
Rory McIlroy Masters: Der Nordire gewinnt auch die 90. Ausgabe in Augusta und verteidigt damit sein Green Jacket. Obwohl er phasenweise nur jedes zweite Fairway trifft, überzeugt Rory McIlroy mit Geduld, Gelassenheit und einem starken kurzen Spiel.
Ein Sieg mit anderen Emotionen
Für Rory McIlroy beginnt diese besondere Woche entspannt. Am Sonntag vor dem Turnier spielt er im Augusta National Golf Club eine Trainingsrunde mit Vater Gerry beim Family & Friends Day. Eine Woche später endet alles mit einer Champagner-Party im gemieteten Haus der Familie – diesmal im grünen Jackett.
Mit der erfolgreichen Titelverteidigung schafft McIlroy Historisches. Vor ihm gelingt dieses Kunststück in Augusta nur Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods. Gleichzeitig zieht der Nordire bei den Major-Titeln mit Faldo gleich. Sechs Major-Siege und der bereits im Vorjahr vollendete Major Grand Slam unterstreichen seinen Stellenwert im europäischen Golf.
McIlroy beschreibt den Erfolg später als mindestens ebenso schwer wie den ersten Augusta-Sieg. Der Score ähnelt dem des Vorjahres stark. Doch emotional verläuft alles ganz anders.
Während die Väter feiern…
Rory McIlroy Masters: Ruhe statt Ausnahmezustand
Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es diesmal keinen körperlichen Zusammenbruch auf dem Grün, keine Erschöpfung, keine Schwindelgefühle. Stattdessen reißt McIlroy Arme und Hände nach oben, schreit seine Freude heraus und fällt danach seiner Familie in die Arme.
Neben Ehefrau Erica und Tochter Poppy sind diesmal auch seine Eltern Gerry und Rosaleen in Augusta dabei. Im Vorjahr fehlt die Familie noch, weil ein Umzug ansteht. Nun erleben alle gemeinsam jene Woche, die McIlroy als die schönste des Jahres für seine Familie beschreibt.
Gerade das scheint den Unterschied auszumachen. Denn Augusta fühlt sich für McIlroy inzwischen leichter an. Traditionen wie der Family Day, die Übungsrunden, das Champions Dinner oder der Par-3-Contest lasten nicht mehr schwer auf ihm. Außerdem bleiben die alten Fragen aus, ob und wie er es diesmal endlich schaffen könne.
…forscht die Jugend beim Par3-Contest.
Miese Drive-Statistik, starker Kopf
Genau diese stabilere mentale Verfassung trägt ihn durch das Turnier. Nach zwei Runden liegt McIlroy mit 12 unter Par vorne. Seine Runden von 67 und 65 bedeuten sechs Schläge Vorsprung – ein Masters-Rekord nach zwei Tagen.
Bemerkenswert ist dabei vor allem eine Zahl: McIlroy trifft zu diesem Zeitpunkt nur 47 Prozent der Fairways. Im Feld von 91 Spielern liegt er damit auf Rang 90. Nur Davis Riley ist in dieser Statistik noch schwächer.
Früher hätte ihn eine solche Driving-Bilanz womöglich aus dem Turnier geworfen. Diesmal reagiert McIlroy gelassen. Auf die Frage nach der Strategie für Runde drei sagt er kühl, er wolle locker und entspannt weiterschwingen, um vielleicht ein paar Fairways mehr zu treffen.
Kurzes Spiel als Schlüssel
Genau das gelingt. Die Drive-Genauigkeit verbessert sich im Verlauf der Woche. In der Schlussrunde trifft McIlroy schließlich 71 Prozent der Fairways.
Vor allem aber trägt ihn das kurze Spiel. Rund um die Grüns und auf den Putts bleibt er über vier Tage konstant stark. Sein eigenes Fazit fällt entsprechend klar aus: Short Game und Putting seien in dieser Woche eine glatte Eins gewesen.
Dennoch wird es von Runde zu Runde enger. Scottie Scheffler, Cameron Young, Sam Burns und Justin Rose erhöhen den Druck. Vor allem Cameron Young zieht zum Ende der dritten Runde gleich. Beide liegen bei elf unter Par.
Spannung bis zum Schluss
Am Finaltag übernimmt Cameron Young bereits nach Loch zwei die Führung. Als McIlroy dann auch an Loch 4 patzt und die von Jack Nicklaus so klar formulierte Regel gegen Doppelbogeys missachtet, liegt er plötzlich zwei Schläge zurück.
Doch diesmal bleibt er bei sich. Er hält an seinem Matchplan fest, reagiert nicht hektisch und kontert mit zwei Birdies an den Löchern 12 und 13. So bringt er seinen knappen Vorsprung ins Ziel und gewinnt hauchdünn vor Scottie Scheffler bei elf unter Par.
Später gibt McIlroy zu, dass er am Wochenende eigentlich 14 unter Par als wahrscheinlichen Siegscore im Blick hatte. Dass ein Par-Ergebnis reichen würde, habe er nicht erwartet. Einige Fehler der Konkurrenz spielen ihm letztlich in die Karten.
Justin Rose und die verpasste Chance
Zu den Dritten hinter McIlroy und Scheffler zählen Justin Rose, Tyrrell Hatton, Russell Henley und Cameron Young. Gerade für Rose ist das Ergebnis erneut bitter.
Der Engländer erlebt in der entscheidenden Phase jene Verkrampfung, die McIlroy inzwischen besser kontrolliert. Im Amen Corner leistet sich Rose auf den Löchern 11 und 12 zwei Bogeys in Folge. Damit endet die Hoffnung auf das erste Green Jacket erneut.
Trotzdem bleibt Rose eine Figur, die in Augusta weiter eine Rolle spielen kann. 2027 wird er zum 22. Mal beim Masters antreten. Das Zahlenspiel dazu ist bemerkenswert: Nach seinem Wechsel ins Profilager verpasst er einst 21 Cuts in Folge auf der European Tour, ehe es beim 22. Versuch endlich klappt.
Justin Rose hatte einmal mehr das Nachsehen.
LIV-Spieler und die nächsten Major-Chancen
Zu den klaren Enttäuschungen des Turniers gehören die Spieler der LIV Golf League. Mit Ausnahme von Tyrrell Hatton auf Rang drei spielen sie im Kampf um den Sieg keine Rolle. Dustin Johnson, Jon Rahm, Sergio García und Charl Schwartzel landen weit hinten. Mehrere weitere LIV-Profis verpassen sogar den Cut.
Im Gedächtnis bleiben zudem eher schlechte Stimmung und unschöne Szenen. Besonders Sergio García fällt auf, als er nach einem verzogenen Abschlag zuerst die Teebox bearbeitet und seinen Driver schließlich an einer Kühlbox zerstört.
Auch einige weiterhin majorlose Top-Spieler müssen einen neuen Anlauf nehmen. Cameron Young, Russell Henley, Ludwig Åberg und Viktor Hovland bleiben Kandidaten für kommende Major-Siege. Tommy Fleetwood wiederum könnte besonders bei The Open Championship eine große Chance bekommen. Das Turnier findet im Juli im Royal Birkdale Golf Club in Southport statt – also dort, wo Fleetwood geboren wird und aufwächst.
Die nächsten Major-Termine
Die kommenden Chancen auf einen Major-Sieg stehen bereits fest:
- 14.–17. Mai: PGA Championship, Aronimink Golf Club, Newton Square, Pennsylvania
Titelverteidiger: Scottie Scheffler - 18.–21. Juni: U.S. Open, Shinnecock Hills Golf Club, Southampton, New York
Titelverteidiger: J.J. Spaun - 16.–19. Juli: The Open Championship, Royal Birkdale Golf Club, Southport, England
Rory McIlroy Masters als Beleg seiner Reife
Rory McIlroy Masters steht in Augusta diesmal für mehr als nur einen weiteren großen Titel. Der Nordire gewinnt nicht, weil alles perfekt läuft. Er gewinnt, weil er Fehler annimmt, ruhig bleibt und seinem Spiel vertraut. Genau diese Mischung aus Gelassenheit und Klasse macht seine Titelverteidigung so bemerkenswert – und nährt bereits jetzt die Vorfreude auf den nächsten Versuch in Augusta.










