
Europas Elite gegen die US-Stars
Der Ryder Cup gilt als der größte Wettkampf im internationalen Golfsport. Vom 26. bis 28. September 2025 wird er auf dem Black Course im Bethpage State Park in Farmingdale, New York, ausgetragen. Zum 45. Mal treffen dabei die besten Spieler Europas auf die Stars aus den USA. Schon einen Monat vor dem ersten Abschlag wurde heiß diskutiert, wer die besseren Chancen hat. Statistiken, Datenanalysen und Einschätzungen internationaler Experten zeichnen ein klares Bild – zumindest auf den ersten Blick.
Zahlen, Wahrscheinlichkeiten und erste Prognosen
Ein Blick auf die gängigen Datenbanken lässt viele Beobachter zweifeln, ob der Wettbewerb überhaupt spannend werden kann. Plattformen wie datagolf.com errechnen für Team USA eine Gewinnwahrscheinlichkeit von mehr als 57 Prozent. Für die Europäer liegt die Chance bei rund 35 Prozent. Etwa acht Prozent Wahrscheinlichkeit bleiben für ein Unentschieden, das gleichbedeutend mit einer Titelverteidigung Europas wäre.
Wer ist in der Favoritenrolle?
Diese statistische Ausgangslage spricht deutlich für die Mannschaft von US-Captain Keegan Bradley. Die Europäer gehen also als Außenseiter in die drei Wettkampftage auf Long Island. Doch wer den Ryder Cup länger verfolgt, weiß: Zahlen allein entscheiden nicht über Sieg oder Niederlage. Schon 2023 in Rom war die Ausgangslage ähnlich. Auch damals galten die Amerikaner als Favoriten, konnten ihre nominelle Stärke aber nicht auf den Platz bringen und mussten sich deutlich geschlagen geben.
Team USA Captain Keegan Bradley konnte der Versuchung widerstehen, sich selbst aufzustellen.
(Foto: BGM_PHOTOGRAPHY/Polo Ralph Lauren)
Daten im Detail: Was steckt dahinter?
Die Berechnung von Siegchancen erfolgt nicht aus dem Bauch heraus, sondern basiert auf einer Vielzahl von Parametern. Dazu zählen Weltranglistenpunkte, aktuelle Ergebnisse, durchschnittliche Schlaglängen oder Putting-Statistiken. Je größer der Datensatz, desto exakter das Modell. Doch auch das beste Modell kann nicht einbeziehen, wie sich Spieler unter maximalem Druck verhalten oder wie sich Teamchemie entwickelt.
Für die US-Amerikaner spricht vor allem die enorme Leistungsdichte. Ein Großteil der besten Spieler der Welt kommt aus den Vereinigten Staaten. Namen wie Scottie Scheffler, Patrick Cantlay oder Collin Morikawa stehen für Stabilität, Präzision und Nervenstärke. Für Europa sind dagegen Rory McIlroy, Jon Rahm oder Tommy Fleetwood die tragenden Säulen, die auf Augenhöhe mit den Besten bestehen können. Doch die Breite im Kader ist auf amerikanischer Seite größer, weshalb die Wahrscheinlichkeitsmodelle klar in diese Richtung ausschlagen.
Nur Außenseiterchance für Europa?
Die Geschichte des Ryder Cup zeigt jedoch, dass Statistiken oft trügen können. Emotionen, Dynamik und die Fähigkeit, im Team über sich hinauszuwachsen, haben schon mehrfach Favoriten zu Fall gebracht. Auch 2012 beim legendären „Miracle of Medinah“ konnte Europa als Außenseiter einen spektakulären Sieg feiern.
Die aktuelle Situation erinnert in vielerlei Hinsicht an damals. Die Amerikaner wirken individuell überlegen, doch die Europäer haben in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie im Matchplay-Format und mit starker Teamchemie vieles ausgleichen können. Zudem haben sie Kapitän Luke Donald an der Spitze, der schon 2023 ein glückliches Händchen bewiesen hat.
Das 2023 in Rom erfolgreiche Team Europe (Foto: Getty Images)
Zwischen Statistik und Realität
Der Ryder Cup 2025 wird also mit einem klaren Favoriten beginnen. Das macht die Sache für die Zuschauer umso spannender. Denn jedes Match bietet die Möglichkeit, Wahrscheinlichkeiten ad absurdum zu führen. Ein einziger missratener Putt oder ein gelochter langer Chip kann die Stimmung drehen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch im gesamten Team.
Für die USA bedeutet die statistische Ausgangslage Druck. Sie müssen den Erwartungen gerecht werden. Für Europa dagegen ist die Rolle als Herausforderer ein Vorteil. Das Team kann befreiter aufspielen und versuchen, den Amerikanern gleich zu Beginn den Schneid abzukaufen. Die Erfahrung zeigt, dass ein guter Start oft über den gesamten Verlauf der drei Tage entscheidet.
Erste Bilanz: Favorit ja, Sieger noch lange nicht
Alles in allem lässt sich festhalten: Vor dem ersten Abschlag in Bethpage spricht vieles für die USA. Die Datenmodelle geben ihnen die besseren Chancen, und die Leistungsdichte im Kader ist beeindruckend. Doch der Ryder Cup folgt seinen eigenen Gesetzen. Europa hat schon mehrfach gezeigt, dass sich selbst die klarsten Favoriten auf heimischem Boden schwergetan haben.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, wer die besseren Statistiken aufweist, sondern wer es schafft, Emotion, Nervenstärke und Teamgeist auf den Platz zu bringen. Genau darin liegt die Chance für Europa. Das „Battle of Bethpage“ könnte so offen sein wie lange nicht mehr.
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