
Trainingslager in der Türkei …muss das sein? „Nein“, sagt Golf-Sustainable-Gründerin Petra Himmel. Außerdem spricht die Nachhaltigkeits-Expertin in GOLF‘N‘STYLE mit Sven Hanfft über den Einsatz von Mährobotern und die „grüne“ Perspektive stadtnaher Golfanlagen.
Vom Magazin TIME und Statista wurde aus einem Pool von insgesamt 5.000 Firmen eine Liste der 500 World’s Most Sustainable Companies 2025 erstellt. Man untersuchte sie mit Blick auf 20 Nachhaltigkeitsdaten. Dazu zählten das CDP Rating, die Vereinbarung mit UN Global Compact und der Initiative Science Based Targets, die Aufführung im S&P Global Sustainability Yearbook und die Teilnahme am UNFCCC Race to Zero. Man evaluierte ebenfalls die Kommunikation und das Reporting sowie Key-Performance-Indikatoren aus dem Bereich Umwelt. Mit Puma, Boss, Polo Ralph Lauren, Mélia Hotels, Husqvarna und Decathlon haben es sechs Unternehmen in die Top 500 geschafft, die auch im Golfmarkt vertreten sind. Sechs von 500! Von Golf-Sustainable-Gründerin Petra Himmel (57) aus München wollten wir wissen, was diese eher bescheiden anmutende Quote über die Golfbranche aussagt.
Petra Himmel: Grundsätzlich muss man an dieser Stelle hinzufügen, dass die klassischen Golfunternehmen wie etwa Callaway oder Acushnet, vom Umsatz im Vergleich etwa zur Decathlon Group relativ klein sind und man sich innerhalb dieser Liste mit sehr großen Firmen misst. Allerdings können zum Beispiel John Deere und Toro in diesem Segment vom Umsatz problemlos mithalten. Die Golfbranche ist aber nach wie vor sehr stark vom US-Markt geprägt, auf dem das Nachhaltigkeits-Thema weit weniger Stellenwert hat als in Europa oder auch in Asien. Srixon, das einzige Unternehmen mit einem Top-Ball mit nachhaltigem Touch, stammt aus Asien. Husqvarna aus Schweden, Decathlon aus Frankreich, Puma aus Deutschland. Der Input beim Thema Nachhaltigkeit kommt erkennbar derzeit nicht aus den USA, das ist aber nun mal der weltweit größte Golfmarkt.
PUMA – RE:FIBRE-Strategie: Trikots werden aus aus 75 % recycelten Textilabfällen und anderen Abfallmaterialien hergestellt.
Eine im August 2025 veröffentlichte Studie „The cooling effect of urban green spaces as nature-based solutions for mitigating urban heat: insights from a decade-long systematic review“ zeigt, wie effektiv Urban Green Spaces (städtische Grünflächen) als naturbasierte Lösungen zur Minderung der Überhitzung in Städten wirken können. Basierend auf der Analyse von 84 wissenschaftlichen Studien der letzten zehn Jahre, belegt die Untersuchung, dass gut geplante und gepflegte Grünflächen Temperaturen in Städten um bis zu 7 °C senken können. Diese Studie ist damit auch für Golfanlagen relevant, die sich in stadtnahen Gebieten befinden und aus den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für die Strukturierung ihrer Flächen ziehen können. Die analysierten Studien konzentrierten sich auf eine breite Palette urbaner Grünstrukturen: große Stadtparks, Straßenbäume, kleinere Pocket-Parks, begrünte Plätze, Mischflächen aus Gras und Sträuchern sowie innovative Lösungen wie grüne Dächer und vertikale Begrünung. Nicht Teil der untersuchten Flächen waren Golfanlagen oder andere großflächige Freizeitareale. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht direkt auf diese Flächentypen übertragen, auch wenn ähnliche Kühlmechanismen dort theoretisch wirksam sein könnten. Ein Manko, das sich vor allem auf die Golfplätze auswirkt, deren Betreiber hier ein wichtiges Argument für deren Bestehen in der Hand haben könnten. Und ist es nicht sogar für den Deutschen Golf Verband und seine Landesverbände ein stichhaltiges Argument, um mit staatlicher Unterstützung stadtnahe, öffentliche 6- oder 9-Löcher-Anlagen zu implementieren.
Petra Himmel sagt dazu: Definitiv – Grünflächen spielen im Schwammstadtkonzept von Städten eine große Rolle und haben daneben eine wichtige Bedeutung beim Thema Kühlung und Biodiversität. Hier besteht großes Potenzial, vor allem wenn wir an kompakte Plätze, idealerweise als Multifunktionsflächen, denken. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sehr vielen Verbänden derzeit noch nicht klar ist, dass dies ein großes Argument pro Golfsport ist, dass man nützen müsste bzw. sollte.
Golflounge-Resort Moorfleet: ein Paradebeispiel für Urban Green Space in Hamburg.
Unsicherheit, Skepsis, Scheu, Berührungsängste oder eben auch pure Begeisterung und Erleichterung – den kleinen Mährobotern, die seit etwa zehn Jahren vorrangig auf Golfplätzen in Europa Fairways und Semiroughs mähen, wird mit vielerlei Emotionen begegnet. Jetzt haben renommierte Wissenschaftler erneut die Mähleistung der Geräte untersucht. „Das Ergebnis war sehr positiv. Vor allem war die Qualität des Grases besser“, resümiert Trygve S. Aamlid vom Norwegian Institute of Bioeconomy, der das ROBO-GOLF-Projekt leitete. „Das liegt am täglichen Schnitt, was zu besserem Gras und weniger Unkraut auf den Fairways führt.“ Da drängt sich ja geradezu die Frage auf: Werden die Mähroboter irgendwann die konventionellen, mit Benzin oder Diesel betriebenen Mäher gänzlich vom Fairway vertreiben können?
Petra Himmel dazu: An der Elektrifizierung von Maschinen geht generell kein Weg vorbei, weil fossile Treibstoffe ein Auslaufmodell sind. Autonomes Mähen wird mit Sicherheit ein Erfolgsmodell, wobei die Frage des Tierschutzes in Deutschland im Moment erkennbar eine Herausforderung für die Hersteller ist.
Benzinmäher und Manpower kann man sich mit smarten Akkumähern sparen.
Die Husqvarna Group aus Schweden, die dort auch ihren größten Markt hat, ist inzwischen allein in Deutschland auf über 130 Golfanlagen vertreten. Auf dem Vormarsch ist der deutsch-chinesische Produzent Kress, der 2023 in Deutschland seine ersten Roboter zum Einsatz brachte, welcher inzwischen auf rund 70 Anlagen im Einsatz ist. Photovoltaik auf dem Dach, Mähroboter auf dem Fairway, Biodiversität abseits der Fairways, aber zur Saisonvorbereitung fliegen die ambitionierten Clubmannschaften zum Trainingslager in der Türkei, und zum DGL-Auswärtsspieltag geht`s mit Verbrenner-Kleinbussen. Fehlt es in vielen deutschen Clubs noch an der nötigen Sustainability-Konsequenz?
Petra Himmel: Das Thema ist extrem komplex und müsste theoretisch durchgängig bei allen Prozessen im Club mitgedacht werden. Vereinzelt gibt es international Clubs, die das schaffen. Royal Dornoch oder Carnoustie Golf Links in Schottland wären Beispiele. Wer sich eine Person ins Management oder in den Vorstand holt, die sich nur oder eben konzentriert um das Thema Nachhaltigkeit kümmert, wird schnell feststellen, wie viele Drehschrauben man in eine nachhaltigere Richtung stellen kann. Dann fährt das Clubteam vielleicht mit dem E-Bus in die Toskana oder nach Frankreich und trainiert dort und nicht etwa in Belek in der Türkei.
Srixon-Ball. Top-Ball mit Nachhaltigkeitsgedanken.
Es stellt sich abschließend die Frage, für all diejenigen, die von den Guten lernen wollen: Gibt es aus Ihrer Sicht in der Region DACH oder auch in ganz Europa Golfanlagen, die man als Sustainability-Vorbilder bezeichnen könnte?
Petra Himmel: Royal Dornoch ist extrem gut in allen Bereichen von Ökologie über soziale Komponenten bis hin zum CO2-Fußabdruck aufgestellt. Der Links Trust in St. Andrews als Verwalter des Old Course und der anderen Plätze in St. Andrews hat auch alle Bereiche im Blick, da werden dann eben auch Müllmanagement und Gastronomie nicht vergessen. Ansonsten ist es meist so, dass sich Golfanlagen auf Einzelbereiche fokussieren. Das ist ja immerhin ein positiver Schritt, schafft erste Erfolgserlebnisse und regt zum Weitermachen an.
Golf-Sustainable-Gründerin Petra Himmel
Zur Person: Petra Himmel (57, Hcp 2,1) berichtet seit über 20 Jahren vielschichtig über die Geschehnisse im internationalen Golfsport. Mit der Zielsetzung, Nachhaltigkeitsfragen im Golfsport journalistisch aufzubereiten, hat die Münchnerin 2019 Golf Sustainable gegründet
Fotos: Stefan von Stengel, AdobeStock/Andrea Izzotti, trongnguyen, Kress Mähroboter, Puma, Srixon, Toro
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