
Jon Rahm kehrt in dieser Woche zu einem Turnier zurück, das für ihn weit mehr bedeutet als Punkte und Preisgeld. Bei der Open de España 2026 kann der Spanier seinen vierten Titel gewinnen und damit Severiano Ballesteros hinter sich lassen. Gleichzeitig begleitet ihn in Madrid eine Frage, die derzeit den gesamten Profigolfsport beschäftigt: Wo wird Jon Rahm 2027 spielen?
Vom 8. bis 11. Oktober trifft Rahm im Club de Campo Villa de Madrid auf ein hochkarätiges Feld. Und erstmals seit seinem Wechsel zu LIV Golf Ende 2023 erscheint seine sportliche Zukunft wieder tatsächlich offen.
Rahm will Seve hinter sich lassen
Rahms Bilanz bei seiner nationalen Open ist bemerkenswert. Bei seinem Debüt 2018 gewann er das Turnier, 2019 folgte Titel Nummer zwei und 2022 der dritte Sieg. Seitdem wartet er darauf, Severiano Ballesteros zu überholen.
2024 fehlte dazu wenig. Rahm verlor das Playoff gegen seinen Landsmann Ángel Hidalgo. Nun startet er zum achten Mal bei der Open de España. Seit seinem ersten Auftritt 2018 hat er keine Austragung verpasst.
Mit einem vierten Titel würde Rahm Ballesteros hinter sich lassen. Zum alleinigen Rekordhalter würde ihn der Sieg allerdings noch nicht machen. Diese Position hält Ángel de la Torre, der zwischen 1916 und 1925 fünfmal gewann.
Die offene Frage hinter Rahms Start
So interessant die Rekordjagd ist, Rahms Zukunft dürfte in Madrid mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit bekommen.
LIV Golf befindet sich nach dem Ende der bisherigen Finanzierung und der anschließenden Restrukturierung in einer entscheidenden Phase. Die Serie soll für 2027 neu aufgestellt werden. Was häufig als „LIV 2.0“ bezeichnet wird, muss dabei auch die wichtigste Frage beantworten: Welche der bisherigen Stars bleiben?
Bei Rahm gibt es darauf bislang keine eindeutige Antwort.
Bereits im Juli wurde er direkt gefragt, ob er 2027 bei LIV Golf spielen werde. Rahm wich einer Festlegung aus. Er bestätigte lediglich, mit den Verantwortlichen im Austausch zu stehen und über die Entwicklungen informiert zu sein.
Im September wurde seine Wortwahl noch interessanter.
Rahm spricht bewusst von „LIV 1.0“
Vor der BMW PGA Championship erklärte Rahm, dass er weiterhin einen Vertrag mit „LIV 1.0“ habe und bereit sei, diesen zu erfüllen.
Die Formulierung sorgte für Aufmerksamkeit. Auf die anschließende Frage, ob dies auch eine Verpflichtung gegenüber einem zukünftigen „LIV 2.0“ bedeute, gab Rahm keine entsprechende Zusage.
Er verwies stattdessen auf den laufenden rechtlichen Prozess. Viele Dinge müssten geklärt werden, bevor er eine Antwort geben könne. Bis zum Ende der laufenden Saison werde er sich zu seiner Zukunft voraussichtlich nicht festlegen können.
Damit hat Rahm einen Abschied von LIV Golf keineswegs angekündigt. Ein klares Bekenntnis zur nächsten Version der Serie hat er allerdings ebenfalls vermieden.
Die DP World Tour wird wieder wichtiger
Genau an dieser Stelle wird Rahms Start bei der Open de España interessant.
Der Spanier ist weiterhin Mitglied der DP World Tour. Im Mai einigten sich beide Seiten auf eine Regelung, die Rahm Starts auf der europäischen Tour ermöglicht und gleichzeitig seine Spielberechtigung für den Ryder Cup 2027 in Adare Manor sichert. Zu den Bedingungen gehören unter anderem Verpflichtungen hinsichtlich seiner Starts auf der DP World Tour.
Rahm selbst sieht in den aktuellen Veränderungen im Profigolf eine Chance für die europäische Tour. Bei der BMW PGA Championship erklärte er, die kommenden zwölf bis 18 Monate könnten für die DP World Tour wichtig werden. Die Veränderungen bei LIV Golf und die für 2028 angekündigte Neustrukturierung der PGA Tour könnten der europäischen Serie Möglichkeiten eröffnen, ihre Position zu stärken.
Rahm ist mit diesen Überlegungen keineswegs allein. Nach Informationen von Golf Digest hat die Zahl der LIV-Spieler, die sich nach ihren Möglichkeiten auf der DP World Tour für 2027 erkundigen, deutlich zugenommen.
Eine Rückkehr zur PGA Tour ist kompliziert
Eine mögliche Rückkehr Rahms zur PGA Tour wäre dagegen deutlich komplizierter.
Die PGA Tour arbeitet an einem neuen Wettbewerbsmodell und hat bislang keinen allgemeinen Weg für ehemalige LIV-Spieler vorgestellt. Gleichzeitig wird über die künftige Verbindung zwischen PGA Tour und DP World Tour verhandelt. Gerade die Frage, wie ehemalige LIV-Spieler über Europa möglicherweise wieder Zugang zum amerikanischen System bekommen könnten, gehört dabei zu den offenen Punkten.
Für Rahm bedeutet das: Selbst wenn er LIV Golf verlassen sollte, folgt daraus derzeit keineswegs automatisch eine Rückkehr auf die PGA Tour.
Die DP World Tour besitzt deshalb eine strategisch interessante Position. Sie bietet Rahm Turniere auf höchstem europäischen Niveau, erhält seine Ryder-Cup-Perspektive und könnte abhängig von den kommenden Vereinbarungen langfristig weitere Möglichkeiten eröffnen.
In Madrid wartet starke Konkurrenz
Zunächst geht es für Rahm allerdings um Golf.
Bei der Open de España trifft er auf ein Feld, das dem Turnier zusätzliche Bedeutung gibt. Die Veranstaltung ist zugleich das letzte nationale Open der DP-World-Tour-Saison. Danach folgen die Turniere in Indien und Südkorea, bevor im November die Playoffs in Abu Dhabi und Dubai beginnen.
Die Open de España wird vom 8. bis 11. Oktober im Club de Campo Villa de Madrid gespielt. Das Preisgeld beträgt 3,75 Millionen US-Dollar, für das Race to Dubai werden 5.000 Punkte vergeben.
Rahm kommt mit zwei weltweiten Siegen in dieser Saison nach Madrid. Die sportliche Aufgabe ist klar: Titel Nummer vier und damit erstmals mehr Siege bei der Open de España als Seve Ballesteros.
Was danach kommt, ist wesentlich schwieriger vorherzusagen.
Rahm hat sich für 2027 alle Möglichkeiten offengehalten. Die Entwicklung von LIV Golf, seine Verbindung zur DP World Tour und die Neuordnung des internationalen Profigolfs werden darüber entscheiden, wo einer der besten europäischen Spieler seiner Generation im kommenden Jahr hauptsächlich zu sehen sein wird.
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