Page 11 - GnS_4-25
P. 11

Scheffler versenkte 48 von 49 Putts
aus weniger als anderthalb Metern.
An dieser Stelle zogen wir in der
letzten GOLF'N'STYLE-Ausga-
be eine Major-Halbzeitbilanz
und der Autor gab auch gleich noch zwei
Tipps ab, wie die beiden noch verbleiben-
den Majors ausgehen könnten.
JJ SPAUN SIEGT IN OAKMONT
Der Autoren-Tipp für die U.S Open Jon Rahm.
Na ja, knapp daneben. Der Spanier von der
LIV-Tour wurde am Ende schlaggleich mit
Scottie Scheffler Siebter, fünf Schläge hinter
dem Überraschungssieger JJ Spaun. Ein
34-jähriger Journey-Man mit One-Hit-Won-
der-Potential, der die Golf-Woche seines Le-
Erste Claret Jug für
Scottie & Bennett
Scheffler
bens erlebte. „Ich habe Träume und Ambitio-
nen, aber ich habe nie gewusst, wie gut ich
wirklich Golf spielen kann“, gestand der Sie-
ger später, „ich habe vieles in meiner Karrie-
re durchlebt und bin standhaft geblieben,
darauf bin ich stolz. Mein Ziel war es immer,
der beste Golfer zu sein, der ich sein kann.“
Im Oakmont Country Club war er der Beste. Weil er einfach spielte: Schlag für Schlag, Loch für
Loch. Während andere zusehends verzweifelter ihren hochgesteckten Zielen hinterherhe-
chelten und schließlich im gnadenlosen Rough von Oakmont stecken blieben. Es wurde ge-
pöbelt (Brooks Koepka), Schläger geschmissen (McIlroy) und schließlich sogar noch zwei Lo-
cker-Türen von Wyndham Clarke demoliert. Der U.S.-Open-Sieger von 2023 wurde
mittlerweile vom Club mit einem Hausverbot auf unbestimmte Zeit sanktioniert. Wenn die U.S.
Open 2031 nach Oakmont zurückkehren, wird Clarke nach aktuellem Stand TV-Zuschauer
sein. Im Oakmont CC siegte Charakter über Talent. Selbst von fünf Bogeys auf den ersten
sechs Löchern der Finalrunde ließ Spaun sich nicht aus der Bahn werfen. Nach einer 90-minü-
tigen Unwetterunterbrechung kam Spaun besser zurück als andere. Ein spätes Birdie auf der
17 brachte ihn in Führung, mit einem Par auf der 18 würde er ein Stechen mit dem im Clubhaus
wartenden Robert MacIntyre vermeiden. Es kam noch viel besser: Mit einem gelochten 22
Meter-Putt zum Birdie riss Spaun das Publikum von den Sitzen und hievte sich selbst mit einem
Gesamtscore von eins unter Par in ungeahnte Golfsphären: „Ein Traum-Szenario – und das am
Vatertag mit meinen zwei Kindern am Grünrand.“ Ja, wahrscheinlich kaum noch zu toppen.
THE OPEN: PLAY-OFF
RORY MCILROY VS. ROBERT MACINTYRE
Nun ja, tatsächlich waren der umjubelte Lokalmatador McIlroy und der junge Schotte MacIn-
tyre nach vier Runden in Royal Portrush schlaggleich: 10 unter Par nach 72 Löchern. Ein durch-
aus auch realistischer und akzeptabler Open-Championship-Siegerscore möchte man mei-
nen. Aber nein, nicht wenn am Wochenende an der nordirischen Küste die Sonne rauskommt
und der Weltranglisten-Erste Scottie Scheffler Schefflersachen macht. Der aktuelle PGA-
Champion von Quail Hollow kam am Donnerstag noch etwas nervös und wackelig aus der
ersten Teebox (Fairway verfehlt), um in der Folge aber sukzessiv seine 155 Konkurrenten in
Grund und Boden zu spielen. Bestes Beispiel war der Auftakt der Finalrunde, in die Scheffler
mit vier Schlägen Vorsprung auf den Überraschungs-Chinesen Haotong Li ging. Als 45.000
Fans vor Ort und Millionen vor den TV-Geräten noch auf Spannung und eine Aufholjagd von
McIlroy und/oder Matt Fitzpatrick hofften, machte Scheffler den Deckel drauf. Drei Birdies
auf den ersten vier Löchern, sieben Schläge Vorsprung. Selbst ein Doppelbogey auf der 8, als
Scheffler im Wissen einer komfortablen Führung mit einem riskanten Fairwaybunkerschlag
scheiterte, konnte daran nichts ändern.
DIE PURE DOMINANZ
Scottie Scheffler sicherte sich den Titel
„Champion Golfer of the Year“ mit einer Leis-
tung, die statistisch so gar keine Schwächen
aufwies: –6 auf den Par-3s, –6 auf den Par-
4s, –5 auf den Par-5s – und damit –17. Über-
ragend war dabei sein Spiel ins Grün: Mit
+9,07 Strokes Gained im Bereich „Approach“
(Annäherungsschläge) spielte er fast neun
Schläge besser als der Durchschnitt des Fel-
des. Und im Gegensatz zur Vorwoche bei
den Scottish Open (Scheffler wurde 8.) funk-
tionierte auch der Putter stabil über vier
Tage. Mit +8,52 Strokes Gained in „Putting“
ließ er das Feld auch auf dem Grün weit hin-
ter sich. 83 % aller Putts aus Entfernungen
Masters-
Triumphator
Rory McIlroy
11






















   9   10   11   12   13