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Golf

Wassermanagement auf Golfplätzen wird zum Standortfaktor

1. September 2026
Golfclub GutKaden Luftaufnahme

Wassermanagement auf Golfplätzen wird für deutsche Anlagen zur strategischen Aufgabe. Der trockene Sommer 2026 zeigt, wie verwundbar ihre Wasserversorgung sein kann. Clubs investieren deshalb in Speicherteiche, moderne Beregnungsanlagen und alternativeWasserquellen. Aus einem Greenkeeping-Thema wird zunehmend eine wirtschaftliche Frage für den gesamten Golfbetrieb.

Wassermanagement auf Golfplätzen unter Druck

Braune Fairways gehören zum Sommer. Braune Grüns dagegen können für einen Golfplatz zum Problem werden. Fällt wochenlang kaum Regen, beschleunigen hohe Temperaturen die Verdunstung. Gleichzeitig können Behörden oder Wasserversorger die Entnahme begrenzen. Dann entscheidet dieWasserversorgung darüber, welche Spielflächen noch ausreichend gepflegt werden können. Der Sommer 2026 hat diese Frage für viele deutsche Golfanlagen noch einmal verschärft. Besonders betroffen waren unter anderem Baden-Württemberg, Teile Hessens und der Osten Bayerns.Auf einzelnen Anlagen wurde Wasser so knapp, dass die Bewässerung deutlich reduziert werden musste. Beim Golfclub Schönbuch in Baden-Württemberg wurde die Wasserlieferung durch den Versorger zeitweise um 50 Prozent gekürzt. Geschäftsführer Marcel Gallmayer brachte die Situation gegenüber dem Deutschen Golf Verband auf den Punkt: Selbst ein weit entwickeltes Wassermanagement stößt irgendwann an seine Grenzen, wenn über längere Zeit kein Regen fällt. Damit verändert sich auch die Frage, wie Golfanlagen in ihre Infrastruktur investieren.

40.000 Kubikmeter als Reserve

Der Golfclub Schönbuch hat bereits reagiert. Ein neuer Speicherteich mit einem Fassungsvermögen von rund 40.000 Kubikmetern soll Regen-, Drainage- und Grundwasser aufnehmen. In Trockenperioden steht dieses Wasser dann zur Verfügung. Das Prinzip ist einfach: Wasser wird gesammelt, wenn es vorhanden ist. Dadurch müssen in einer Trockenphase weniger zusätzliche Ressourcen beansprucht werden. Auch der Golfclub Heilbronn-Hohenlohe hat in zusätzliche Speicherkapazität investiert. Sein neuer Teich fasst nach Angaben des DGV rund 36.000 Kubikmeter. Vollständig gefüllt war er vor dem trockenenSommer noch nicht. Rund 12.000 Kubikmeter standen dennoch zur Verfügung. Diese Reserve machte einen erheblichen Unterschied. Grüns, Vorgrüns und Abschläge konnten während der Trockenperiode weiter bewässert und in gutem Zustand gehalten werden. Lediglich die Fairwayberegnung wurde zwischenzeitlich eingestellt. Das Beispiel zeigt, worum es künftig gehen dürfte. Ein Golfplatz muss während einer Dürre nicht möglichst sattgrün bleiben. Vielmehr sollte das vorhandene Wasser dort eingesetzt werden, wo es für den Spielbetrieb tatsächlich benötigt wird.

73 Prozent planen Investitionen

Dass Schönbuch und Heilbronn-Hohenlohe keine Einzelfälle sind, zeigen Daten des Deutschen GolfVerbandes. Bei einer bundesweiten DGV-Umfrage zur Golfplatzbewässerung gab rund ein Drittel der Anlagen an, über keine oder nicht ausreichende Wasserspeicherkapazitäten zu verfügen. Gleichzeitig planen

73 Prozent der befragten Golfanlagen Investitionen in die Modernisierung ihrer Beregnungstechnik.

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei den Wasserspeichern. 51 Prozent wollen in den kommendenJahren Speicherteiche bauen. Darin können beispielsweise Regenwasser oder alternative Wasserressourcen gesammelt werden. Damit entsteht auf deutschen Golfanlagen ein erheblicher Investitionsbedarf. Eine moderne Beregnungsanlage muss Wasser möglichst präzise auf jene Flächen bringen, die es tatsächlich benötigen. Gleichzeitig müssen Speicher geschaffen und zusätzliche Wasserquellen erschlossen werden. Gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen, Brauchwasser aus Wohn- oderGewerbegebieten sowie aufgefangenes Drainage- und Niederschlagswasser gewinnen deshalb anBedeutung.Wassermanagement auf Golfplätzen besteht künftig nicht mehr allein aus Beregnung. Es wird zu einemSystem aus Speicherung, alternativen Quellen, effizienter Verteilung und gezielterErhaltungsbewässerung.

Speicherteich Golfclub Neuhof

Nicht alles muss grün bleiben

Auch auf dem Golfplatz selbst verändert sich der Umgang mit Trockenheit. Nach Einschätzung von Marc Biber, beim DGV zuständig für Umwelt, Platzpflege und Nachhaltigkeit, haben viele Anlagen seit der großen Dürrephase 2018 dazugelernt. Statt sämtliche Spielflächen gleichmäßig zu bewässern, konzentriert sich die Beregnung zunehmend auf jene Bereiche, die für den Spielbetrieb besonders wichtig sind. Grüns werden geschützt. Fairways und teilweise Abschläge erhalten dagegen deutlich weniger Wasser. Während längerer Trockenphasen dürfen sie gelb oder braun werden. Das mag optisch zunächst ungewohnt sein. Aus Sicht eines nachhaltigen Wassermanagements ist es jedoch konsequent. Ein tiefgrünes Fairway mitten in einer regionalen Dürreperiode kann sogar zum Kommunikationsproblem werden. Denn Golfanlagen konkurrieren bei Wasser nicht nur um eine Ressource. Sie konkurrieren auch umöffentliche Akzeptanz.

Woher kommt das Wasser?

Genau diese gesellschaftliche Dimension wird für Betreiber wichtiger. Während längerer Trockenperioden werden Gartenbewässerung eingeschränkt, Wasserentnahmen verboten und Landwirtschaft sowie öffentliche Grünflächen unter Druck gesetzt. Gleichzeitig können sichtbare Beregnungsanlagen auf einem Golfplatz schnell den Eindruck eines verschwenderischen Wasserverbrauchs erzeugen. Ob dieser Eindruck sachlich gerechtfertigt ist, hängt jedoch stark von der jeweiligen Anlage ab. Ein Golfplatz, der gespeichertes Regen- und Drainagewasser oder aufbereitetes Abwasser nutzt, befindet sich in einer anderen Situation als eine Anlage, die in einer Trockenphase auf Trink- oder Grundwasser angewiesen ist. Für Außenstehende ist dieser Unterschied allerdings kaum erkennbar. Der DGV empfiehlt Clubs deshalb ausdrücklich, ihre Wasserversorgung stärker zu erklären. Hinweise auf die Verwendung von Speicher- oder Brauchwasser, Informationen für Mitglieder, Social Media und der Austausch mit lokalen Medien werden damit selbst zu Bestandteilen des Wassermanagements. Der Golfplatz der Zukunft muss also nicht nur weniger Wasser benötigen. Er muss auch nachvollziehbar erklären können, woher dieses Wasser stammt.

Grundwasser bietet keine Sicherheit

Besonders problematisch wird die Situation für Anlagen, deren Wasserkonzept stark vom Grundwasser abhängt. Eine genehmigte Entnahme bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Wassermenge während jeder Trockenperiode zur Verfügung steht. Entnahmen können an bestimmte Mindestgrundwasser stände gekoppelt sein. Werden diese unterschritten und gerät beispielsweise die öffentlicheTrinkwasserversorgung unter Druck, können Einschränkungen folgen. Genau deshalb gewinnen Speicherteiche auf Golfplätzen an Bedeutung. Sie machen eine Golfanlage unabhängiger vom Zeitpunkt des Niederschlags. Winterregen und Drainagewasser können gesammelt und Monate später zur Bewässerung genutzt werden. Auch ARD-Meteorologe Karsten Schwanke hatte im Sommer gegenüber dem DGV auf dieseEntwicklung hingewiesen. Niederschlags- und Drainagewasser müsse künftig möglichst auf denAnlagen gehalten werden – entweder zur Versickerung und damit zur Grundwasserneubildung oder zur Speicherung für Trockenperioden.

Wasser wird zur Investitionsfrage

Für Golfanlagen entsteht daraus eine neue wirtschaftliche Realität. Speicherteiche müssen geplant, genehmigt und gebaut werden. Beregnungsanlagen müssen modernisiert, Pumpen und Steuerungstechnik erneuert werden. Möglicherweise müssen außerdem Leitungen zu alternativen Wasserquellen entstehen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Greenkeeper, die mit den verfügbaren Ressourcen immer präziser arbeiten müssen. Das sind Investitionen, deren Nutzen sich nicht unmittelbar über zusätzliche Greenfee-Einnahmen oder neue Mitglieder messen lässt. Trotzdem können sie langfristig über die Qualität und möglicherweise sogar über die Betriebssicherheit eines Golfplatzes entscheiden. Denn ein hervorragend gepflegter Platz hilft wenig, wenn seine Wasserversorgung nur unter normalen Wetterbedingungen funktioniert.

Wasser verändert den Standortwert

Damit könnte Wasser künftig sogar Einfluss darauf haben, wie attraktiv einzelne Golfstandorte wirtschaftlich sind. Eine Anlage mit großen Speicherkapazitäten, moderner Beregnungstechnik und dauerhaft verfügbaren alternativen Wasserquellen besitzt eine andere Ausgangslage als ein Platz, der während jeder längerenTrockenperiode auf ausreichende Grundwasserstände oder die Versorgung durch einen örtlichen Anbieter angewiesen ist. Was früher vor allem eine Frage des Greenkeepings war, wird deshalb zunehmend Teil der strategischen Infrastrukturplanung. Der Sommer 2026 liefert dafür einen Vorgeschmack.

Greenkeeper bei der Arbeit

Die entscheidende Frage für deutsche Golfanlagen lautet künftig nicht mehr nur, wie viel Wasser ein Golfplatz benötigt. Mindestens genauso wichtig wird sein, woher dieses Wasser kommt, wann es gespeichert wird und wie effizient es eingesetzt werden kann. Für viele Clubs wird nachhaltiges Wassermanagement auf Golfplätzen deshalb mit erheblichenInvestitionen verbunden sein.

Fotos: Golfclub Mühlheim, Golfclub Schönbuch, Golfclub Neuhof, Golfclub Wildeshausener Geest, Golfclub Gut Kaden, © Andrew Redington/Getty Images