

 

In welchem Bereich liegt das Investitionsvolumen bei einer neuen Golfanlage?

Da ist die Spanne ähnlich breit wie bei Autos. Nach oben hin sind auch bei Golfplätzen kaum Grenzen gesetzt. Aber Ihre Frage zielt vermutlich darauf ab, was man mindestens investieren muss, um eine Golf- anlage zu errichten. Normalerweise muss man allein für den Golfplatz mit 18 Bahnen, Übungsanlagen, Beregnungsanlage und Bepflanzung mit 3 bis 4 Millionen Euro rechnen. Hinzu kommen notwendige Infrastrukturmaßnahmen wie Clubhaus, Pflegehof, Zufahrtstraße und Parkplatz. Dadurch kann der Gesamtinvestitionsbedarf schnell auf 7 bis 10 Millionen ansteigen, je nach Anspruch und Qualität.

 

Was fällt dabei für den Architekten ab?

Das Honorar richtet sich grundsätzlich nach den Vorgaben der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Je nach Komplexität der Planungsaufgabe wird die Höhe des Honorars unterschiedlich ausfallen. In der Regel wird es sich zwischen 6 und 15 Prozent der veranschlagten Baukosten bewegen. Je höher die Baukosten, desto niedriger der prozentuale Honorarsatz und umgekehrt.

Welchen Anteil Ihrer Arbeit machen das Redesign und die Erweiterung bestehender Golfplätze aus?

Der Großteil der deutschen Golfplatzplaner ist weitgehend bis vollständig auf solche Aufträge angewiesen. Renovationen und Redesigns bestehender Golfplätze stellen uns übrigens oft vor sehr anspruchsvolle Planungsaufgaben, die manchmal sogar komplizierter und zeitaufwändiger sind als die Planung neuer Plätze. 

 

Wann werden Änderungen an bestehenden Golfplätzen notwendig?

Viele Golfplätze – vor allem solche, die vor 1990 gebaut wurden – sind bautechnisch veraltet und sollten dringend renoviert werden, um den heutigen Qualitätsansprüchen der Golfer zu genügen. Auch schlechtwetterbedingte Platzsperren lassen sich so vermeiden. Zahlreiche ältere Golfplätze sind zudem spielstrategisch nicht mehr zeitgemäß. Aufgrund der erheblich gestiegenen Flugweiten der Bälle liegen die Bunker inzwischen an Positionen, die für bessere Spieler nicht mehr attraktiv sind. Die Modernisierung bautechnisch und spielstrategisch überholungsbedürftiger Plätze zählt zu den Kernkompetenzen unseres Büros. 

 

Welche konkreten Konsequenzen hat es für Ihre Planungen, dass Golfer heute länger schlagen?

Seit 1990 ist die durchschnittliche Drive- länge von Top-Golfern um rund 30 Meter gestiegen. Zahlreiche Fairwaybunker der älteren Golfplätze liegen deshalb heute strategisch fehlplatziert, etliche Doglegs lassen sich von solchen Spielern übermäßig abkürzen. Um das ursprüngliche strategische Design wieder herzustellen, müssen entweder die Abschläge proportional nach hinten verlegt werden, was aus räumlichen Gründen nur selten möglich ist, oder die Bunker müssen nach vorn rücken. Die höheren Schlagweiten haben aber noch andere negative Folgen, wie deutlich verlängerte Rundenzeiten aufgrund der Zunahme der Platzlängen, höhere Pflegekosten aufgrund größerer Flächen und stärkere Gefährdungen benachbarter Gebäude und Straßen wegen der größeren Streuung verzogener Schläge. In letzter Konsequenz bedeuten längere und schwierigere Golfplätze einen erhöhten Zeitaufwand und weniger Spielspaß, was immer mehr Hobbygolfern die Lust am Golfspiel verleidet. Es ist demnach höchste Zeit für ein grundlegendes Umdenken, wenn sich der Golfsport nicht selbst den Ast absägen will.

 

Sie sind selbst ein erfolgreicher und ausgezeichneter Golfspieler. Wünschen Sie sich leichtere oder schwerere Plätze?

Ich halte diejenigen Plätze für die besten und fairsten, bei denen die Architekten es durch geschicktes Design verstanden haben, ambitionierten Golfern attraktive Herausforderungen zu bieten, während sie gleichzeitig Anfängern und Spielern mit höherem Handicap die Möglichkeit bieten, den Platz mit Spielfreude zu bewältigen. So etwas kann man durch eine angemessene Längenstaffelung der Abschläge, durch intelligente Verteidigung der Drivelandezonen und ein kluges Design der Grünkomplexe erreichen. Ich bin davon überzeugt, dass hierin eine der besonderen Stärken unserer Platzdesigns liegt.

Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Golf und Natur?

Für mich und wohl für die meisten Golfer liegt ein wesentlicher Reiz des Golfsports darin, dass Golf in freier Natur gespielt wird und jeder Platz andere landschaftliche Schönheiten zu bieten hat. Je natürlicher ein Platz sich in die vorhandene Landschaft einfügt, desto attraktiver. Plätze, die das natürliche Landschaftsbild fremdartig überformen, mag ich nicht, selbst wenn sie zum Teil sportlich spektakulär sein mögen.

 

Wie halten Sie sich in Bezug auf neue Grassorten und Drainagetechniken auf dem Laufenden?

Meine Mitarbeiter und ich bilden uns ständig fort, vor allem durch die Teilnahme an Seminaren und Fortbildungen des EIGCA, des European Institute of Golf Course Archi- tects. In dem Verband sind aktuell knapp 100 der profiliertesten europäischen Golfarchitekten organisiert und ich habe seit 2019 die Ehre, deren Präsident zu sein. Auf diese Weise sind wir ständig über die neuesten Erkenntnisse und den aktuellen Stand der Technik im Golfplatzbau unterrichtet.

 

Sie haben von der EIGCA die Zertifizierung „Sustainable Design Leader” erhalten, die Ihnen umweltschonendes und nachhaltiges Arbeiten bescheinigt. Was bedeutet das beim Golfanlagenbau?

Primär bedeutet es, dass wir auf dem Plangelände vorhandene Baustoffe wie Sand, Kies und Teichaushub für Geländemodellierungen sowie den Platzbau einsetzen und möglichst wenig zukaufen. Durch intelligente Maßnahmen zur Sammlung von Oberflächenwasser für die Beregnung des Golfplatzes versuchen wir, so weit wie möglich ohne Grundwasser auszukommen. Wir verwenden Grassorten, die sich durch relativ geringe Wasser- und Düngeransprüche auszeichnen und wenig empfindlich für Krankheitsbefall sind. Dadurch wird für die Pflege später kaum Pflanzenschutzmittel benötigt. Dies sind aber nur einige besonders prägnante Beispiele für nachhaltiges Design.

 

Kann man tatsächlich eine hohe Platzqualität erreichen, wenn wenig oder gar keine Chemikalien zum Einsatz kommen?

Mit Ausnahme von Fungiziden zur Bekämpfung von Pilzbefall auf den Grüns ist es grundsätzlich möglich, auch ohne den Einsatz von Pestiziden eine hohe Platzqualität zu erreichen. Dabei ist es wichtig, optimale Wachstumsbedingungen für die Gräser zu schaffen. Alternativ zu Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln können Produkte wie Kompost-Tees, Regenwurmhumus, Algenpräparate oder auch Mykorrhiza-Pilze eingesetzt werden.

 

Wie muss sich das Greenkeeping entwickeln, um die Golfplätze besser und länger im Jahr bespielbar zu machen?

Hier halte ich die Möglichkeiten für relativ begrenzt. Möglich sind der Einbau von Drainagen in staunässeempfindliche Spielflächen und ein regelmäßiges Sand-Topdressing. Angesichts des Klimawandels wird auch der Einbau einer modernen Beregnungsanlage zunehmend wichtiger. Damit lässt sich verhindern, dass die Spielbahnen für eine längere Zeit austrocknen, wodurch die Grasnarbe lückig wird und Unkraut sich ausbreiten kann.

 

In welche Richtung wird sich das Design von Golfplätzen in Deutschland und International entwickeln?

Ich sehe drei verschiedenartige Trends: Erstens eine starke Diversifizierung von Golfanlagen, das heißt, neben den klassischen Clubmodellen mehr kommerzielle Anlagen verschiedenster Art und Größe, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wollen. Zweitens eine Abkehr vom früheren Bestreben nach immer mehr Länge und Herausforderung und eine Hinwendung zu kürzeren, schneller spielbaren Plätzen mit hohem Spaßfaktor. Drittens, wie schon erwähnt, die stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Planung von Golfanlagen. Gute Planer legen besonderen Wert auf einen hohen Anteil ökologisch wertvoller Strukturen innerhalb des Golfplatzes und auf den Schutz von Ressourcen, nicht nur beim Bau des Platzes, sondern auch in Bezug auf die künftige Pflege.

Golfplatz
Foto: Stefan von Stengel / stefanvonstengel.de

Vita

Christoph Städler

Foto: Mark Alexander / markalexandergolfphotography.com

+ 2019 Am 1. Mai 2019 übernahm Christoph Städler die Präsidentschaft des European Institute of Golf Course Architects (EIGCA). Im selben Monat verteidigte er im GC Rehburg-Loccum seinen Titel als Deutscher Seniorenmeister AK 65. Seit 2006 ist er Mitglied der Senioren-Nationalmannschaft.

+ 2017 Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Fortbildung über Nachhaltigkeitsaspekte bei der Planung und Realisierung von Golfplätzen erhielt Städler am 28. November 2017 vom EIGCA die Zertifizierung als „Sustainable Design Leader”.

+ 1987 gründete Christoph Städler das Golfplatz-Planungsbüro Golf Promotion Team in Osnabrück. Seit Anfang 1994 firmiert das Büro unter dem Namen Städler Golf Courses in Münster. In den Folgejahren wurde das Team um Achim Reinmuth und Philipp Fleischhauer erweitert.

+ 1957 fing Städler im Alter von 6 Jahren mit dem Golfsport an. Zwischen 1969 und 2019 gewann er sechs Deutsche Meisterschaften in vier verschiedenen Altersklassen, u.a. bei den Herren 1979. Als Mitglied der A-Nationalmannschaft nahm er von 1968 bis 1987 für Deutschland an drei Europameisterschaften und drei Weltmeisterschaften teil.

 

Städler Golf Courses – Planungsbüro für Golfplätze

Habichtshöhe 80 d, 48151 Münster
Tel. +49 251 790079
www.golfdesign.de

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