
Der Lokalmatador und Zweitplatzierte von 2023 verrät GOLF’n’STYLE, wie man das Grüne Monster bezwingt, welche Chancen man nutzen und welchen Risiken man entgehen muss, um das Turnier der DP World Tour zu gewinnen.
Marcel, du bist in Green Eagle fast zu Hause und kennst den Platz mittlerweile wie deine Westentasche. Mit welcher Herangehensweise tritt man optimalerweise auf dem Nord Course der European Open an?
Ich kann mich noch genau an die ersten Male erinnern, als ich den Platz gespielt habe. Damals habe ich mir regelmäßig Runden von 77 oder 78 Schlägen abgeholt. Ich dachte damals: Der Platz ist lang, du musst aggressiv sein, musst attackieren. Aber auf dem Platz zu aggressiv zu sein, kann dir genauso gut das Genick brechen. Ja, der Platz ist lang, aber nicht viel länger als andere Plätze, die wir spielen. Es bringt dir aber überhaupt nichts, wenn du bei den European Open der Längste vom Tee bist, wenn du kein Fairway triffst und in dem wirklichen unangenehmen Rough landest. Das Wichtigste ist daher, dass man den Platz, obwohl er gar nicht so eng ist, sehr strategisch spielt. Das fängt schon auf der ersten Spielbahn an. Da kannst du mit dem Driver links über den Wald gehen. Wenn du aber zu weit nach links schlägst, bekommst du direkt massive Probleme. Ich schlage da deshalb mittlerweile nur noch mein Holz 3 oder Holz 5. Denn mal ehrlich, ob man dann ein Wedge aus 90 Metern hat oder aus 50 ist auch nicht so entscheidend.
Nimm uns doch mal mit. Wie geht man die einzelnen Bahnen an, welche spielst du gerne, welche magst du gar nicht?
Nach der kürzeren 1 geht es auf das erste Par 3. Ein angenehmes Loch, finde ich. An der 3 muss man dann das erste Mal richtig aufpassen und sehr strategisch spielen. Auf der ganzen rechten Seite lauert das Wasser, links der Fairwaybunker. Ich schlage hier oftmals nur ein langes Eisen ab. Beim Schlag in das wohl unangenehmste Grün des Platzes ist dann die Distanzkontrolle das A und O. Triffst du nicht das richtige Plateau, gibt es schnell mal einen 3-Putt. Bahn 4 spielen wir ja mittlerweile als Par 5. Als extrem langes Par hat sie mir, offen gesagt, besser gefallen.
„Ich fände einen Siegesscore von Level-Par geil.“
Du würdest den Platz gerne noch schwieriger spielen?
Ja, ich bin da zugegebenermaßen wie Bleschi (Platzarchitekt und Green-Eagle-Besitzer Michael Blesch ). Ich fände einen Siegesscore von Level-Par geil. Je dichter wir da herankommen, desto besser. Aber die Tour hat da schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden (lacht).
Wie sieht es mit den restlichen Bahnen aus?
Die 6, ein weiteres langes Par-4, mit halbem Inselgrün ist das nächste ekelhafte Loch. Da kann man auch mit einem Bogey leben. Hier geht es darum, das Doppelbogey zu verhindern. Auf diesem Platz, auf dem du einfach weniger Birdies spielst als anderswo, sind Doppelbogeys noch deutlich verheerender. Die kurze 7 ist dann ein schönes Birdie-Loch zum Ausruhen, die 8, ein Par 3, mag ich sehr. Hier geht es wieder um Längenkontrolle. Das Grün ist wirklich nicht tief. Bahn 9, ein Par 5, ist von ganz hinten etwas langweilig, weil du mit dem zweiten Schlag nicht das Grün erreichen kannst, von den vorderen Abschlägen aber ziemlich cool. Denn du brauchst immer noch zwei perfekte Schüsse, um aufs Grün zu kommen.
Und dann kommt mit der 10 ein brutales Loch.
So ist es. Die 10 willst du nicht morgens um 6:40 Uhr als erstes Loch spielen. Die ist einfach echt lang. Ich hoffe daher, dass ich den Mittags-Slot erwische, an dem Tag, an dem ich auf der 10 beginne. Die 11, wieder ein Par 5, ist ein schönes Loch und das perfekte Beispiel dafür, dass du auf dem Platz wirklich eine Chance hast, wenn du gute Drives schlägst. Wenn nicht, bekommst du sofort Probleme. Die 12 mag ich persönlich nicht so sehr, Longhitter haben hier aber nur noch ein Wedge ins Grün. An der 13 kann man, wenn man nicht Nick Bachem heißt, nicht über das Wasser links abkürzen. Ich bin da also eher zurückhaltend und will das Wasser aus dem Spiel nehmen. Das Grün ist dann relativ groß und nicht allzu schwer zu treffen. Die 14, das kurze Par 3, ist ein richtig geiles Loch, aber halt echt tricky. Mal wieder ist hier die Devise: Distanzkontrolle!
Mit der 15 und der 16 warten dann zwei Par-5-Bahnen hintereinander.
Genau. Die 15 finde ich richtig gut, denn je mehr Wasser eine Bahn hat, desto besser. Je aggressiver du hier vom Abschlag bist, desto besser kannst du das Grün attackieren: ein klassisches Risk-and-Reward-Loch. Wobei der zweite Schlag wirklich sehr gefährlich ist. Die 16 von hinten ist, wie die 9, etwas langweilig, weil sie mit zwei Schlägen nicht zu erreichen ist. Von weiter vorne wird es dann interessant. Auch hier lauert am Grün wieder das Wasser. Sehr spannend. Auch die 17 ist ein supertolles Loch, gerade wenn es windig ist. Hier hat man viele Optionen. Ich habe hier zwischen einem Eisen 9 und einem kleinen Eisen 6 schon alles gespielt. Die 18, wieder ein Par 5, ist dann mein absolutes Lieblingsloch. Wahrscheinlich auch, weil es hier im letzten Jahr richtig gut für mich lief. Der Spaßfaktor kann bei dem Loch sehr hoch sein, wenn du das Fairway triffst und attackierst. Wenn du das Fairway verfehlst, wird es brutal schwierig. Aber das letzte Loch mit den Fans und diesem Stadion-Charakter ist einfach unglaublich.
Wo hat man auf dem Platz denn überhaupt Chancen zu scoren und wo muss man aufpassen, dass es einen nicht zerreißt?
Die besten Chancen auf Birdies hat man auf den Bahnen 7, 11, 15 und 16. Die gefährlichsten Löcher sind die 3, 6, 10, für mich persönlich die 12 und die 14.
Wie bereitest du dich auf den Platz und die Woche vor?
Im vergangenen Jahr habe ich unendlich viele Eisen trainiert und mich auf die Längenkontrolle konzentriert. Wedges spielt man auf dem Platz kaum. Birdies fallen nur über genaue und gute Eisenschläge. Auch Chippen und Bunkerschläge sollte man vorher trainieren.
„Diese Jahr wahrscheinlich nicht. Im nächsten Jahr aber sehe ich mich durchaus als Favoriten“
Gewonnen haben das Turnier in fünf von sechs Jahren Spieler, die zuvor noch nie ein Event gewonnen hatten. Welche Spielertypen haben hier einen Vorteil?
Das stimmt. Oftmals waren das Spieler, die nicht besonders lang sind, aber sehr genau. Wenn du über vier Tage konstantes Golf spielen kannst, hast du hier eine richtig gute Chance.
Und wie sieht es mit dir aus? Du kommst gerade erst nach einer Hüft-Operation zurück. Die European Open sind erst dein zweites Turnier. Siehst du dich dennoch nach dem zweiten Platz im vergangenen Jahr als Favoriten?
Dieses Jahr wahrscheinlich nicht. Im nächsten Jahr aber sehe ich mich durchaus als Favoriten. Ich würde mich einfach freuen, wenn ich, Freddy (Schott ) oder Nick (Bachem ) in diesem Jahr vorn mitspielen könnten.
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